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Israel ist mehr als nur ein Pulverfass

Kiel Israel ist mehr als nur ein Pulverfass

Das Israel-Bild vieler Schüler in Schleswig-Holstein ist gefährlich eingeschränkt auf den Nahost-Konflikt. Das haben das Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen (IQSH) und die israelische Botschaft festgestellt und versuchen, auf einem Thementag in Kiel jene zu sensibilisieren, die das ändern können: Lehrer.

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Ja, es gibt in Israel auch Grund zum Jubeln: Die Chip-Industrie – hier ein Werk der Firma Intel in Kiryat Gat, Südisrael – steht stellvertretend für viele High-Tech-Firmen. Die Region um Tel Aviv wird ironisch sogar „Silicon Wadi“ genannt.

Quelle: imago

Kiel. Rund 40 Pädagogen aus Schleswig-Holstein, darunter sieben aus dem Raum Kiel, stellten sich den Herausforderungen deutsch-israelischer Beziehungen. Eine sei „linker Antisemitismus“, der sich über soziale Medien schneller denn je verbreite, sagte IQSH-Direktor Thomas Riecke-Baulecke: „Gebe George Bush einen Kopfschuss und verfluche das Judentum“, zitierte er einen Song des Rappers Haftbefehl.

 In Musik und Film, aber auch in Nachrichtenmedien werde Israel ausschließlich als Pulverfass wahrgenommen, monierte Rogel Rachmann, Vertreter der israelischen Botschaft. „Wir haben so viel zu zeigen, das in der Welt nicht bekannt ist“, sagte er und hob sein Smartphone an: Das Gerät sei gar nicht möglich ohne israelische Entwickler. Tatsächlich ist die israelische Gründerszene eine der größten weltweit.

 Warum laufen deutsche Kinder und Jugendliche überhaupt Gefahr, ein negatives Israel-Bild zu entwickeln? „Die deutsch-israelischen Beziehungen sind doch hervorragend“, trug Doron Kiesel vor. Der Professor für Sozialpädagogik an der Fachhochschule Erfurt ist Jude und in Israel geboren. „Aber wenn Sie in Israel sind, spüren Sie eine zweite Haut, in der Irritationen wahrgenommen werden“, sagte er den Lehrern. Beschneidungsdebatte, Siedlungskritik oder Berichterstattung über den Gazakrieg 2014 hätten zu sehr verallgemeinert. Die israelische Gesellschaft sei viel differenzierter. „Deutsche wollen ja auch nicht auf die 1,5-Prozentpartei NPD reduziert werden.“

 Wie können Lehrer ein so kompliziertes Land wie Israel vermitteln? Sie müssten einfach Neugier wecken, sagte Kiesel. Seiner Meinung nach ist die schwierige Auseinandersetzung mit dem Holocaust so grundlegend, dass sie ein eigenes Pflichtfach sein sollte. Wer den israelischen Staat anerkenne, dürfe Kritik frei äußern, so Kiesel. Deutsche würden in Israel als glaubwürdig bewertet, „Merkel gilt als Heldin, diese fast erotische Anziehung verstehen wir hier gar nicht.“

 Fortbildungsreisen nach Israel sollen jetzt auch für Schleswig-Holstein verstärkt werden. Er versuche dabei immer, Lehrer auch mit Siedlern zusammenzubringen, sagte Kiesel. Aufbauen könnten die Reisen auf positiven Ansätzen: „In keinem anderen Land außerhalb Israels wird so viel israelische Literatur gelesen wie in Deutschland.“

 Rachmann mahnte hingegen: „Das Israel-Bild in Schulbüchern führt nicht immer zum Abbau von Vorurteilen – sondern zum Gegenteil.“ Keine leichte Aufgabe für Pädagogen, wenn sie sich selbst auf ihr Unterrichtsmaterial nicht verlassen können.

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Ein Artikel von
Niklas Wieczorek
Lokalredaktion Kiel/SH

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