23 ° / 15 ° Regenschauer

Navigation:
Krippengeld: Irrweg oder Segen?

Landtagsdebatte Krippengeld: Irrweg oder Segen?

Fakt ist: Eltern, die ihre Kinder in einer Krippe betreuen lassen, sollen auf Wunsch der rot-grün-blauen Koalition ab 2017 monatlich 100 Euro vom Land zurückbekommen. Aber wie viel bleibt ihnen davon übrig?

Voriger Artikel
„Stunde der Gartenvögel“: Spatz obenauf
Nächster Artikel
Netz-Störungen bei der Telekom

„Die Kita ist wirklich der verlässlichste Betreuungsrahmen, den Eltern haben“, sagte Serpil Midyatli (SPD).

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Nach Angaben von Sozialministerin Kristin Alheit (SPD) zahlten die Eltern 2014 in Schleswig-Holstein jährlich bis zu rund 5700 Euro für einen Krippenplatz. Durchschnittlich müssten sie pro Kind 210 Euro pro Monat berappen, in vielen Gemeinden deutlich mehr. „Das ist für Familien, die meistens gerade viele Lasten zu schultern haben, viel Geld, und wir sind der Meinung: zu viel Geld“, sagte die Ministerin. Das Krippengeld sei eine Entlastung, die „ganz konkret in den Familien ankommt und Luft im Alltag schafft.“

 Die Küstenkoalition will in den nächsten Jahren stufenweise eine vollständige Kostenfreiheit der Kindertagesbetreuung erreichen. „Die Beitragsfreiheit kommt“, sagte die SPD-Abgeordnete Midyatli aus Gettorf und verwies auf ein Wahlversprechen, das man nun zum Ende der Legislatur endlich umsetzen beginne. Das sei auch höchste Zeit. 1459 Tage seien vergangen, „in denen Sie uns als Opposition hätten jagen können und jagen müssen“.

 In Midyatlis Nachbargemeinde Lindau-Revensdorf indes planen die Kommunalpolitiker eine dramatische Gebührenerhöhung. 350 Euro sollen Eltern dort künftig für fünf Stunden Krippenbetreuung zahlen – 80 Euro mehr als bisher. Satte 630 Euro sind es für neun Stunden, was einer Erhöhung von 160 Euro entspricht. Anita Klahn (FDP) rieb ihrer SPD-Kollegin genüsslich diese Zahlen unter die Nase. Statt Entlastung laute das Prinzip eher „linke Tasche, rechte Tasche.“ Doch, die FDP habe sich immer schon für Kita-Beitragsfreiheit ausgesprochen, reagierte Klahn auf Nachfrage der Grünen-Bildungsexpertin Anke Erdmann. Voraussetzung dafür sei allerdings ein solider Landeshaushalt.

 Über diese Aussage freute sich wiederum SPD-Fraktionschef Ralf Stegner. Es sei doch die FDP gewesen, die in Regierungsverantwortung an der Seite der CDU das letzte beitragsfreie Kita-Jahr kassiert habe. Insofern sei Klahns Äußerung ein bloßes Lippenbekenntnis. CDU-Mann Sönnichsen hielt der Koalition dagegen vor, dass sich mit jedem Platzausbau das kommunale Defizit erhöhe. Seine Kollegin Katja Rathe-Hoffmann bewertete es ähnlich. Das Krippengeld setze an den Symptomen an: den hohen Elternbeiträgen. „Unser Ansatz ist es, die Ursachen abzustellen: die steigenden Kosten der Kommunen.“

 Unterdessen bezeichnete Jörg Bülow vom Landes-Gemeindetag das Krippengeld als Irrweg. Er forderte stattdessen eine Anhebung des Landeszuschusses von 70 auf 90 Millionen Euro und eine Dynamisierung um 2,5 Prozent in den Folgejahren.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

THW-Liveticker

Verfolgen Sie alle Spiele vom THW Kiel in unserem Liveticker.

Das THW-Magazin

Erfahren Sie mehr!
Einblicke hinter die
Kulissen des THW-Kiel

Anzeige
ANZEIGE
Mehr aus Nachrichten: Schleswig-Holstein 2/3