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Frachter in der Schleuse gestoppt

Luftverschmutzung Frachter in der Schleuse gestoppt

Seit Januar 2015 darf auf Nord- und Ostsee kein Handelsschiff mehr ungefiltert Schweröl verbrennen. Passiert das dennoch, können gegen die Besatzungen der Schiffe Ermittlungen eingeleitet werden. Genau das passierte jetzt in Kiel.

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Gegen den Containerfrachter „E.R. Tallinn“ besteht der Verdacht der Missachtung der seit 2015 geltenden Umweltvorschriften für Nord- und Ostsee.

Quelle: Frank Behling

Kiel. In der Holtenauer Schleuse stoppte die Kieler Wasserschutzpolizei am Mittwochmorgen den Containerfrachter „E.R. Tallinn“, gegen den der Verdacht der Missachtung der seit 2015 geltenden Umweltvorschriften für Nord- und Ostsee besteht. Auslöser des Polizeieinsatzes waren die Daten aus Hamburg. Beim Auslaufen aus dem Hamburger Hafen hatte nachts eine Mess-Station des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie eine deutliche Überschreitung der Grenzwerte für Schwefel in den Abgasen des 158 Meter langen Frachters gemeldet. Das Bundesamt alarmierte daraufhin die Wasserschutzpolizei Kiel, da das Schiff durch den Nord-Ostsee-Kanal zur Ostsee unterwegs war. 

An Bord des  2011 auf der Wujiazui Shipyard im chinesischen Nanjing gebauten Frachters gibt es keine Abgasreinigungsanlage. Deshalb hätte die Besatzung nur Marinedieselöl mit einem Schwefelanteil von 0,1 Prozent nutzen dürfen. Welchen Treibstoff die Besatzung nun genau verwendet hat, sollen jetzt die weiteren Ermittlungen ergeben. Die Kieler Wasserschutzpolizisten zogen deshalb Ölproben und überprüften die Daten und Tagebücher der Maschinenanlage. Die Staatsanwaltschaft Kiel ordnete außerdem eine Sicherheitsleistung von 5000 Euro an. Gegen die verantwortlichen Mitglieder der Besatzung wurde in der Schleuse eine Strafanzeige gefertigt. Nach dem Ende der Kontrolle und der Hinterlegung der Sicherheitsleistung durfte die „E.R. Tallinn“ schließlich ihre Fahrt mit Containern nach Kopenhagen fortsetzen. 

Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie ist in Deutschland für die Messung der Umweltdaten der Schifffahrt zuständig. Vorige Woche hatte die Behörde in Hamburg gerade erst eine positive Bilanz der neuen Grenzwerte gezogen. Der überwiegende Teil der Seeschiffe halte sich laut Behörde auf der Elbe an die Vorschriften, hieß es.  Dazu beigetragen hat laut BSH auch das Projekt „MeSmarT“ zur Entwicklung von Methoden zur Messung der Schwefelemissionen von Schiffen auf der Elbe. „Das Projekt belegt, dass Messmethoden zur Erfassung des Anteils von Schwefel in den Schiffsemissionen bereits zur Verfügung stehen“, sagte BSH-Präsidentin Monika Breuch-Moritz. Gegenwärtig ist das Bundesamt in Zusammenarbeit mit den Nachbarstaaten dabei, ein Netzwerk von Stationen zu etablieren sowie weitere Messmethoden zu überprüfen. Auch in Dänemark werden die Abgaswerte der Schiffe beispielsweise bei der Passage des Großen Belts gemessen

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Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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