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Einbrecher haben Hochkonjunktur

Kriminalität Einbrecher haben Hochkonjunktur

Die Landespolizei hat im November einen dramatischen Anstieg von Wohnungseinbrüchen verzeichnet. Mit 1029 Fällen ist die Zahl fast doppelt so hoch wie im Vergleichsmonat des Vorjahres, in den ersten beiden Dezemberwochen wurde über 700 Taten angezeigt.

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Schnell muss es gehen: Hier demonstriert ein Polizist den Einsatz eines Stemmeisens beim gewaltsamen Öffnen eines Fensters. Auch Terrassentüren gelten oft als Schwachpunkt, was die Sicherheit betrifft – Experten empfehlen deshalb eine Nachrüstung.

Quelle: Franz-Peter Tschauner/dpa

Kiel. Die Mehrzahl der Einbrüche begehen organisierte Banden, die an den Autobahnen und Bundesstraßen in Häuser einsteigen, um schnell flüchten zu können. Auch Kieler Umlandgemeinden sind betroffen.

 Viele Täter stammen vom Westbalkan und haben die erhöhte Zuwanderung von Flüchtlingen ausgenutzt, um ins Land zu kommen. Sie reisen meist mit einem Pkw an und kommen in einer Flüchtlingsunterkunft oder bei Freunden unter. Die Banden agieren nicht nur in Schleswig-Holstein, sondern in ganz Westeuropa. „Die Auswertung von Navigationsgeräten festgenommener Täter hat ergeben, dass die Gruppen in skandinavischen Ländern und in Italien unterwegs waren“, sagte Reiner Bretsch, verantwortlich für das Landeskonzept zur Bekämpfung des Wohnungseinbruchsdiebstahls beim Landeskriminalamt (LKA). Die organisierten Banden sind äußerst professionell und brechen nur ein, wenn für sie die Kosten-Nutzen-Rechnung aufgeht – meist in der Dämmerung, damit sie nicht gesehen werden, aber selbst noch genug Licht haben. Zu der Zeit sind auch viele Menschen noch nicht zu Hause. Dauert es länger als zwei Minuten, Fenster oder Terrassentür aufzuhebeln, gehen sie weiter zum nächsten Ziel, um dort schnell Beute zu machen. „In den Dörfern entlang der Autobahn wurde in einem kurzen Zeitraum bis zu 30-mal eingebrochen“, sagte der Kriminaloberrat. Diese Profis fangen dort an nach wertvollen Dingen zu suchen, wo sie hereingekommen sind. Steigen sie durch die Terrassentür ein, ist es meist das Wohnzimmer. Einbrecher mit „Erfahrung“ benötigen weniger als zehn Minuten, um ein Haus zu durchkämmen. „Sie stehlen hauptsächlich Bargeld und Schmuck. „Behälter mit Münzen lassen die Diebe zurück, weil sie zu schwer sind. Auch an alten Computern oder Kameras haben sie kein Interesse“, sagte der LKA-Mann.

Aufklärungsquote: 12,6 Prozent

 Die Spezialisten der Spurensicherung sehen sofort, ob Profis am Werk waren. Werden die ausländischen Täter von der Polizei auf frischer Tat ertappt und verfolgt, riskieren sie auf der Flucht nicht Leib und Leben. 121 Männer hat die Polizei allein in diesem Jahr festgenommen, die fast alle aus Albanien stammen und sofort einen Antrag auf Asyl gestellt haben. „Es ist so gut wie sicher, dass sie mehrere Einbrüche verübt haben. Oft können wir ihnen jedoch nur eine Tat nachweisen“, sagte Bretsch. Aktuell ermitteln die Beamten in 201 Komplexen mit einem oder mehreren Tätern und Taten. Die Aufklärungsquote lag im vergangenen Jahr bei 12,6 Prozent.

 LKA-Experten wertet alle angezeigten Taten aus. „Täglich geben die Auswerter ihre gewonnenen Informationen an die Dienststellen, die darauf ihre Fahndung ausrichten“, sagte Jürgen Börner, Pressesprecher des Landespolizeiamtes. So können zum Beispiel die Beamten in den Umlandgemeinden Heikendorf und Strande, in denen es zuletzt viele Einbrüche gab, ihre Präsenz zu den tatrelevanten Zeiten erhöhen. Da viele Einbrecher im Hamburger Speckgürtel unterwegs sind, arbeiten die Polizeien auch länderübergreifend zusammen. „Insbesondere mit den Dänen findet ein reger Austausch durch die deutsch-dänische Analysegruppe in Padborg statt“, erklärte Börner. Einbruchsdiebstahl ist kein schleswig-holsteinisches Phänomen. „Die hohen Zahlen hier im Land decken sich mit dem Trend in anderen Bundesländern“, so Bretsch.

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Günter Schellhase
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