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Licht und Schatten bei der Inklusion

Landespolitik Licht und Schatten bei der Inklusion

Die Schulpolitiker von SPD, Grünen und SSW haben einen kräftigen Einlauf vom Landesbehindertenbeauftragten Ulrich Hase erhalten. Bei der Vorstellung seines Mehrjahresberichts (2013 bis Mitte 2015) stellte Hase klar, dass der Jubel über die hohe Inklusionsquote in den Schulen nicht berechtigt ist.

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Der Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderung Ulrich Hase stellte seinen 6. Tätigkeitsbericht vor.

Quelle: Frank Peter

Kiel. „Die Quote sagt nichts über die Qualität des Unterrichts.“ Ansonsten zog Hase eine fast durchweg positive Bilanz. Demnach hat sich die Situation der mehr als 500000 behinderten Menschen in Schleswig-Holstein weiter verbessert.

 Über die Inklusionsquote schüttelt Hase allerdings den Kopf. Nach Angaben des Bildungsministeriums besuchen derzeit 12200 Kinder mit Behinderungen (70,9 Prozent) eine Regelschule, so viele wie sonst nur in Bremen. Mit Inklusion habe das wenig zu tun, meinte Hase. Wirklich inklusiv seien höchstens zehn Prozent der Schulen aufgestellt. Beim Rest gehe es eher um Integration. Qualitätsfragen spielten eine untergeordnete Rolle.

 Hase forderte das Bildungsministerium deshalb auf, den Integrationsalltag in den Schulen genau zu untersuchen und dabei auch wichtige soziale Aspekte zu berücksichtigen: „Wie geht es Schülern mit Behinderung etwa in der Pause?“

 Die CDU-Bildungspolitikerin Heike Franzen nahm die Steilvorlage dankbar auf. „Leider gieren SPD, Grüne und SSW nur nach Quote.“ Die Koalition würde Förderschulen dicht machen, klagte Franzen. „Aber ein funktionierendes und mit ausreichendem Personal hinterlegtes Inklusionskonzept fehlt.“

 Hase, einmal in Fahrt, sprach ein weiteres Schulproblem an: „Menschen mit Behinderung brauchen auch Kontakt zu Menschen mit Behinderung.“ Das sei „ein Widerspruch“ zum Ziel der Integration, der sich aber aufheben lasse. Sein Beispiel: Das Landesförderzentrum Sehen in Schleswig biete jährlich zwei bis drei Seminare an, in denen blinde Schüler aus dem ganzen Land ihre Erfahrungen austauschen könnten. Bei diesem Angebot gebe es aber Schwierigkeiten mit der Finanzierung.

 Hase wies zugleich darauf hin, dass viele Projekte für Menschen mit Behinderung vorankommen. Wichtigstes Vorhaben ist ein Aktionsplan, mit dem das Land die UN-Behindertenrechts-Konvention umsetzen will. Solche Pläne gibt es inzwischen in allen Bundesländern außer Sachsen. Hase hofft, auf diesem Weg weitere Pfeiler einschlagen zu können, etwa für die Barrierefreiheit von Gebäuden. Als Vorbild nannte er die Kieler Kunsthalle, als schlechtes Beispiel das Schwimmbad Plön.

 Ins Visier genommen hat der Beauftragte jetzt die Hochschulen, die teils nicht für Studenten mit Behinderungen ausgelegt sind. Auch hier gehe es voran, meinte Hase mit Blick auf die Kieler Universität. Die CAU arbeite an einem Aktionsplan zu Umsetzung der UN-Konvention. Hase lobte zudem den Landtag, weil er wichtige Dokumente auch in einfacher Sprache druckt oder ins Internet stellt. Zumindest die Kernpunkte seiner Bilanz soll es auch in Einfach-Deutsch geben, in Gebärdensprache als Video und für Blinde als Sprachausgabe über die Landtags-Homepage.

 Hase, der 2014 von allen Fraktionen im Amt bestätigt worden war, ließ keinen Zweifel daran, dass er für immer mehr Schleswig-Holsteiner zuständig ist. Von den gut 2,8 Millionen Einwohnern haben 515000 eine Behinderung, davon 330000 eine schwere. Hase: „Angesichts dieser Zahlen kann man nicht mehr von einer Minderheit sprechen.“

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Ein Artikel von
Ulf B. Christen
Landeshaus-Korrespondent

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