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Früherkennung kann lebensrettend sein

Krebsinformationstag Früherkennung kann lebensrettend sein

Vorsorge und Früherkennung standen im Mittelpunkt des 9. Schleswig-Holsteinischen Krebsinformationstages in der Sparkassen-Akademie. Zwar richtete sich das Informationsangebot an alle Interessierten, die meisten der 600 Besucher seien jedoch Patienten und Angehörige gewesen, so die Schleswig-Holsteinische Krebsgesellschaft.

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Diskutierten über Krebsvorsorge (von links): Frank Gieseler von der Schleswig-Holsteinischen Krebsgesellschaft, Thoraxchirurg Peter Dohrmann, Michael Morsch vom Ministerium für Gesundheit, Sozialmediziner Alexander Katalinic und der Dermatologe Axel Hauschild.

Quelle: Sonja Paar

Kiel. Deren Vorsitzender, Prof. Frank Gieseler, betonte: „Wir müssen uns kümmern um diejenigen, die Krebs haben, aber ganz wichtig ist, dass wir uns darum kümmern, dass Menschen Krebs nicht bekommen.“

 Sehr still wurde es in der vollen Aula bei den Worten von Ministerpräsident Torsten Albig: „Als meine Frau Brustkrebs bekam, beherrschte uns gefühlte Dunkelheit, Einsamkeit und eine große, alles erdrückende Traurigkeit. Und Schuldgefühle: Was haben wir getan? Wieso wir? Ist es eine Strafe? So ging es uns zumindest.“ Menschen, „die diesen Weg schon gegangen sind“, hätten die Angst gemindert, Hoffnung vermittelt und Entschlossenheit. „Bei meiner Frau wurde der Tumor relativ früh entdeckt – die sehr feinen Finger einer Frauenärztin waren es, nicht die kurz zuvor gemachte Mammografie – und konnte weggeschnitten werden. Beides halte ich für wichtig: Die große Technik, aber auch Menschen, die fühlen können.“

 Gerade in Deutschland gebe es „intensive Diskussionen über Sinn und Unsinn der Krebsfrüherkennung, und viele Bürger sind dadurch verunsichert“, konstatierte Prof. Alexander Katalinic. Er ist Direktor des Instituts für Sozialmedizin und Epidemiologie der Universität Lübeck, das die anonymen Daten für das Krebsregister Schleswig-Holstein auswertet. Sein klares Statement: „Die Prognose einer Tumorerkrankung ist abhängig vom Stadium.“

"Extrem effizient"

 Auch der zweite Hauptredner, Prof. Axel Hauschild, forschender Dermatologe am UKSH, betonte den lebensentscheidenden Wert der Früherkennung. Ein erfahrener Hautarzt entdecke 70 Prozent der Tumore mit dem bloßen Auge und 90 Prozent mit dem Auflicht-Mikroskop. Als „extrem effizient“ bezeichnete Hauschild die Video-Auflichtmikroskopie, die beim bösartigen Schwarzen Hautkrebs (Melanom) eine Trefferquote von etwa 98 Prozent aufweise.

 Hauschild wies in der anschließenden Podiumsdiskussion darauf hin, dass Früherkennung für Einsparungen im Gesundheitssystem sorge: In den vergangenen fünf Jahren seien in seinem Fachbereich, der Dermatoonkologie, sieben neue, hochwirksame Medikamente zugelassen worden. Die Jahrestherapiekosten lägen im Schnitt pro Patient bei 100000 Euro.

 „Mich ärgert es“, sagte Katalinic, „dass wissenschaftliche Studien publiziert werden, die Zweifel am Wert der Früherkennung schüren, deren Basis aber nicht stimmt.“ Ja, es gebe Risiken: zum Beispiel bei der Darmspiegelung das Risiko einer Perforation der Darmwand und sogar Todesfälle. Auch eine Mammografie „schützt nicht vor Brustkrebs – denn 20 Prozent der dabei gefundenen Mammakarzinome sind in einem fortgeschrittenen Stadium. 80 Prozent aber eben nicht“, so Katalinic. „Die Früherkennung kann nicht alle retten – aber viele!“

 30 Prozent der Frauen, die regelmäßig zum Screening gingen, würden in 20 Jahren mindestens einmal einen falsch positiven Befund haben. Sie würden unnötige Angst und Diagnostik über sich ergehen lassen. „Das ist so, und das muss man im Arzt-Patientin-Gespräch auch sagen.“ Aber auch, dass die Sterblichkeit infolge des Mammografie-Screenings um 25 Prozent sinke. Katalinic plädierte für einen Paradigmenwechsel: weg vom imperativen „Du musst zur Früherkennung!“ früherer Kampagnen hin zu „einem guten Informieren“.

 Renommierte Hautkrebsforschung

 In der Hautkrebsfrüherkennung nimmt Schleswig-Holstein eine, wie Axel Hauschild hervorhob, international beachtete Sonderstellung ein. „Schleswig-Holstein wird auf wirklich jedem Dermatologenkongress in den USA hervorgehoben.“ Der Grund ist die Pilotstudie der Jahre 2003 und 2004, das bisher weltweit größte Hautkrebsscreening, an dem „360288 gesetzlich Versicherte (oder 19 Prozent der anspruchsberechtigten Bevölkerung) teilnahmen und von Ärzten aus insgesamt acht Facharztgruppen untersucht wurden“.

 3000 Tumore wurden entdeckt, 600-mal war es Schwarzer Hautkrebs. Die innerhalb von sieben Jahren nach dieser Reihenuntersuchung in Schleswig-Holstein halbierte Sterblichkeitsrate führte zu der heute gültigen bundesweiten Regelung: Bei allen gesetzlich versicherten Patienten ab 35 Jahre zahlt deren Kasse eine Blickuntersuchung durch den Hautarzt alle zwei Jahre (entsprechend 21 Euro; eine zusätzliche Untersuchung mit dem Auflicht-Mikroskop müssen Patienten selbst zahlen: plus 18 Euro). „Patienten mit vielen Leberflecken sollten jedes Jahr mindestens ein Mal begutachtet werden“, so Hauschild.

 Informationen zur Vorsorge

 Jedes Jahr werden in Schleswig-Holstein etwa 25000 neue Krebserkrankungen diagnostiziert, davon sind 6500 epitheliale Tumore (der Haut). Krebs verursacht hier jährlich 7600 Todesfälle. Das Sterbealter liegt zwischen 72 und 75 Jahren. Im Landeskrebsregister wurden von 1997 bis heute 480000 Schleswig-Holsteiner mit Krebs erfasst.

 Bisher nutzen etwa 50 Prozent der Frauen und etwa 20 Prozent der Männer die Angebote der Krankenkassen für Krebsfrüherkennungsuntersuchungen. Über diese informiert der „Vorsorgepass“. Er kann kostenfrei in der Geschäftsstelle der Krebsgesellschaft bestellt werden: Tel. 0431-8001084 oder info@krebsgesellschaft-sh.de

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Ein Artikel von
Christian Trutschel
Lokalredaktion Kiel/SH

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