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Flüchtlingshilfe soll vernetzt werden

Kieler Internetplattform Flüchtlingshilfe soll vernetzt werden

Die Bereitschaft, Flüchtlingen in Kiel zu helfen, ist außerordentlich groß. Noch immer aber versandet so manches Engagement, weil das Hilfe-Angebot recht unübersichtlich ist. Andreas Heesemann aus Kiel hat deshalb eine Internetplattform geschaffen, auf der Initiativen und Helfer sich austauschen können.

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Zwölf farbige Rubriken bieten schnelle Orientierung auf dem Portal von Andreas Heesemann.

Quelle: Sonja Paar

Kiel. Schon im August hatte Andreas Heesemann (49) die Idee, einen Marktplatz im Internet zu schaffen, auf dem man sich unverbindlich informieren und die passende Hilfsinitiative finden kann. Seit ein paar Wochen ist die Plattform refugees.kiel-aktiv.de fertig und wächst kräftig.

 „Schon früh zeichnete sich ab, dass Hilfswillige nicht wissen, wo sie sich engagieren können. Gleichzeitig suchten Vereine und Initiativen nach weiteren Helfern oder Spendern. Beiden Gruppen wollte ich eine Plattform bieten. Viel läuft zwar über Facebook, aber ich wollte eine unabhängige und jedermann zugängliche Plattform schaffen“, erklärt Heesemann.

 Der promovierte Physiker ist als Geschäftsführer von data&vision im Internet zuhause. Deshalb war für ihn klar, dass sich das System von Wikipedia am besten für solch einen Marktplatz der Flüchtlingshilfe eignet: Das System ist frei von Lizenzrechten, alle Inhalte sind frei nutzbar. Und: Man muss sich nicht registrieren, wenn man seine Initiative, eine Veranstaltung oder eine Information dort einstellen möchte. „Ich finde, dass jede Initiative am besten selbst beschreiben kann, was sie macht und welche Unterstützung sie noch benötigt“, sagt Heesemann.

 Der Kieler hat viel Freizeit investiert, um ein funktionsfähiges Portal zu schaffen, auf dem man sich leicht zurechtfindet. So kann man schnell sehen, wo was getan wird in der Stadt. Eine interaktive Karte erleichtert die Orientierung. So erfährt man beim Stöbern auf der Seite zum Beispiel, dass der FT Adler gerne eine Rugbymannschaft mit Flüchtlingen aufstellen möchte. Dass der Verein HelpToGo Sprachkurse für Flüchtlinge in Gaarden anbietet. Oder wie man beim Projekt „Dinner for All“ Flüchtlinge kennenlernen kann.

 Außerdem gibt es einen Veranstaltungskalender und viele andere Informationen – wie das Angebot der Apostel Kirchengemeinde, Gemeinderäume für die Flüchtlingsarbeit zur Verfügung zu stellen. Oder den Hinweis, dass das Wörterbuch Arabisch-Deutsch jetzt kostenlos von allen benutzt werden kann. Und wer Fertigkeiten wie Kochen, Fahrräder reparieren oder ähnliches anbieten kann, kann diese ebenfalls in einer Rubrik eintragen.

 Bisher gibt es 430 Einträge und 1750 Änderungen. Die sind leicht möglich. Man muss nur „Bearbeiten“ anklicken. Zweitens sind die Änderungen auch notwendig, damit das Portal auf dem aktuellen Stand ist. Das bedeutet aber auch: Das System lebt von der Aktivität und Aufmerksamkeit der Bürger. „Ein Wiki ist immer so gut und aktuell wie die Nutzer dies ermöglichen“, sagt Heesemann, der sich über weitere Einträge, viele Nutzer und auch freiwillige Helfer freuen würde. Denn natürlich investiert er weiter Zeit in das Wiki. Und sei es nur, um die Anbieter dubioser Arzneimittel aus dem Ausland zu sperren ...

 Das Portal ist zwar auf Kiel ausgerichtet, ist aber beliebig auf andere Regionen zu erweitern. Vor wenigen Tagen hat es das Land Andreas Heesemann nachgetan und ebenfalls ein Online-Hilfsportal gestartet: www.ich-helfe.sh. Vorteil: Das Portal umfasst ganz Schleswig-Holstein. Nachteil: Das Portal ist noch jung, dementsprechend gibt es nur einen begrenzten Überblick.

 Weitere gute Ideen sind gefragt. Wenn Sie auch ein vorbildliches Projekt zur Integration von Flüchtlingen kennen, freut sich die Redaktion über einen Hinweis unter: fluechtlinge@kieler-nachrichten.de

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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