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Ein Handwerk mit Leidenschaft

Kieler Tischlerinnung Ein Handwerk mit Leidenschaft

Am 12. April 1740 legte der Fürstbischof von Lübeck den Grundstein für eine Tradition. An diesem Tag erteilte Adolf Friedrich der Kieler Tischleramtsrolle, in welcher die Statuten für die Zunft festgeschrieben waren, die „gnädigste Approbation und Confirmation“.

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Günter Beck wurde „in den Beruf des Tischlers hineingeboren“. Fast 40 Jahre lang leitete er die vom Vater gegründete Tischlerei.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Dieser 12. April gilt als die Geburtsstunde der Kieler Tischlerinnung, die am Sonnabend ihr 275-jähriges Bestehen feiert.

 Das Tischlerhandwerk hat sich gewandelt, es musste sich anpassen an die moderner werdende Technologie und den digitaler werdenden Markt. Doch eines ist bis heute gleich geblieben – die Leidenschaft für eine Arbeit, durch die Bleibendes geschaffen wird.

 „Es ist das Gestalten, was diese Arbeit ausmacht“, sagt Günter Beck. Der heute 81-Jährige wurde in den Beruf hineingeboren, wie er sagt. Schon sein Vater war Tischler, 1924 machte er sich mit einer eigenen Tischlerei selbstständig. Schon als Kind habe Beck das Handwerk miterlebt. Eine seine ersten Erinnerungen stammt aus den Kriegsjahren. Der Vater hatte damals den Auftrag, in der Willestraße ein Soldatenheim mit aufzubauen. „Etwa 30 Soldaten wurden rekrutiert, um in der Werkstatt mitzuarbeiten. Die haben für mich und meinen Bruder auch Spielzeug gemacht, ein Kriegsschiff und ein U-Boot aus Holz“, erzählt Beck. Früh wuchs in ihm die Begeisterung für den Beruf. „Für mich war klar: Ich werde Tischler.“

 1949 ging der gebürtige Kieler im väterlichen Betrieb in die dreijährige Lehre, arbeitete dann als Geselle, um sich nach der Meisterprüfung an der Muthesius-Hochschule zum Innenarchitekten ausbilden zu lassen. 1960 übernahm Günter Beck schließlich die Werkstatt seines Vaters. Fast 40 Jahre leitete er diese, bildete in dieser Zeit selbst etwa 75 junge Leute aus und wirkte mit seinem Betrieb etwa am Ausbau des Kieler Schlosses mit.

 In seinen Berufsjahren erlebte Beck mit, wie sich die Branche wandelte. Nicht nur durch den technischen Fortschritt, mit dessen Hilfe viele Arbeitsprozesse heute mechanisch erledigt werden. „Als ich Geselle war, gab es in Kiel noch weit mehr als 100 Tischlereien“, sagt der 81-Jährige. Heute hat die Innung 26 Mitglieder, hinzu kommen Kleinbetriebe, die nicht zur Innung zählen.

 Auf dem Markt zu bestehen, sei deutlich schwieriger geworden, sagt Heino Fischer, Obermeister der Tischlerinnung. Er steht selbst an der Spitze eines Traditionsunternehmens – die Tischlerei Fischer ist seit 110 Jahren in Familienhand. Doch qualifizierte Nachwuchskräfte werden immer mehr zur Mangelware, wie Fischer sagt: „Heute zieht es 60 bis 70 Prozent der jungen Leute nach dem Schulabschluss erst einmal an die Uni.“

 Zu den Nachwuchssorgen kommt die schärfere Konkurrenzsituation. Durch das Internet könne der Kunde jederzeit Preise vergleichen und auch auf entfernte Unternehmen zurückgreifen. Oft müsse der Kunde in Zeiten von großen Möbelhausketten mit Tiefstpreisen erst wieder auf die Idee gebracht werden, sich das eigene Zuhause individuell einrichten zu lassen. „In der Tischlerwerkstatt kann der Kunde selbst mitbestimmen und auf die Entwürfe Einfluss nehmen“, sagt Fischer. Das sei der Vorteil, mit dem Tischlereien überzeugen könnten, „allein über den Preis haben wir keine Chanche“. Und die Tischlerei muss sich im digitalen Zeitalter als moderner Betrieb beweisen. „Wir müssen stärker an die Öffentlichkeit gehen und zeigen, dass wir kein altangestaubter Verein sind“, sagt Fischer.

 Doch manchmal tut es auch gut, sich auf die Grundzüge des Tischlerns zurückzubesinnen. Dem Schaffen durch die eigene Hand. Günter Beck hat heute noch eine kleine Werkstatt, in der er drechselt und sägt. Und sein Wunschberuf wäre heute noch genau der gleiche wie in seiner Jugend: „Ich würde immer wieder Tischler werden.“

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Ein Artikel von
Susann Burwitz
Nachrichten- Redaktion

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