17 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Protest in Kiel

Kita-Erzieher, Post-Beschäftigte und Eltern Protest in Kiel

Das kommt selten vor: zwei zeitgleiche Demos auf dem Rathausplatz mit verschiedenen Zielen, aber trotzdem einem gemeinsamen Motto. „Es reicht“ stand am Donnerstag auf Transparenten entnervter Eltern, die nach fast drei Wochen Kita-Streik in Folge deren Aussetzung fordern.

Voriger Artikel
Geld für Dampfer
Nächster Artikel
Kühler Sommeranfang nach kühlem Frühjahr

 Norbert Hocke, GEW Verhandlungsführer.

Quelle: Frank Peter

Kiel. „Es reicht“, fanden auch die Erzieher und Gewerkschafter, meinten aber damit vor allem die „sturköpfigen“ Arbeitgeber, die sich im Tarifstreit keinen Deut bewegt hätten.

Mit ein paar Sonnenstrahlen dringt auch ein Hoffnungsschimmer durch die dicken Wolkenpakete über dem Rathausplatz. Für kommenden Mittwoch habe der kommunale Arbeitgeberverband eine nächste Verhandlungsrunde angeboten, ruft der Sprecher der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi Nord, Frank Schischefsky, den rund 1000 Demonstranten zu, darunter auch viele ebenfalls streikende Post-Mitarbeiter. „Wir verlangen aber Verhandlungen schon am Montag. Daran erkennt man doch, wer sich für die Interessen der Eltern wirklich einsetzt. Bock auf Streik hat hier doch keiner.“

Das vergleichsweise kleine Grüppchen von rund 60 Eltern, die sich kurz zuvor zu einer spontanen Demo erst auf dem Asmus-Bremer-, dann auf dem Rathausplatz versammelten, tröstet das wenig. „Drei Wochen ohne Ergebnis, dass nehmen wir nicht mehr hin. Eltern und Kinder sind am Rand ihrer Kräfte. Und die zunächst wohlwollende Einstellung zu den Streikzielen ist längst gekippt“, sagt die Initiatorin des Spontan-Protestes, Natalie Scheller. Als Gegen-Veranstaltung zur Erzieher-Demo will sie ihren Aufruf zum Elternprotest zwar nicht verstanden wissen: „Aber man soll schon sehen, dass wir das alles nicht mehr in Ordnung finden.“

Doch so richtig gesehen wird die kleine Elternschar nicht. Sie geht förmlich unter im Heer der gewerkschaftlich organisierten Demonstranten, deren Zorn die Trommelband „Super Rabatzki“ noch anheizt. Für einem Einlenken oder Aussetzung des Streiks sieht Norbert Hocke, Verhandlungsführer der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), derzeit keine Perspektive. Im Gegenteil. Bislang liege auch für die nächste Verhandlungsrunde noch kein tragfähiges Angebot vor. Die angebotenen maximal 34 Euro mehr für für Erzieher mit besonderen Aufgeben wie Inklusion oder Sprachförderung sowie eine Höhergruppierung von Mitarbeitern in kleinen Einrichtungen mit maximal 70 Kindern sei nicht akzeptabel. „Deshalb streiken wir so lange, bis ein substanzielles Angebot auf dem Tisch liegt.“

Für Mütter wie Katharina Mischefski könnte das zu lange dauern. „Mein Jahresurlaub, den ich für die Betreuung meiner Kinder hergeben musste, ist bald aufgebraucht. Wenn der nicht mehr reicht, habe ich echt Angst um meinen Job“, sagt die Mitarbeiterin einer Drogerie-Kette. Die Forderungen der Gewerkschaften hält die 36-Jährige ohnehin für nicht gerechtfertigt. „Es mag ja sein, dass die Belastungen der Erzieher gestiegen sind. Aber ich sehe nicht, dass sich bei besserer Bezahlung auch die Betreuung meiner Kinder verbessert.“

Es gibt viele solcher Stimmen in der Gruppe der Eltern, die sich quasi über Nacht in einem sozialen Netzwerk zu einer Protestgemeinschaft zusammenfanden. Dass es im Laufe des Nachmittags nicht mehr als 60 werden, führt Initiatorin Natalie Scheller auf die ungünstige Umstände zurück, nicht auf Desinteresse. Schließlich hätten die vom Streik gestressten Eltern an solch einem Nachmittag andere Dinge zu regeln, als sich an einer Protestkundgebung zu beteiligen.

Doch die 36jährige zweifache Mutter lässt sich davon nicht entmutigen. Die Proteste der unter dem Kita-Streik leidenden Eltern sollen künftig in regelmäßigen Abständen wiederholt werden. „Und dann werden es immer mehr, die kommen. Da bin ich mir ganz sicher.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

Mehr aus Nachrichten: Schleswig-Holstein 2/3