18 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Der Mann, der nie aufgibt

Kieler Klimaforscher Der Mann, der nie aufgibt

Der höchstdotierte Umweltpreis in Europa geht zur Hälfte nach Kiel. Klimaforscher Mojib Latif vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung bekommt den Deutschen Umweltpreis 2015. Das Preisgeld von 490 000 Euro teilt er sich mit dem schwedischen Nachhaltigkeitsexperten Johan Rockström.

Voriger Artikel
Schicken Sie uns Ihre Fragen
Nächster Artikel
Bunt sind schon die Wälder...

Der Kieler Klimaforscher Mojib Latif erhält den Deutschen Umweltpreis.

Quelle: Uwe Paesler (Archiv)

Osnabrück. Seit 30 Jahren hat sich Mojib Latif dem Klimaschutz verschrieben: Unermüdlich und für so manchen Kritiker eher nervtötend warnt der 60-jährige Forscher vor den Folgen des Klimawandels. Jetzt erhält der Kieler Professor genau dafür den Deutschen Umweltpreis der Bundesstiftung Umwelt (DBU) – die höchstdotierte Umweltauszeichnung in Europa. Die 490000 Euro Preisgeld teilt er sich mit dem schwedischen Nachhaltigkeitsexperten Johann Rockström.

Als Anwalt des Klimas würdigt DBU-Generalsekretär Heinrich Bottermann Latif, der am Kieler Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung forscht: „Er reißt mit, rüttelt auf. Er ermuntert und ermutigt Laien wie Experten, sich mit den Herausforderungen des Klimawandels auseinanderzusetzen.“ Für Geomar-Direktor Prof. Peter Herzig ist er gar „das deutsche Gesicht des Klimaschutzes“. Die Auszeichnung belege die herausragende Leistung Latifs und zugleich die enorme Leistungsfähigkeit von Geomar, pries Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD).

Viel Lob für einen, der sich schon früh mit der unbequemen Ansicht positionierte, dass es die Menschen sind, die den Klimawandel herbeiführen. Dass die Erde sich erwärmt, die Gletscher schmelzen und der Meeresspiegel steigt, sind Fakten. Über ihre Ursachen streiten Wissenschaftler bis heute. Für seine Einschätzungen wurde Latif nach eigenen Angaben früher oft belächelt oder kritisiert, vor allem, weil es ihn mit seinen Warnungen immer wieder in die Öffentlichkeit drängt. Er brenne halt dafür, die Leute zu überzeugen, dass unbedingt etwas passieren müsse, meint er mit Blick auf eine alarmierende Zahl: Seit den 90er Jahren ist der Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid um 60 Prozent gestiegen. Eine Erde ohne intakte Ozeane aber droht unbewohnbar zu werden.

Der Sohn eines pakistanischen Imams ist in Hamburg aufgewachsen, hat dort Meteorologie studiert und nach seiner Habilitation am Max-Planck-Institut für Meteorologie gearbeitet, bevor er 2003 nach Kiel wechselte. Die offensichtlichen Folgen der Erwärmung seien in Deutschland vor allem im Winter zu beobachten, sagte Latif in einem Interview: „In meiner Kindheit war Winter der Regelfall, heute ist er die Ausnahme.“ Besonders zwischen Frühling, Herbst und Winter werde es eine Angleichung geben. Und im Sommer werde es häufiger mehr als 40 Grad heiß sein. Es sind die Erfahrungen aller – siehe Sommer 2015 mit Rekordhitze –, die dazu führen, dass seine fundierten Warnungen ernst genommen werden. Um die Erde für die nachfolgenden Generationen zu erhalten, müssen „wir endlich vom Wissen zum Handeln kommen“, fordert der Preisträger. Nur wann passiert das? Seine größte Sorge ist derzeit, dass die UN-Klimakonferenz im November in Paris ebenso verpufft wie die 20 Treffen davor. Damit steht er nicht allein. Die Wahl fiel nicht von ungefähr auf Latif und Rockström. Man habe ein politisches Signal setzen wollen, betont die Stiftung. Ende des Monats steht die UN-Generalversammlung für die globalen Nachhaltigkeitsziele an.

Trotz aller Dämpfer bleibt Latif voller Optimismus, denn „die Denke ändert sich langsam“. Deutschland, lobt er, habe eine Vorreiterrolle mit der Energiewende übernommen und die erneuerbaren Energien bezahlbar gemacht. Dass jeder einzelne seinen Beitrag zum Klimaschutz leisten und damit eine Dynamik in Gang setzen könne, davon ist er überzeugt. Latif selbst radelt, bekennt sich zum Tempolimit 100 auf der Autobahn und lässt zuhause am Schönberger Strand keine Geräte im Standby-Modus. Niemals aufgeben, sondern weiter motivieren, etwas für unseren Planeten zu tun, lautet sein Lebensmotto: „Klimaschutz bringt Spaß.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

KN-KSV-Liveticker

Verfolgen Sie alle Spiele von Holstein Kiel im KN-KSV-Liveticker.

THW-Liveticker

Verfolgen Sie alle Spiele vom THW Kiel in unserem Liveticker.

Anzeige
ANZEIGE
Mehr aus Nachrichten: Schleswig-Holstein 2/3