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Awo will keine Rechten in ihren Reihen

Landesverband Awo will keine Rechten in ihren Reihen

Die Arbeiterwohlfahrt (Awo) Schleswig-Holstein positioniert sich öffentlich gegen Rassismus: Sie duldet keine menschenverachtenden Handlungen oder Äußerungen in seinen Reihen. Die Awo stellt sich damit als erstes Unternehmen aktiv gegen Rechtspopulismus – wohl wissend, dass die Umsetzung nicht einfach ist.

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Michael Selck, Awo-Landesgeschäftsführer, setzt auf Gespräche, sollten Mitarbeiter gegen die Grundwerte verstoßen. Er schließt im Extremfall aber auch eine Kündigung nicht aus.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Das gilt für die rund 4000 Mitarbeiter ebenso wie für die 17500 Mitglieder. Michael Selck, Geschäftsführer der Awo Schleswig-Holstein, hält das für dringend notwendig. „Wir nehmen immer stärker auch in Schleswig-Holstein Parolen wahr, die den Grundkonsens und unsere Grundwerte in Frage stellen. Rechtsextreme, menschenverachtende und demokratiefeindliche Äußerungen werden wieder salonfähig.“ Es gebe eine schleichende Aushöhlung der Demokratie. „Da müssen wir Haltung zeigen und die ist eindeutig: Mit uns geht das nicht.“

Auch im Vorstand herrsche darüber Einigkeit – nicht nur wegen der Erfahrungen im Nationalsozialismus, als die Awo bereits 1933 verboten und aufgelöst wurde, führende Mitarbeiter verfolgt und verhaftet wurden. „Wir haben auch eine Fürsorgepflicht gegenüber den vielen Menschen, die uns in Pflegediensten, Servicehäusern, Jugendhilfezentren, Erholungseinrichtungen, Kindertagesstätten und Bildungszentren anvertraut sind“, sagt Selck. Gleichzeitig betont er, dass es keinen internen Anlass für den öffentlichen Vorstoß gibt. „Ich gehe davon aus, dass alle unsere Mitarbeiter und Mitglieder unsere Grundwerte vertreten, auch außerhalb des Dienstes.“

Im Extremfall auch Kündigungen

Was aber passiert, wenn ein Mitarbeiter oder ein Mitglied doch dagegen verstößt? Dann will die Awo dem entgegentreten – zunächst mit Gesprächen. Sollte es keinen Konsens über die Grundwerte geben, würden Mitarbeiter und Mitglieder aufgefordert, sich von der Awo zu trennen. Im Extremfall kann das auch eine Kündigung bedeuten. „Wir sind uns bewusst, dass dies in jedem Einzelfall bewertet werden muss und dass die Mitgliedschaft oder Betätigung in einer zugelassenen Partei allein dafür nicht reicht.“ Grundsätzlich gebe es aber Konstellationen, in denen Kündigungen möglich seien.

Nach einem Urteil des Arbeitsgerichtes Berlin ist es Unternehmen nicht zuzumuten, Arbeitnehmer zu beschäftigen, die eine ausländerfeindliche Haltung offen zur Schau tragen. Die Freizeit hat den Arbeitgeber zwar grundsätzlich nicht zu interessieren, aber auch davon gibt es Ausnahmen. Stört ein Mitarbeiter etwa durch rassistische Aktivitäten nachweislich den Betriebsfrieden oder schädigt damit den Ruf des Unternehmens, dann sind im Einzelfall auch Kündigungen möglich, heißt es bei der Awo.

Dort hofft man, dass nun auch andere Unternehmen Farbe bekennen. Doch erste Reaktionen sind verhalten. Der Unternehmensverband Nord wollte sich dazu nicht äußern. Bei der Handwerkskammer Lübeck blieb man allgemein: „Die von der Awo zitierten Werte Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit, Solidarität und Toleranz sind Werte, die auch im Handwerk hochgehalten werden.“ Deutlicher wurde die IHK zu Kiel: „Eine klare ethisch-moralische Haltung ist der Kern jedes ,ehrbaren Kaufmanns’ - deswegen halten wir einen solchen Weg auch für die Awo als Gesamtorganisation und Arbeitgeber für konsequent“, sagte der Sprecher Michael Legband. Man werde das Papier den IHK-Gremien zur Verfügung stellen.

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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Kommentar

Die Awo will in ihrem Unternehmensverbund aktiv gegen menschenfeindliche Tendenzen vorgehen. Ist das nun ein ernsthaftes „Wehret den Anfängen“ oder ist es nur Schaumschlägerei, gar ein Werbe-Coup? Das wird der Wohlfahrtsverband noch beweisen müssen.

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