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„Keks-Affäre“ schwelt weiter

Kita-Platzstreit „Keks-Affäre“ schwelt weiter

Mit einem äußerst überraschenden Urteil endete am Mittwoch die sogenannte „Keks-Affäre“ vor dem Kieler Amtsgericht. Bundesweit hatte der Fall im Frühjahr 2013 für Schlagzeilen gesorgt. Thores Rausschmiss aus der „zuckerfreien Kita“ bleibt bestehen.

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Karola und Christian Pries wollen nach zweieinhalb Jahren endlich eine Antwort haben, ob die Kündigung des Kita-Vertrags für Thore rechtens war oder nicht.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Der damals vierjährige Thore war angeblich aus dem Kindergarten geflogen, weil seine Mutter ihm Frischeiwaffeln und Butterkekse in die Brotdose gepackt hatte. Der Kindergarten sei jedoch eine zuckerfreie Einrichtung, so die Erzieherinnen. Eine Kündigung folgte. Von da an lief der Fall komplett aus dem Ruder. Die jetzt verhandelte Klage gegen Amt und Gemeinde gibt einen Einblick in eine verfahrene Situation.

Zweieinhalb Jahre liegt der Fall aus Delingsdorf (Kreis Stormarn, 2200 Einwohner) zurück. Doch noch immer können die betroffenen Eltern Karola (35) und Christian Pries (42) nicht verstehen, was damals genau passiert ist. Die Ereignisse haben sie völlig überrollt. Eigentlich hätten sie nur kritisiert, dass ihr Sohn an dem besagten Kekse-Tag kein Essen bekommen habe, schildert der Vater. Doch es folgten Beschimpfungen, Vorwürfe und gegenseitige Schuldzuweisungen. Reißerische Schlagzeilen in einigen Blättern und ein Shitstorm in den sozialen Netzwerken gegen den Kindergarten feuerten die ganze Situation noch an. „Das Thema ist nach wie vor in unserer Gemeinde nicht gegessen“, so Christian Pries.

Etwas blass sitzen die Eltern nun im Kieler Amtsgericht. Eigentlich müsste der Fall vorm Verwaltungsgericht Schleswig verhandelt werden, doch Richter Martin Mokrus fand, für alle Beteiligten liege Kiel näher. Die Frage, die heute beantwortet werden soll: War die Kündigung rechtens? Der Hamburger Anwalt von Thore, Joachim Walther, hofft darauf, dass das Gericht die Rechtswidrigkeit der Kündigung feststellt. „Thore hat nicht verstanden, warum er seine Freunde aus dem Kindergarten nicht mehr sehen durfte und musste nach der Kündigung fünf Monate von seinem Großvater privat betreut werden. Als er in Tremsbüttel einen neuen Kitaplatz fand, war das mit erheblichen Fahrkosten verbunden. Und der Druck, den die Gemeinde im Verlauf der Streitigkeiten auf die Eltern ausübte, hatte extrem ehrverletzenden Charakter“, schildert der Anwalt.

Die von Amt und Gemeinde eingesetzte Kieler Anwältin, Prof. Angelika Lepien, betont, dass es vor dem Gerichtstermin Vergleichsgespräche gegeben habe. „Aber die Gemeinde sollte in der Presse eine Art Entschuldigung abgeben als öffentliche Erklärung. Das war dann der Dealbreaker.“ „Können wir nicht gemeinsam in die Zukunft schauen?“, fragt Richter Mokrus in die Runde. „Bei der TV-Serie Ally McBeal sagt ihr Seniorpartner Richard immer ,Schwamm drüber’. Wäre das hier nicht auch möglich? Beide Seiten könnten eingestehen, dass es nicht optimal gelaufen ist, aber man belässt es dabei und spart sich Kosten und Nerven.“

Doch Anwalt Walther sagt über den Vergleichsvorschlag: „Dem Kind ist so viel Unrecht geschehen, das soll nun allein mit einer Erklärung zugedeckt werden? Das kann nicht richtig sein.“ Nach einer Beratungspause verkündet der Richter dann das überraschende Urteil: „Die Klage wird abgewiesen. Denn sie scheitert schon an formellen Dingen.“ Zur Prüfung der Rechtmäßigkeit der Kündigung kommt das Gericht nicht mehr. Fassungslos stehen Karola und Christian Pries anschließend vor der Tür des Amtsgerichts. Ihr Anwalt kündigt an: „Wir werden prüfen, ob wir das Urteil beim Oberverwaltungsgericht anfechten.“

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Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

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Urteil zu Familie aus Delingsdorf
Foto: Vor den Gerichten ist die "Keks-Affäre" entschieden. Wahrscheinlich.

Eine Geschichte, die bundesweit für Schlagzeilen sorgte, ist jetzt vor den Verwaltungsgerichten beendet worden. In der "Keks-Affäre" verlor die betroffene Familie in zweiter Instanz. Sie hatte geklagt, weil ihrem vierjährigen Sohn der Kindergartenplatz in Delingsdorf (Kreis Stormarn) gekündigt worden war.

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