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Bürger fordern: Holt Familie C. zurück!

Kirchbarkau Bürger fordern: Holt Familie C. zurück!

Nach der Behördenpanne bei der Abschiebung einer albanischen Familie aus Kirchbarkau hat der Kreis Plön vorerst alle laufenden Abschiebeverfahren gestoppt. Dass die sechsköpfige Familie abgeschoben wurde, obwohl der Fall noch bei der Härtefallkommission lag, sorgte für massive Kritik am Kreis.

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Als der Junge der Familie C. am Montagabend gegen 22.30 Uhr von Polizisten aus dem Haus gebracht wird, singen Freunde und Nachbarn das Kirchenlied "Amazing Grace" - verabschieden dürfen sie sich von der Familie nicht.

Kirchbarkau. Beschämend, skandalös, unmenschlich, unprofessionell – so bezeichneten empörte Bürger das Verhalten der Plöner Ausländerbehörde. Zwar hatte diese die Abschiebung wegen des Härtefall-Antrags noch gestoppt – doch da war es schon zu spät, die Familie schon im Flugzeug nach Albanien.  

Dass die Ausländerbehörde vor dem Votum der Härtefallkommission existenzielle Fakten für die Familie geschaffen hat, nannte der stellvertretende Flüchtlingsbeauftragte Torsten Döhring ein eklatantes Verwaltungsfehlverhalten. „Das widerspricht nicht nur der üblichen Praxis der Ausländerbehörden mit Härtefall-Ersuchen, sondern auch dem Erlass des Innenministeriums vom 2. Mai 2016.“

Aminata Touré, Flüchtlingspolitische Sprecherin der Grünen, sagte, die Ausländerbehörde hätte unabhängig vom Härtefall-Ersuchen ihren Ermessensspielraum nutzen können, wie es im Koalitionsvertrag als Kurs der Jamaika-Koalition stehe. „Gerade Menschen, die gut integriert sind und Aussicht auf eine Anstellung oder Ausbildung haben, müssen wir die Möglichkeit auf eine Bleibeperspektive zusichern.“

Die Flüchtlingspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Serpil Midyatli, kündigte an, genau hinzuschauen, ob der Fall Plön der Anfang einer verschärften Abschiebepraxis im Land ist. „Ich ermutige alle Helfer, sich nicht zurückzuziehen, sondern sich rechtzeitig vor Abschiebungen zu melden.“

Scharfe Kritik kam vom Flüchtlingsrat. Das Agieren des Kreises sei unverhältnismäßig, das Ignorieren der Härtefallkommission skandalös. „Dass Familien mit minderjährigen Kindern und traumatisierten Eltern nachts von der Polizei abgeholt werden, war in der Vergangenheit in Schleswig-Holstein verpönt und spricht auch für die Härte der zuständigen Ausländerbehörde“, sagte Jasmin Azazmah. Der Flüchtlingsrat unterstütze die Forderung von Bürgern an den Kreis Plön, die Voraussetzungen für eine Rückkehr zu schaffen. Dies ist sehr schwierig, nach Meinung von Torsten Döhring aber über eine Betretenserlaubnis denkbar.

Anton Helmke aus Kirchbarkau war mit einer Tochter der Familie C. befreundet. Wenige Minuten vor dem Abflug bekamen er und andere Freunde noch diese Nachricht von ihr: „Durch Euch bin ich ein ganz anderer Mensch geworden. In der drei Jahre langen Freundschaft habe ich mit Euch vieles erlebt und viele Sachen von Euch gelernt. Ich bin Euch für alles so dankbar.“ Für Anton und die anderen Freunde ist die Abschiebung "ein Verlust, den wir nicht verstehen können".

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Albanische Familie
Foto: Bürger aus Kirchbarkau demonstrierten für die abgeschobene Flüchtlingsfamilie.

Im Konflikt um die Abschiebung einer gut integrierten albanischen Familie aus dem Kreis Plön befürwortet die Härtefallkommission des Landes eine Rückkehr für den Fall, dass die Familie dies möchte.

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