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Land geht neue Wege in der Pflege

Eigene Kammer Land geht neue Wege in der Pflege

Mit 25.000 Mitgliedern soll es die größte Interessenvertretung im Gesundheitswesen werden: Sozialministerin Kristin Alheit (SPD) hat am Donnerstag in Neumünster die Landes-Geschäftsstelle zur Errichtung einer Pflegeberufekammer eröffnet.

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Die Zahl der Menschen, die in Schleswig-Holstein auf Pflege angewiesen sind, steigt. Ein Ziel der Kammer ist, den Bedarf an qualifizierten Fachkräften im Land präziser zu ermitteln.

Quelle: Angelika Warmuth/dpa

Neumünster. Im Herbst will man dort mit der Registrierung aller Kinder-, Alten- und Krankenpfleger beginnen und hofft, diese Arbeit im kommenden Jahr abzuschließen. Da die Liste zugleich als Wählerregister dient, um die 40-köpfige Kammerversammlung zu bestimmen, drängt die Zeit: Spätestens am 9. Juni 2018 muss die Versammlung erstmals zusammenkommen und einen Vorstand bestimmen. Dann endet per Landesgesetz eine 30-monatige Frist.

 Aktuell beziehen etwa 88000 Menschen in Schleswig-Holstein Leistungen der Pflegeversicherung. „Pflege wird künftig noch einen ganz anderen Stellenwert haben als heute“, sagte Alheit mit Blick auf die älter werdende Gesellschaft. „Wie gehen wir mit Pflege um?“, fragte die Ministerin und gab eine Antwort gleich selbst: „Wir brauchen neue Modelle.“ Häusliche und professionelle Pflege müssten effizienter miteinander verzahnt werden. „Ich möchte, dass wir alle gut alt werden können – nicht nur der, der es sich leisten kann.“ Die neue Kammer könne die berufsspezifischen Bedarfe ermitteln – dazu seien allgemeine Arbeitnehmerkammern, wie es sie in den Stadtstaaten Hamburg und Bremen gibt, eben nicht in der Lage.

 Bislang gibt es eine vergleichbare Kammer erst in Rheinland-Pfalz, und die Neumünsteraner könnten sich an deren Beiträgen orientieren. Für Bruttoeinkommen zwischen 2500 und 4500 Euro berechnen die Mainzer ihren Mitgliedern 9,80 Euro pro Monat. „Wir müssen eine Summe finden, die über mehrere Jahre tragfähig ist“, sagte Frank Vilsmeier, stellvertretender Vorsitzender des sogenannten Errichtungsausschusses und Psychiatrie-Krankenpfleger aus Rickling. Bei der Registrierung sollen neben Arbeitszeitstrukturen, Qualifikationen, Alter und Geschlecht auch die Einkommen erfasst werden. So viel steht jetzt schon fest: Die Gehälter unterscheiden sich innerhalb des Landes um einige 100 Euro. „Auch die Kammer wird nicht das Mittel sein, um diese Ungleichheit zu verändern“, sagte die Ausschuss-Vorsitzende Patricia Drube, Altenpflegerin aus Bad Schwartau. „Aber sie schafft dafür die Voraussetzungen.“ Ob die Kammer ein Fundament für Gewerkschaften und Berufsfachverbände sein werde? Vilsmeier sinngemäß: Gemeinsam werde man stark sein.

 Wirklich? Bei Verdi bleibt man vorerst skeptisch. „In Fragen der Personalknappheit und Personalbemessung sowie der Qualität wird die Kammer nicht viel bewegen können“, sagte die zuständige Gewerkschaftssekretärin Claudia Zaetschky. Und dass die Zwangsmitgliedschaft alle examinierten Pflegeberufe trifft, sei nicht hinnehmbar.

 Während von der Küstenkoalition erwartungsgemäß Lob kam, schloss sich die Opposition der Gewerkschaftskritik an. „Je besser der Informationsstand, desto höher ist die Zustimmung zur Pflegeberufekammer“, prognostizierte Birte Pauls (SPD). „Störfeuer und falsche Informationen von Berufsfremden helfen der Pflege nicht.“ Dagegen kündigte Heiner Garg (FDP) an, den „Kammerzwang“ bei Regierungsübernahme sofort wieder abzuschaffen. Die Einrichtung schaffe nur Bürokratie und Kosten.

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Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

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