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Chefin der Landesstelle für Suchtfragen geht

Landesstelle Chefin der Landesstelle für Suchtfragen geht

Nach 15 Jahren als Geschäftsführerin hat Regina Kostrzewa die Landesstelle für Suchtfragen LSSH verlassen. Die 50-Jährige tritt eine Professur an der Medical School Hamburg an. Zu den Beweggründen für ihren Wechsel sagte Kostrzewa, sie wolle die stetig schlechter werdenden Rahmenbedingungen in der Suchtprävention nicht weiter mittragen.

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Regina Kostrzewa (50) hört als Geschäftsführerin der Landesstelle für Suchtfragen Schleswig-Holstein auf. Sie wird Professorin an der Medical School in Hamburg.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Mit der Diplom-Pädagogin geht das letzte Urgestein der Landesstelle: Noch bevor die Landesstelle in der heutigen Form 1991 eröffnet wurde, hatte der damalige Geschäftsführer Rolf Harten Kostrzewa als Referentin für Suchtprävention geholt. Die frühe Prävention blieb auch ihr Hauptanliegen, als sie 2010 die Geschäftsführung von Bernd Heinemann übernahm. Dabei ging es vor allem um die Frage: Wie muss Prävention gemacht werden, damit sie Kinder und Jugendliche wirklich erreicht? Kostrzewa entwickelte unter anderem das Projekt „Alkohol-Checker“: Dabei geben geschulte Jugendliche ihr Wissen über Alkohol an andere Jugendliche weiter.

 Und was sind für Regina Kostrzewa nach 25 Jahren Suchtprävention die Problemfelder der Zukunft? „Nach wie vor der Alkohol, der völlig unterschätzt wird. Aber auch Cannabis und das Shisha-Rauchen, weil sehr viele Jugendliche das gar nicht als Risiko wahrnehmen. Hier droht eine neue Generation von Zigarettenrauchern, weil viele von der Wasserpfeife auf die schnellere, bequemere Zigarette umsteigen werden.“ Notwendig sei zudem die Enttabuisierung von Sucht. „Das ist ein Thema, über das noch immer nicht offen gesprochen wird.“

 Die 50-Jährige sieht aber auch Gefahren für die Suchtarbeit. „Während meiner LSSH-Tätigkeit ist das Engagement der Selbsthilfe für die suchtkranken Menschen im Land stetig gewachsen. Die Fördermittel sind aber – insbesondere durch das Wegbrechen der DRV-Nord-Mittel – rapide gesunken.“ Es werde immer schwerer, die Suchtarbeit nachhaltig zu finanzieren. Stattdessen herrsche „Projektitis“: Projekte würden oft nach langer Vorlaufzeit kurzfristig bewilligt, müssten dann schnell realisiert werden, und wenn sie dann Erfolg zeigten, laufe die Förderung aus. „Die Rahmenbedingungen stimmen zunehmend nicht mehr“, sagt Kostrzewa und hat nun die Konsequenzen gezogen: Nachdem die promovierte Pädagogin lange Jahre an der Kieler Fachhochschule und Universität gelehrt hat, wird sie jetzt als Professorin an der Medical School Hamburg den Studiengang Soziale Arbeit aufbauen.

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