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Der „Waldersatz“ wird gepflegt

Knicks Der „Waldersatz“ wird gepflegt

„Lebende Zäune“, „grüne Wände“ oder „kleine Deiche“ — es gibt viele Bezeichnungen für die Knicks. Allen gemeinsam ist: Ihre ökologische Funktion können sie nur erfüllen, wenn sie entsprechend gepflegt werden. Schleswig-Holsteins Bauern haben inzwischen mit der jährlichen Knickpflege begonnen.

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 Bei Rethwischdorf wurde schon Knickpflege betrieben: Abgeschnittene Büsche und Baumäste liegen hier am Straßenrand.

Quelle: Markus Scholz/dpa

Kiel. Die in Deutschland einzigartigen Baum- und Gestrüpphecken prägen seit rund 200 Jahren die Landschaft des waldarmen Bundeslandes. Zwischen Nord- und Ostsee erstrecken sich heute rund 45000 Kilometer der lebenden Hecken und verleihen das Bild einer gehölzreichen, vielfältig strukturierten Landschaft, wie der Geschäftsführer des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) in Schleswig-Holstein, Ingo Ludwichowski, sagte.

Biologen kennen in Schleswig-Holstein rund 85 Knicktypen. Je nach Entstehungsgeschichte, Boden und klimatischen Verhältnissen wachsen in den „grünen Wällen“ verschiedene Pflanzen. Die bis zu fünf Meter breiten Knicks sind „Waldersatz“ und für viele Tiere und Pflanzen die letzten Rückzugsräume. Sie bilden Übergangsräume für Pflanzen und Tiere sowohl der Wälder wie auch des Freilandes. Außerdem verbinden sie als Korridore verstreut gelegene Lebensräume, über den der Austausch von Organismen noch funktionieren kann, sagte Ludwichowski.

Nach Angaben des NABU werden sie mittlerweile von rund 7000 Tierarten als Ersatzlebensraum genutzt. In einem Kilometer Knick könnten bis zu 1800 unterschiedliche Arten leben und bis zu 30 Vogelpaare brüten. „Die Vielzahl der vorkommenden Pflanzenarten und die bizarren Wuchsformen der Bäume und Sträucher mit Hohlräumen und undurchdringlichen Dickichten machen die Knicks für viele Tiere so attraktiv“, sagte Ludwichowski. Besonders Singvögel wie Dorngrasmücke, Heckenbraunelle und Goldammer ziehen sich in die Knicks zurück: „Ihre natürlichen Lebensräume existieren ansonsten kaum noch.“

Viele Tiere leben sogar das ganze Jahr in den Knicks: Die Vitamin-C-reichen Früchte der Heckenrosen — die Hagebutten — sichern im Winter mehr als 25 Vogelarten das Überleben. Zusätzlich sind zehn Wildbienenarten und mehr als hundert andere Insektenarten auf die Wildrosen angewiesen. Und zehn der insgesamt hundert in Schleswig-Holstein vorkommenden Brombeerarten gibt es nur in Knicks.

Ihre ökologisch wichtige Funktion können die „lebenden Hecken“ jedoch nur erfüllen, wenn sie im Winter entsprechend gepflegt werden, sagte Ludwichowski. Sonst verkümmern sie zu einer lichten Baumreihe, die neben ihrer Artenvielfalt auch die Windschutzwirkung einbüßt.

Die Knickpflege darf nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums nur außerhalb der Brutzeit in der Zeit vom 1. Oktober bis zum 14. März durchgeführt werden.

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