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Capoeira: Dialog der Körper

Tag des Sports Capoeira: Dialog der Körper

Der Name lässt nicht sofort auf einen Kampfsport schließen. Capoeira ist anders als asiatische Kampfsportarten vielen nicht geläufig. Doch die afro-brasilianische Kampfkunst findet in Schleswig-Holstein immer mehr Anhänger. Im Ursprungsland Brasilien ist Capoeira längst eine Art Volkssport, so populär wie Fußball.

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Tänzerisches Duell zu brasilianischen Rhythmen: Niklas (vorne rechts) und Wesley (vorne links) spielen gegeneinander im Kreis. Capoeira-Trainer Ricardo Queiroz (Mitte) begleitet die Übungen mit dem Berimbau und der Caxixi, während der Rest der Gruppe dazu singt und klatscht.

Quelle: Volker Rebehn

Kiel. Jeder Fußballer, so sagen Brasilianer, ist auch ein Capoeirista. In unserer Region wächst die Anhängerschar ebenfalls. Beim Tag des Sports vermittelt der Verein „Capoeira Meia Lua Inteira Kiel“ Einblicke in diese Sportart. Der Kreis in der Sporthalle am Kieler Ravensberg ist fast geschlossen. Ricardo Queiroz, Brasilianer und Trainer der Kieler Gruppe, spielt auf dem hölzernen Musikbogen Berimbau und der Caxixi, einer aus Bast geflochtenen Rassel. Zwei Capoeiristas geben sich die Hand, gehen in die Mitte des Kreises – der sogenannten Roda – und beginnen zu spielen. Zum Rhythmus der Musik, dem Klatschen und Gesang der Umstehenden beginnen die beiden eine Art körperlichen Dialog. Die Worte sind dabei die Bewegungen. Auf jede Offensiv- folgt eine Defensivbewegung des anderen, aus einer Defensivbewegung wird fließend eine Offensivbewegung. Die Sequenzen werden so zu Sätzen. Ob dabei eher die Kooperation oder die Konfrontation im Vordergrund steht, entscheiden die Spieler selbst. Dieses Gespräch kann je nach Können und Stimmung eher einen friedlichen Charakter haben oder auch in einen Kampf münden. Am Ende steht kein Gewinner oder Verlierer fest, sondern die Capoeiristas entscheiden selbst, wann sie den Dialog beenden.

 „Bin ich im Kreis, fühle ich mich frei, vergesse alles“, erzählt Niklas Heintz. Er fühle, wie sich die Energie von Musik und Gesang auf ihn übertragen und Rhythmus und Geschwindigkeit der Bewegungen bestimmen. „Ich bin süchtig nach Capoeira“, sagt der 28-jährige Studierende, der auch seine Bachelorarbeit über diese Kampfkunst schreibt.

 Für Ricardo Queiroz ist Capoeira eine Lebensphilosophie und längst ein Teil seines Lebens. Der 44-Jährige kam im Jahr 2000 von Recife nach Deutschland und hat seitdem mehrere Capoeira-Gruppen in Norddeutschland aufgebaut.

 Die Herkunft des Begriffs Capoeira ist umstritten. Einige leiten ihn aus afrikanischen Tanz-, Kampf- und religiösen Riten ab, andere erinnert er an einen Hahnenkampf oder an einen in Brasilien verbreiteten Vogel gleichen Namens. Wiederum andere leiten in aus der Sprache brasilianischer Ureinwohner ab, wo Capoeira mit Gestrüpp bezeichnet wird. Klar ist, dass die Ursprünge im Brasilien der Sklavenzeit vor ungefähr 300 Jahren liegen. Zu dieser Zeit waren dort Menschen vom afrikanischen Kontinent unter der Herrschaft portugiesischer Gutsherren versklavt. Da diesen Sklaven kein Selbstverteidigungstraining erlaubt war, tarnten sie ihre kämpferischen Bewegungen als Tanz, um deren wahren Zweck zu verschleiern.

 Bis 1937 war Capoeira in Brasilien verboten, nachdem es im Befreiungskampf der Sklaven und danach, im kriminellen Milieu der Großstädte, eine große Rolle spielte. Erst als Capoeira-Meister Mestre Bimba es schaffte, den damaligen brasilianischen Präsidenten von der kulturellen Bedeutung dieses Sports zu überzeugen, wurde Capoeira 1937 – nach einem ungefähr 100-jährigem Verbot – legalisiert und als brasilianisches Kulturerbe anerkannt. Daraufhin wurden die ersten offiziellen Schulen eröffnet. Heutzutage ist Capoeira in Brasilien vor allem bei der ärmeren Bevölkerung weit verbreitet. Es bietet vielen Straßenkindern eine Perspektive, vermittelt Selbstvertrauen, Respekt und Verantwortungsgefühl.

 Seit den 1980ern hält Capoeira auch in Europa Einzug. Brasilianische Capoeira-Lehrer haben in Europa Interesse für die Kultur, den abwechslungsreichen Sport, dessen Geschichte und Philosophie geweckt. Capoeira ist vielseitig: Es ist eine Mischung aus Kampfkunst, tänzerischem Spiel, Akrobatik, Musik und Rhythmusgefühl. Improvisation und List spielen dabei eine sehr große Rolle. Da es keine einstudierten Choreographien gibt, gleicht kein Spiel dem anderen.

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