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Der Kampf gegen Internet-Betrüger

Landeskriminalamt Der Kampf gegen Internet-Betrüger

Internet-Kriminalität breitet sich im Norden drastisch aus. Die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein registrierte 2015 eine sprunghafte Zunahme an Beratungsbedarf, Beschwerden und Anfragen beim Thema „Konsumgüter und Betrug im Bereich E-Commerce“ um rund 25 Prozent gegenüber 2014.

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Alexander Hahn ist der Leiter des Kieler LKA-Dezernats 23 "Cybercrime und digitale Spuren"

Quelle: Oliver Hamel

Kiel. Das Landeskriminalamt (LKA) spricht von einem rasant wachsenden Thema, die Behörde registriert „mehr und mehr hochwertige Taten“. Deshalb rüstet das LKA nun kräftig auf.

 Nach Informationen unserer Zeitung sollen bereits in wenigen Wochen mindestens die schleswig-holsteinischen Polizeidirektionen in Kiel, Lübeck, Bad Segeberg, Flensburg, Ratzeburg und Itzehoe dauerhaft Unterstützung durch Cybercrime-Spezialisten erhalten. In welcher Größenordnung und aus welchen Ressourcen das neue Personal zur Verfügung gestellt werden soll, will das LKA allerdings noch nicht sagen.

 Erst vor einem Jahr ist in Kiel das Dezernat 23 „Cybercrime und digitale Spuren“ eingerichtet worden, zu dem bislang 26 Mitarbeiter samt sechs Spezialermittlern sowie Forensikern für Hard- und Software gehören. Dezernatsleiter Alexander Hahn sagt, dass seine Truppe zuletzt mit „immer neuen Betrugsphänomenen“ konfrontiert werde.

 In den jüngsten Monaten häufe sich betrügerischer Online-Versandhandel („Fake-Shops“), derzeit seien verstärkt Schadprogramme mit Erpressungsabsicht („Ransomware“) im Umlauf. Die LKA-Spezialisten sprechen dabei von „ungezielter Kriminalität“, da sich Internet-Betrüger ihre Opfer nicht aussuchen, sondern ihre illegalen Programme Schwachstellen auf Computern von Privatpersonen, Unternehmen und Behörden suchen lassen. Auch die illegalen Aktivitäten im sogenannten „Darknet“, einem stark verschlüsselten und anonymisierten Teil des Internets, hätten im Norden erheblich zugenommen, sagt Hahn. Dort werde zum Beispiel mit Waffen, Drogen und Falschgeld gehandelt, auch mit gestohlenen Kreditkartendaten.

 Eine wachsende Zahl von Tätern operiere von Schleswig-Holstein aus, kooperiere jedoch in oftmals komplexen Netzwerken bundesweit oder darüber hinaus. „Es gibt kein anderes Deliktfeld, das sich so schnell wandelt“, berichtet Hahn. „Aber wir sind besser, als die Leute glauben. Wir können mit unserem Gegenüber mithalten.“

 Besonders von Betrug betroffen ist in Deutschland der Bereich Online-Shopping. Gemessen an einer Studie des IT-Branchenverbandes Bitkom sind 2015 rund 2,4 Millionen Verbraucher Opfer betrügerischer Shop-Angebote geworden. Das Forschungs- und Beratungsinstitut ibi research mit Sitz an der Universität in Regensburg fand heraus, dass im vergangenen Jahr 84 Prozent der deutschen Online-Händler von Internet-Kriminellen betrogen worden sind.

 In der offiziellen Kriminalitätsstatistik taucht nur ein Bruchteil der Fälle auf: Laut aktueller LKA-Dunkelfeldstudie wurden knapp 90 Prozent der Cyber-Straftaten in Schleswig-Holstein überhaupt nicht angezeigt.

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