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Wie in alten Traumschiff-Zeiten

Kiel Wie in alten Traumschiff-Zeiten

Die Anziehungskraft des legendären Kreuzfahrtschiffes „Deutschland“ scheint trotz des laufenden Insolvenzverfahrens der Reederei ungebrochen. Die letzte Reise des ehemaligen ZDF-„Traumschiffes“ sei fast vollständig ausgebucht, sagte der Geschäftsführer des Kreuzfahrtbetreibers Plantours, Oliver Steuber am Dienstag in Kiel. Von dort legte das Schiff am Nachmittag ab.

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Das ehemalige "Traumschiff" sticht von Kiel aus in See.

Quelle: Sven Hornung

Kiel. Die Kommandobrücke sieht aus, als ob Sascha Hehn sie gerade verlassen hat. Der Kaisersaal wirkt, als ob Heide Keller jetzt die Show ansagen will. An Bord des Kreuzfahrtschiffes „Deutschland“ hat sich kaum etwas verändert. Auf der Brücke des legendären Schiffes hat jetzt George Coirtian das Sagen, im Kaisersaal Hoteldirektor Lutz Stemme aus Bremen. „Ich bin sehr stolz, dieses Schiff mit diesem Namen fahren zu dürfen“, sagt der rumänische Kapitän. Er fährt seit 20 Jahren zur See und steht in Diensten der in Monaco ansässigen Managementfirma V-Ships. Sie regelt den Schiffsbetrieb seit der Übernahme des Schiffes durch die neuen Eigner Absolute Nevada aus den USA.

Von der alten Besatzung aus Deilmann-Zeiten ist niemand mehr an Bord. „Wir haben unsere Leute von der ,Hamburg’ mitgebracht“, sagt Oliver Steuber, Geschäftsführer des Bremer Veranstalters Plantours & Partner. Das Unternehmen wollte gestern eigentlich mit der „Hamburg“ von Kiel aus zu einer Norwegen-Reise starten. Das Kreuzfahrtschiff ist nach einer Grundberührung aber ausgefallen und wartet in Bremerhaven auf einen Platz im Dock. „Es war für uns ein Glücksfall, dass dieses Schiff zur Verfügung stand“, so Steuber.

Seit einer Woche wird das ehemalige Fernseh-Traumschiff für den Einsatz unter Plantours-Flagge umgerüstet. „Die IT war das größte Problem“, so Steuber. So mussten alle Buchungs- und Abrechnungssysteme neu programmiert, die Küche und die Wasserleitungen wieder hochgefahren werden. Als gestern die 370 Gäste einer vom ADAC organisierten Reise in Kiel einstiegen, stand an den Rettungsbooten noch der alte Heimathafen Neustadt. Am Heck prangt bereits „Nassau“. Und auch ein anderes Problem wurde in Kiel gelöst: Der Schlüssel für den Schiffstresor war nach dem Abmustern der alten Besatzung abhanden gekommen. „Den haben wir aber mit Hilfe wieder aufbekommen“, sagte Steuber.

Und auch die Sicherheit ist geprüft worden. Am Montag gab es eine Inspektion der Seeberufsgenossenschaft. Mängel gab es keine. Nur eines ließ sich nicht mehr ändern: Die Logos der Reederei Deilmann stehen weiter auf Tassen und Tellern. „Es war schon ein Kraftakt, alles andere so zu organisieren, dass der Betrieb anlaufen kann“, sagt Kreuzfahrtdirektor Lutz Stemme. Er war Ende Mai einer der Ersten, die in Gibraltar an Bord gingen.

Vier Reisen wird das Schiff für Plantours machen. Am 29. Juli soll die „Deutschland“ dann wieder durch die „Hamburg“ ersetzt werden. „Die Nachfrage nach den Reisen ist aber sehr hoch“, sagt Steuber. Es gibt viele Passagiere, die noch einmal mit dem im deutschen Markt sehr beliebten Schiff fahren wollen. „Platz haben wir auch genug. Im Vergleich zur ,Hamburg’ haben wir jetzt 80 zusätzliche Kabinen“, so Steuber. Ob die „Deutschland“ auch im nächsten Sommer in Kiel zu sehen sein wird? „Mal sehen. Jetzt wollen wir erstmal diese Saison fahren. Danach sehen wir weiter“, sagt Steuber mit einem Lächeln. Gestern waren auch Vertreter der US-Hochschule aus Virginia an Bord. Sie wollen das Schiff von September bis April als fahrenden Hörsaal nutzen.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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