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Dienstpistolen zum Preis von Radiergummis

Land verkauft Polizeiwaffen Dienstpistolen zum Preis von Radiergummis

Der Landesregierung ist ein echter Coup gelungen. Sie kann mehr als 1000 ausrangierte Polizeiwaffen nach Berlin verkaufen. In der Bundeshauptstadt ist die Waffenhilfe aus dem „echten Norden“ allerdings umstritten.

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In Schleswig-Holstein längst ein Auslaufmodell, für Berlin aber offenbar noch gut genug: die Polizeipistole P6.

Quelle: Carsten Rehder/dpa

Kiel/Berlin. Die Berliner Polizei beschwert sich darüber, dass sie mit mehr als 30 Jahre alten Waffen auf Streife gehen soll.

„Die Waffen liegen abholbereit in der Polizeidirektion Eutin“, berichtet ein Sprecher des Innenministeriums. Gemeint sind genau 1139 Dienstpistolen des Modells P6 der Firma Sig Sauer. Diese Waffe gehörte über Jahrzehnte bei vielen Länderpolizeien zur Standardausrüstung, ist in Schleswig-Holstein aber mit dem Wechsel zur moderneren P99 ein Auslaufmodell. Einen solchen Waffenwechsel gibt es auch in Hamburg und Bremen. Ein großes Geschäft ist mit alten Waffen nicht zu machen. Schleswig-Holstein erhält aus Berlin einen „symbolischen Stückpreis“ von einem Euro.

 Umso größer ist der Frust bei der Polizei in der Bundeshauptstadt. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) kritisierte, die Pistole P6 entspreche nicht mehr „den Ansprüchen einer modernen Polizei und deren Sicherheitsbedürfnissen“. Der Berliner Landeschef Michael Böhl legte nach: „Wer so gespart hat, dass wir nun mit alten, gebrauchten und nicht mehr produzierten Schusswaffen für einen Euro ausgerüstet werden, dem scheint unser Leben kaum einen Cent wert zu sein.“

 Der Berliner Senat wies die Kritik zurück. Polizeisprecher Neuendorf betonte, dass man mit der Übernahme der Pistolen mögliche Engpässe in der Zukunft verhindern wolle. Die Waffen seien technisch einwandfrei und könnten abgenutzte Dienstwaffen (in Berlin die P6) ersetzen.

 Schützenhilfe bekamen die Kritiker des ungewöhnlichen Waffendeals von der FDP-Landtagsfraktion in Kiel. „Es ist schon reichlich fragwürdig, dass Schleswig-Holstein an die Berliner Polizei Ein-Euro-Waffen verkauft“, meinte der Innenpolitiker Ekkehard Klug. „Das heißt entweder, Schleswig-Holstein verkauft diese Dienstpistolen für den Preis von Radiergummis und damit deutlich unter Wert, oder wir verschieben nutzlosen Schrott an die Berliner Kollegen. Das allerdings wäre nicht nur extrem unkollegial, sondern auch rücksichtslos.“

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