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Jugendliche erobern das Landeshaus

Landeshauptstadt Jugendliche erobern das Landeshaus

Sie wollen etwas bewegen und mischen sich gerne ein: Etwa 80 Jugendliche aus ganz Schleswig-Holstein haben am vergangenen Wochenende den Landtag in Kiel bevölkert und Politik gemacht.

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80 Jugendliche debattierten am Wochenende den Kieler Landtag. Die Nachwuchspolitiker erarbeiteten jede Menge Anträge, die sie nun an die echten Landespolitiker weiterreichen wollen.

Quelle: Sonja Paar

Kiel. Die meisten Teilnehmer des „Jugend im Landtag“-Wochenendes sind im Politikgeschäft alte Hasen und engagieren sich zum Beispiel in Schülervertretungen. Auch das neu gewählte Präsidium, das die Debatte am Sonntag leitet, hat sich schon mit vielen Themen beschäftigt. Lina Brandes ist die neue Präsidentin und schon seit einigen Jahren dabei. An ihrer Seite hat sie Florian Lienau und Malte Harlapp.

 „Ich glaube, ich bin der Einzige, der zum ersten Mal bei dieser Veranstaltung dabei ist“, sagt Florian Harlapp. Er ist begeistert von der Möglichkeit mit Gleichaltrigen zu diskutieren und von der Ernsthaftigkeit mit der die Debatten im Plenum geführt werden. Tatsächlich gibt es schlaue Argumente und immer jemanden, der, sobald sich ein Thema anfängt im Kreis zu drehen, mit einem konstruktiven Vorschlag punktet. In den vier Arbeitsgruppen Inneres, Recht und Mitbestimmung; Bildungssystem und Unterricht; Steuern, Soziales, Gesundheit und Umwelt; sowie Wirtschaft und Verkehr haben die Nachwuchspolitiker zuvor Anträge durchgearbeitet und vorgestellt.

 „Zum ersten Mal ist hier bei uns nicht das Thema Bildung am wichtigsten“, berichtet Lina Brandes. Die Flüchtlingsdebatte und der Terror in Paris beschäftigen die Jugendlichen. Sie verurteilen den islamistischen Terror, warnen davor, eine Religionsgemeinschaft pauschal zu stigmatisieren, und bekennen sich zu Freiheit, Offenheit und Toleranz. Der Jugendlandtag fordert eine psychologische Betreuung der Flüchtlinge und einen Winterabschiebestopp. Geht es um die eigenen Freiheiten, dann sind die Jugendlichen dafür, das Verbot öffentlicher Unterhaltungsveranstaltungen an stillen Feiertagen aufzuheben, wenn diese keinen Gottesdienst stören. Sie wollen mehr Mitbestimmung für Kinder- und Jugendvertretungen und fordern den Landtag dazu auf, alle Schulen darüber zu informieren, dass ein striktes Handyverbot, wie es in manch einer Schulordnung verankert ist, jeder rechtlichen Grundlage entbehrt.

 Etwa 40 Anträge beschließen die Teilnehmer bis in den späten Sonntagnachmittag. „Wir haben jetzt die Aufgabe diese Anträge in den Landtag einzubringen und in den verschiedenen Arbeitsgruppen vorzustellen“, erklärt Florian Lienau. Schließlich wollen die Jugendlichen nicht nur ein nettes Wochenende unter Gleichgesinnten verbringen, sondern auch etwas bewegen. Ein gutes Beispiel fällt Lienau dazu auch noch ein. „Wir haben mit unseren Anträgen zum Beispiel erreicht, dass die Abivorklausuren nicht mehr in allen möglichen Fächern geschrieben werden müssen. Das ist inzwischen im Gesetz verankert.“ Welche Anträge letztlich in der großen Politik erfolgreich durchgebracht werden können, darüber informiert das Präsidium sein Plenum im April.

 Die Anträge sind im Netz unter www.landtag.ltsh.de/service/jugend zu finden.

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