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Ein Leuchtturm für Flüchtlingshilfe

Kloster Nütschau ausgezeichnet Ein Leuchtturm für Flüchtlingshilfe

Der Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein hat die Brüdergemeinde des Klosters Nütschau mit dem Leuchtturm des Nordens 2015 ausgezeichnet. Gewürdigt wurde damit das große Engagement der Benediktiner in Travenbrück für Flüchtlinge, die von Abschiebung bedroht sind.

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Bruder Benedikt Hülsmann koordiniert das Kirchenasyl im Kloster Nütschau

Quelle: Sonja Paar

Travenbrück. 14 Menschen haben die Brüder seit 2013 Kirchenasyl gewährt – und sie wollen es weiter tun, wenn Flüchtlinge an ihr Tor klopfen.

 Bisher haben die 18 Benediktiner mit ihrem Team die Schutzsuchenden in aller Stille aufgenommen. Bruder Benedikt erinnert sich noch genau an den ersten jungen Mann aus Afghanistan, der eines Abends vor dem Kloster stand. „Das war ein sehr prägendes Erlebnis. Nicht weil wir gezögert hätten – es war gleich klar, dass wir ihn aufnehmen. Sondern weil er uns viel später erzählte, wie er sich damals gefühlt hatte. Dass er große Ängste hatte, in ein dunkles Kloster zu kommen, zu Menschen, die sich mit einem Habit kleiden und deren Tun er nicht verstand.“

 Als die Gemeinde zum zweiten Mal um Zuflucht für Sudanesen gebeten wurde, erzählt Bruder Benedikt weiter, sei er sehr froh gewesen, dass es sofort die positive Rückmeldung von den anderen Brüdern gab: Ja, wir nehmen weitere Flüchtlinge auf. Denn die Gemeinschaft fühlt sich dem Gebot der Nächstenliebe verpflichtet: „Alle Gäste, die ins Kloster kommen, sollen wie Christus aufgenommen werden.“

 Bruder Benedikt, der afrikanische Länder bereist und in Südafrika studiert hat, wurde zum Flüchtlingskoordinator benannt. „Ich erlebe das als Bereicherung. Ich bekomme Einblick in ihre Kultur und Heimatländer. Wir bemühen uns allerdings auch, die Flüchtlinge zu integrieren, bei unseren Besprechungen, in die Arbeit in Küche und Garten.“

 Wert legen die Brüder aber auch darauf, die anderen Gäste im Haus zu informieren. Schließlich läuft man sich auf dem großen Gelände auch einmal über den Weg. Was schon zu bemerkenswerten Begegnungen geführt hat. Etwa als die Bundespolizei dort eine Veranstaltung abhielt und sich ein Beamter nach dem Flüchtling erkundigte und wahrheitsgemäß informiert wurde. Darauf der Beamte: „Dann muss ich den Mann eigentlich mitnehmen.“ Der Benediktiner antwortete: „Ich glaube nicht, dass Sie das tun werden“. Der Flüchtling blieb unbehelligt.

 Haben die Brüder die Schutzsuchenden nach ihrem Glauben gefragt? „Ja, weil sich die Küche darauf einstellen muss. Unser Ziel ist nicht die Konversion. Ich hoffe aber schon, dass die Flüchtlinge die Zeit hier als positive Erfahrung mit Christen empfinden“, sagt der Mönch. Nach 13 Muslimen beherbergt das Kloster zurzeit erstmals einen Christen aus dem Iran.

 Martin Link, Geschäftsführer beim Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein, würdigte nicht nur die Aufnahme der Flüchtlinge, sondern auch den Einsatz der Brüder für ein Bleiberecht: „Ihr Einsatz war in allen Fällen erfolgreich. Und ich möchte betonen, dass diese und andere Gemeinden im Land mit dem Kirchenasyl eben keinen rechtsfreien Raum schaffen, sondern das Verfassungsgebot des Asyls gewährleisten. Das wird angesichts aktueller Rechtsentwicklungen weiter notwendig sein.“ Lediglich Asylsuchenden aus Syrien, Irak, Iran und Eritrea solle eine gute Bleibeperspektive zugebilligt werden. „Alle anderen – und nicht nur die aus angeblich sicheren Herkunftsländern – haben mehr oder weniger das Nachsehen, etwa die große Gruppe afghanischer Flüchtlinge.“

 Bis zu 70 Kirchengemeinden haben in der evangelischen Nordkirche Flüchtlingen Asyl gewährt. Zurzeit sind es 48 Gemeinden, bestätigte Dietlind Jochims, Flüchtlingsbeauftragte der Nordkirche. Es handele sich um Dublin-Fälle. „Das bedeutet, dass nur danach entschieden wird, wo sie zuerst in der EU registriert wurden, aber das Asylbegehren nicht inhaltlich geprüft wird.“ Es gebe aber bei bestimmten Menschen massive Gründe, dass sie nicht rückgeschoben werden könnten. „Wenn klar ist, dass ein Kind bald sterben wird, dann kann man diese Familie einfach nicht nach Bulgarien zurückschicken.“ Die Bereitschaft zum Kirchenasyl sei hoch, bestätigt auch Walter Wigand, der die Flüchtlingsarbeit im Kirchenkreis Rendsburg-Eckernförde koordiniert. „Oft ist es aber schwierig, das über längere Zeit zu organisieren. Und es ist wichtig, dass darüber nicht andere, die unseren Beistand brauchen, zu kurz kommen.“

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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