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Was ist mit dem Wetter passiert?

Klimawandel Was ist mit dem Wetter passiert?

November und Dezember 2015 waren die wärmsten Monate seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881, gibt der DWD bekannt. In Schleswig-Holstein war es sogar noch wärmer als im Bundesschnitt, während die Regendaten verwirrend chaotisch sind. Und jetzt auch noch diese Kälte. Was ist bloß mit unserem Wetter los?

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Die Forscher des Geomar untersuchen in der Arktis immer wieder die Effekte der globalen Erwärmung  - wie auch hier bei einer deutsch-russischen Expedition an Bord der "TRANSDRIFT XXI" in die Laptewsee 2013.

Quelle: Georgi Laukert; GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Kiel. „Es ist völlig offensichtlich, dass die globale Erwärmung immer mehr um sich greift“, sagt Professor Mojib Latif. Und der muss es wissen. Der weltweit bekannte Klimaforscher ist Leiter des Forschungsbereiches 1 im Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel und warnt seit Jahren stetig vor den auf uns zueilenden Folgen des Klimawandels. „2015 sind ja wirklich einige Rekorde gepurzelt. Das passt einfach ins Bild.“

Der Dezember 2015 war mit einer deutschlandweiten Durchschnittstemperatur von 6,4 Grad Celsius der wärmste seit der flächendeckenden Datenerhebung 1881, so der Deutsche Wetterdienst. In Schleswig-Holstein war es sogar noch wärmer, die Thermometer zeigten im Durchschnitt 7,3 Grad. Der Norden lag trotz der hohen Temperaturen allerdings nicht auf der Sonnenseite des Wetters: 80 Liter fielen durchschnittlich pro Quadratmeter, 73 sind es sonst im Dezember. Doch Schleswig-Holsteiner können sich noch glücklich schätzen.

Wassermassen in Großbritannien und Dänemark

Ende Dezember sorgten schwere Regenfälle in Großbritannien, aber auch im südlichen Dänemark, für Schlagzeilen durch katastrophale Überschwemmungen. In Dänemark war 2015 um wenige Tropfen nicht das regenreichste Jahr, in Nordengland und Wales standen ganze Städte unter Wasser. Für nasse Füße reichte es nur im nördlichsten Schleswig-Holstein, da aber richtig. Bis zu 150 Liter fielen hier pro Quadratmeter laut DWD. „Die Tiefs sind nördlicher als sonst gewandert“, beschreibt Latif, „sonst sind sie eher bei uns.“

Foto: Mojib Latif vom Geomar in Kiel ist einer der renommiertesten Klimaforscher der Welt.

Mojib Latif vom Geomar in Kiel ist einer der renommiertesten Klimaforscher der Welt.

Quelle: Geomar

Was zum Jahreswechsel ebenfalls für große Aufmerksamkeit sorgte, war der ebenfalls durch das Sturmtief „Eckard“ angeregte Temperaturanstieg am Nordpol. Zwar beschwichtigten Experten vom Deutschen Wetterdienst: „Das Extremtief hat mit dem Klimawandel direkt nichts zu tun“, so Tornadoexperte Andreas Friedrich. Klimaforscher Mojib Latif schränkt aber ein: „Da spielt natürlich globale Erwärmung auch eine Rolle. Auch ohne das Tiefdruckgebiet wird es dort natürlich viel wärmer.“

Ein Drittel der eisbedeckten Fläche sei in der Arktis seit den 1970ern verlorengegangen. Erkenntnisse, die auch das Geomar in seinen Expeditionen und Forschungen immer wieder untermauert – und die eine globale Erwärmung bestätigen.

Dass die menschliche Verantwortung dafür zu übernehmen bis heute noch kein gesellschaftliches und politisches Allgemeingut ist, zeigen die nur sehr schwer erkämpften Übereinkünfte aus dem Klimagipfel in Paris

Dabei hatte der französische Gletscherforscher Claude Lorius bereits in den 1980ern nachgewiesen, dass die Treibhausgase seit Beginn der Industrialisierung unseren Planeten erwärmen – wie jüngst im Kinofilm „Zwischen Himmel und Eis“ eindrucksvoll dargestellt wurde – doch: So etwas wie eine „Hitzewelle“ am Nordpol komme den Klimaforschern selbstverständlich entgegen, sagt Latif: „Ein mediales Entsetzen ist das i-Tüpfelchen.“

Und warum fällt bei all der globalen Erwärmung das Thermometer nach diesem geradezu heißen Dezember im neuen Jahr auf fast zweistellige Minusgrade? „Der Unterschied zwischen Klima und Wetter ist: Klima ist, was man erwartet, und Wetter, was man bekommt“, sagt Latif. „Wir haben mittlerweile einen durchgehenden Herbst. Aber natürlich wird es weiter Eis und Schnee geben. Dass wir uns darüber wundern, zeigt schon, dass wir vom Winter entwöhnt sind.“

Was das konkret für die Zukunft bedeutet, hat der Deutsche Wetterdienst zusammen mit dem Umweltbundesamt und dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit in einer Ende November vorgestellten Studie für alle Regionen Deutschlands zusammengefasst.

Kiel und Schleswig-Holstein liegen in einer Region mit kühlerem Klima. Das bedeutet: Es drohen vor allem mehr Schäden durch Extremereignisse wie Flusshochwasser und gegen Ende des Jahrhunderts häufigere Sturmfluten durch den Meeresspiegelanstieg. Jede dieser Katastrophen macht Latif nicht nur wegen der unmittelbaren Folgen Sorgen: Eine große Gefahr seien mittlerweile die „Abnutzungseffekte“. Werde beispielsweise häufiger über Ereignisse, wie die vermeintlich weit entfernte Erwärmung des Nordpols, berichtet, werde der Klimawandel immer eher als gegeben hingenommen. „Und dann macht sich keiner mehr Gedanken, wie wir das alles verhindern können.“

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