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Wie viel Sinn macht der Blitzmarathon?

Kritik an Aktion Wie viel Sinn macht der Blitzmarathon?

Für den Blitzmarathon am 21. April sind in Schleswig-Holstein bis zu 16 Stunden vorgesehen, im gesamten Land werden 192 Polizisten 75 Radarfallen aufbauen. Die Raser-Fahndung, mit der Verkehrsbewusstsein und -sicherheit verbessert werden sollen, ist nicht unumstritten.

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Am Blitzmarathon wird Kritik laut.

Quelle: Julian Stratenschulte / dpa

Kiel. Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Sachsen haben sich wie Niedersachsen von der bundesweiten Bleifuß-Jagd bereits verabschiedet. Die Niedersachsen, deren Innenminister Boris Pistorius den Blitzmarathon seit dessen Premiere 2012 kritisch sieht („Unser Ziel, die Zahl der Unfälle und Getöteten nachhaltig zu senken, haben wir nicht erreicht“), geben keinen Geringeren als Barack Obama als Grund für ihre Absage an. Der US-Präsident besucht am 24. April Hannover, da ist die Polizei mit Sicherheitsmaßnahmen ausgelastet.

Schleswig-Holsteins Innenminister Stefan Studt bezeichnet die bisherigen Blitzmarathons dagegen als Erfolg mit nachhaltiger Wirkung. „Wegen des großen öffentlichen Aufmerksamkeitswerts wird das Bewusstsein der Autofahrer für die richtige Geschwindigkeit geschärft“, versichert Studt. Das wiederum sieht die FDP-Landtagsfraktion ganz anders und fordert, auf die 16-Stunden-Überwachung zu verzichten. Deren Sprecher für Innen- und Verkehrspolitik, Ekkehard Klug und Christopher Vogt, erkennen eine angesichts der Arbeitsbelastung der Polizei völlig unsinnige PR-Aktion. Das wiederum ließ die Grünen verbal Gas geben. Die FDP betreibe eine „Politik für PorschefahrerInnen“, dabei gefährde Rasen Menschenleben, ließ deren verkehrspolitischer Sprecher Andreas Tietze verlauten.

Was denn nun? PR-Gag und Abzocke oder eine verkehrspolitische Notwendigkeit? Beim Blitzmarathon 2013 tappten in Schleswig-Holstein 6113 Gasgeber in 121 Fallen, ein Jahr später waren 4644 Autofahrer zu flott unterwegs. 2015 gab es im nördlichsten Bundesland 12689 Verkehrsunfälle, dabei verloren 107 Menschen ihr Leben. Nichtangepasste Geschwindigkeit gilt dabei als Hauptunfallursache. Spricht das nicht für die verdeckte Ermittlung als Ein-Tages-Aktion?

Manfred Börners Auffassung ist eindeutig. Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei hält von der Aktion am 21. April gar nichts. Der 57-Jährige, der zwischen seinem Wohnort Ratzeburg und Kiel pendelt und bis zu 40000 Kilometern jährlich zurücklegt, sagt: „Dafür Kräfte der Polizei zu bündeln, die ohnehin überlastet ist, ist politisch falsch. Diesen Tag sollten wir uns schenken.“ Börner will nicht falsch verstanden werden, er ist für hohe Verkehrssicherheit, besonders an Unfallschwerpunkten oder in Bereichen, in denen Kinder gefährdet sind, aber er hat bei den vergangenen Blitzmarathons auch registriert: „Da fahren die Leute an einem Tag mal in Baustellen, in denen 80 erlaubt ist, 70, und danach sind 90 und 100 km/h wieder üblich.“

Der GdP-Chef, der zugibt, in 40 mobilen Jahren einige Male geblitzt worden zu sein, weiß zugleich, dass der persönliche Ärger darüber nicht ohne Folgen bleibt: „Wenn ich einen Infrarotblitz gesehen habe oder hinterher den Bußgeldbescheid, dann hat das immer nachgewirkt.“ Seit einigen Jahren sponsert der Autofahrer Börner die Staatskasse jedenfalls nicht mehr.

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Foto: An 65 Standorten in ganz Schleswig-Holstein wird in der kommenden Woche geblitzt.

An 75 Stellen im ganzen Land heißt es am Donnerstag, 21. April: "Aufgepasst" oder "bitte recht freundlich"! Auf welchen Straßen die Landespolizei Schleswig-Holstein im Rahmen des Blitzmarathons in der Zeit von 6 bis 22 Uhr die Geschwindigkeit misst, wurde am Mittwoch bekannt gegeben.

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