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Albig spricht Landwirten Mut zu

Landesbauerntag Albig spricht Landwirten Mut zu

Sorge um die Zukunft der Landwirtschaft: „Die Identität unseres Landes ist zutiefst von denen geprägt, die das Land pflegen und den Acker bestellen“, sagte Ministerpräsident Torsten Albig am Freitag auf dem Landesbauerntag in Rendsburg, dem politischen Höhepunkt während der Norla.

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Er will Landwirte im Kampf um Akzeptanz und ein besseres Image unterstützen: Ministerpräsident Torsten Albig hielt eine kämpferische Rede.

Quelle: Uwe Paesler

Rendsburg. Zu 97 Prozent sei Schleswig-Holstein ländlicher Raum, 70 Prozent der Landesfläche würden landwirtschaftlich genutzt. Gemeinsam müsse deshalb nach Wegen gesucht werden, um Landwirtschaft wieder zukunftsfähig zu machen. „Dabei werde ich Sie nach Kräften unterstützen“, rief er den Landwirten in der Deula-Halle in Rendsburg zu.

 Wesentlich sei dabei aber, sich nicht weiter mit Großkonzernen messen zu wollen, die die Preise landwirtschaftlicher Erzeugnisse auf dem Weltmarkt bestimmen würden. „Gemeinsam müssen wir deshalb versuchen, mit neuen Ansätzen neue Märkte zu organisieren, darüber müssen wir konstruktiv streiten“, sagte der Ministerpräsident. Die Gesellschaft wolle einen anderen Pflanzenschutz und Bio-Tierhaltung, aber oftmals nicht mehr für diese Produkte bezahlen: „Das ist eine Bigotterie, die es so nur in Deutschland gibt.“

 Wenn die Agrarkrise mit Milchpreisen um 22 Cent pro Kilogramm oder niedrigen Schweine- oder Getreidepreisen weiter anhalte, dann „kommen wir in schweres Fahrwasser“, betonte der SPD-Politiker, der mehrfach in seiner Rede auf die bäuerlichen Vorfahren in seiner Familie verwies. Dabei dürfe es jetzt weder den idealisierten Blick auf frühere Tierhaltung noch eine Perspektive wie die Massentierhaltung mit bis zu 50000 Stück Vieh pro Betrieb wie in den USA geben. Etwa 13000 Betriebe, davon 3700 Milchbauern, gibt es derzeit noch in Schleswig-Holstein. Die familiäre Höfe-Struktur sei aber essenziell für den Norden: „Sonst gibt es nur noch Schlafdörfer und niemand engagiert sich mehr in der Feuerwehr oder der Gemeindevertretung.“ Eine bäuerliche Landwirtschaft habe das Wohl von Tieren und die Behandlung von Bodenfläche besser im Blick als eine industrielle Landwirtschaft, betonte Albig. Deshalb wolle die Landesregierung beispielsweise künftig verstärkt Schulklassen durch Hofbesuche mit der Realität von Landwirtschaft vertraut machen, zudem besondere Leistungen von Landwirten als Landschaftspfleger verstärkt honorieren.

 Zuvor hatte Werner Schwarz, Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein, auf die Sorgen seiner Berufskollegen aufmerksam gemacht: „Um Kosten zu senken, drehen wir inzwischen an jeder nur erdenklichen Schraube.“ Diese ginge nicht zur Lasten der Tiere und der Umwelt, aber zur Lasten der Familien. Deshalb müsse die hohe Zahl der Vorschriften schleunigst auf ökonomische Auswirkungen untersucht werden, „das ist unser Wettbewerbsnachteil“, sagte Schwarz.

 Zudem müsse hinterfragt werden, ob es in Zeiten der Flüchtlingsdramatik nicht drängendere Themen gebe als die Frage, „ob nun die Kuh oder der Porsche mehr Kohlendioxid erzeugt“. Die Landwirte wollten sich jedoch der mit den Verbrauchern und Kritikern geführten Diskussion stellen: „Wir versprechen schon heute, dass wir in zehn Jahren noch tiergerechter, umweltfreundlicher und dabei immer noch erschwinglich produzieren werden.“ Konkrete Forderungen stellte Schwarz an Landwirtschaftsminister Robert Habeck, Landesflächen der Stiftung Naturschutz für Feldversuche zu nutzen: „Machen Sie es uns vor, wie die von der Gesellschaft geforderten Veränderungen funktionieren sollen. Wir werden bei Erfolg folgen.“

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Ein Artikel von
Jan von Schmidt-Phiseldeck
Wirtschaftsredaktion

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