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Auch Abseilen will gelernt sein

Klettern am Hochmast Auch Abseilen will gelernt sein

34 Leiterstufen am Mast hochklettern, mehrere Karabinerhaken umhängen, Hebevorrichtung aktivieren, Kollegen abseilen: Zehn Energieanlagenelektroniker von Schleswig-Holstein Netz (SH Netz) trainierten am Donnerstag, wie sie einem Kollegen im Notfall sicher zu Boden bringen können.

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Franz Potratz wird abgeseilt - SH Netz AG übt Höhenrettung von Freileitungsmonteuren

Quelle: Frank Peter

Rendsburg. Und bis auf einen Helm, der einem der „Opfer“ unplanmäßig vom Kopf fiel, ging alles glatt. Etwa 70 dieser zusätzlich als Freileitungsmonteure qualifizierten Elektroniker betreut Jörg Schubmann bei dem Training – alle drei Jahre am Mast, jedes Jahr in der Theorie, immer in Zehnergruppen. „Es ist wichtig, dass unsere Leute im Ernstfall wissen, wie sie schnell ihrem Kollegen helfen können, wenn der oben am Mast gesundheitliche Probleme bekommt“, sagt Schubmann, zuständig für Arbeitssicherheit bei SH Netz. Eine gute körperliche Fitness gehört schon dazu, um zum Beispiel nach schweren Stürmen defekte Leitungen zu reparieren. Überprüft wird das bei der arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchung G 41: „Hier zeigt sich, wer in der Höhe arbeiten kann und schwindelfrei ist“, sagt Schubmann. Eine „spezielle Truppe“ sei allerdings für die bis zu 30 Meter hohen Masten der 110-kV-Leistungen zuständig – „das kann nun wirklich nicht jeder“, sagt der Sicherheitsfachmann.

Auch Jens Kantereit geht heute in den Mast, einmal als Retter, einmal als Opfer. Und das, obwohl der 58-Jährige überwiegend am Dienstsitz in Bad Segeberg im Büro sitzt. „Ich will das einfach üben, um in einem Störungsfall wie bei dem schweren Sturm vor zwei Jahren helfen zu können – und um notfalls Kollegen zu retten, die Hilfe brauchen“, sagt Kantereit, der vor „gut 26 Jahren“ bei der damaligen Schleswag als Freileitungsmonteur begann. An einen solchen Notfall kann sich allerdings keiner der Freileitungsmonteure erinnern – auch deshalb, weil immer mehr Leitung unter die Erde kommt. Oder Reparaturen auch einfach per Hubwagen gemacht werden.

Immer das gleiche Prinzip

Kletterprofi Kai Plessner hat seine Gruppe am Vormittag bereits beim Trockentraining am Boden mit den notwendigen Handgriffen vertraut gemacht. Jetzt klettert er als Beobachter und schnelle Hilfe in den Mast und beobachtet, wie die Monteure das Gelernte in der lichten Höhe von zehn Metern umsetzen. Er weiß: „Wer da am Boden schon keine Probleme hat, kommt auch in der Höhe zurecht. Das Prinzip ist ja immer das Gleiche.“

Vor 20 Jahren, sagt Freileitungsmonteur Florian Roth, war das Klettern in den Mast noch Tagesgeschäft, „jetzt suchen wir zumeist mit einem Messwagen nach Leitungsschäden im Boden“. Mit speziell auf ihn eingestellten Gurten klettert er jetzt die Leiter hinauf in den Mast. Ein zweites Seil dient als Sicherung, dann wird der Falldämpfer eingehängt, an der Kollege Ingo Brauer abgeseilt wird. Klappt auf Anhieb, weil Roth den Kollegen mit dem Rettungsgerät, einer Art Winde, zunächst aus der Eigensicherung heraus befreit und den Sicherungskarabiner lösen kann. Langsam wird Brauer abgeseilt, am Boden befreit ihn ein weiterer Kollege von den Gurten. Und langsam löst sich der Blutstau in Brauers Beinen, der sich durch das fünfminütige Freihängen gebildet hat. Brauer steht auf und grinst: „Alles wie immer, es gab keine Probleme. Das Hängen geht aber schon in die Beine.“ Dass solche Übungen Spaß machen, vermittelt auch der 27-jährige Franz Potratz: „Die Handgriffe sitzen. Und weil ich sonst nur noch ein- bis zweimal im Jahr in den Mast muss, ist das mal wieder eine schöne Abwechselung vom Arbeitsalltag.“

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Ein Artikel von
Jan von Schmidt-Phiseldeck
Wirtschaftsredaktion

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