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Der Norden hinkt bei den Renten hinterher

Länder-Ranking Der Norden hinkt bei den Renten hinterher

Eine neue Studie enthüllt: Rentner im Norden verfügen im Bundesvergleich eher über geringe Altersbezüge. So belegt Schleswig-Holstein in einem am Mittwoch veröffentlichten Länder-Ranking den viertletzten Platz. Im Landeshaus sorgte der Report für Zündstoff.

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Laut der Analyse der Rentenversicherung bezogen im vergangenen Jahr 601273 Personen in Schleswig-Holstein eine reguläre Altersrente.

Quelle: Marijan Murat/dpa

Kiel. Schlechte Nachrichten für die Rentner im Norden: Ihre Altersbezüge sind im Bundesvergleich niedrig. So belegt Schleswig-Holstein in einem neuen Länder-Ranking nur den viertletzten Platz. Das geht aus dem aktuellen Renten-Atlas der Rentenversicherung hervor. „Dass Schleswig-Holsteiner bei der Rente deutlich weniger in der Tasche haben, als der Bundesdurchschnitt ist ungerecht. Bei uns wird schließlich nicht weniger geleistet als in anderen Bundesländern“, sagte der stellvertretende Fraktionschef der Grünen, Rasmus Andresen. Schuld seien zu viele prekäre Beschäftigungsverhältnisse im Norden, weswegen die Bundesregierung durch einen höheren Mindestlohn für höhere Löhne sorgen müsste. Derweil machte die Opposition im Kieler Landtag eine falsche Wirtschaftspolitik der Landesregierung für das schlechte Abschneiden mitverantwortlich.

 Laut der Analyse der Rentenversicherung bezogen im vergangenen Jahr 601273 Personen in Schleswig-Holstein eine reguläre Altersrente, also keine Erwerbs-, Witwen- oder Waisenrente. Im Schnitt erhielten Männer hierzulande 1098 Euro und Frauen 603 Euro. Damit lagen sie unter dem Bundesdurchschnitt von 1130 Euro (Männer) und 653 Euro (Frauen). Die Gewinner aller rund 20 Millionen Rentner sind dabei die Ost-Berliner: Männer bekommen dort 1197 Euro monatlich überwiesen, Frauen 940 Euro. In West-Berlin erhalten Männer jedoch im Bundesvergleich am wenigsten, nämlich nur noch 1017 Euro. Bei den Frauen liegt das Saarland auf dem letzten Platz. Hier müssen die Rentnerinnen im Schnitt mit 491 Euro auskommen.


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 Damit bestätigt der Report grundsätzlich einen alten Trend: Frauen sind bei der Rente bundesweit durchgängig schlechter gestellt als Männer. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass Rentnerinnen im Osten über deutlich höhere Bezüge verfügen als Rentnerinnen im Westen. Nach Angaben der Rentenversicherung liegt das an den unterschiedlichen Erwerbsbiografien. Während in Ostdeutschland die Frauen häufiger und länger einer Erwerbstätigkeit nachgingen, war in Westdeutschland lange das „Familienmodell des allein verdienenden Ehemannes und der Kinder erziehenden Hausfrau stark verbreitet“.

 Vor diesem Hintergrund löste der Rentenreport im Landeshaus eine Debatte aus. Während CDU-Sozialpolitikerin Katja Rathje-Hoffmann die Einkommensunterschiede als „eklatant“ kritisierte und für eine bessere Anrechnung von Erziehungszeiten bei der Rente plädierte, forderte auch das Landessozialministerium eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Um zu einem besseren Rentenniveau im Land beizutragen, treibe man den Ausbau der Kinderbetreuung voran, teilte Staatssekretärin Anette Langner mit. Dies sei ein „wichtiger Beitrag, damit beide Eltern ihrem Beruf nachgehen könnten“ und Frauen durch eine ungleiche Erwerbsbiografie bei der Rente nicht benachteiligt würden. Verbessert werden könnte aber auch die gesellschaftliche Akzeptanz, dass Arbeit und Familienleben von beiden Partnern gleichermaßen geleistet werden müsse.

 Unterdessen warf die FDP der Küstenkoalition Untätigkeit vor: „Jede Landesregierung muss das Ziel haben, dass das Einkommensniveau im Land über dem Bundesdurchschnitt liegt“, sagte FDP-Landeschef Heiner Garg. In dem schlechten Rentenergebnis spiegele sich eben auch eine verfehlte Wirtschaftspolitik wider. So habe das Land zu wenig in seine Verkehrs-, Bildungs-, Gesundheits- und IT-Struktur investiert. „Gute ökonomische Rahmenbedingungen sorgen für Arbeitsplätze und am Ende auch für gute Renten“, sagte der Liberale. Zudem müsse sich die Koalition auf Bundesebene für eine Konsolidierung des Rentensystems und eine Stärkung der privaten und betrieblichen Altersvorsorge einsetzen.

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Ein Artikel von
Jens Kiffmeier
Wirtschaftsredaktion

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Viertletzter! Die Rentner im Norden hinken mit ihren durchschnittlichen Altersbezüge fast der ganzen Republik hinterher. Das ist das traurige Ergebnis des aktuellen Rentenreports. Eine schnelle Verbesserung der Lage ist dabei nicht in Sicht.

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