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Stalker griff Ex-Freundin mit Messer an

Landgericht Kiel Stalker griff Ex-Freundin mit Messer an

Nach monatelangen Nachstellungen lauerte der Angeklagte seiner Ex-Freundin (37) vor ihrer Wohnung in Neumünster auf und stach wie von Sinnen auf sie ein. Seit Freitag muss sich der 43-Jährige vor dem Kieler Landgericht wegen versuchten heimtückischen Mordes verantworten.

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Der 43-jährige Angeklagte äußerte sich am ersten Verhandlungstag nicht. Er soll im Juni 2015 seiner Ex-Freundin aufgelauert haben, um sie zu töten.

Quelle: Carsten Rehder/dpa

Kiel. Der Angeklagte hatte sich laut Tatvorwurf in der Nacht zum 18. Juni hinter Mülltonnen versteckt und auf die Heimkehr der Krankenschwester gewartet, die im Auto unterwegs war. Dort wollte die Mutter mehrerer Kinder, die sich schon Monate zuvor vom Angeklagten wegen dessen Gewaltausbrüchen getrennt hatte, gegen 23.45 Uhr aus ihrem Polo steigen. Mit hoch erhobener Klinge soll der Reifenmonteur auf sie zu gerannt sein und sogleich in Tötungsabsicht auf die arglose, noch im Pkw sitzende Frau eingestochen haben. Das Opfer erlitt zahlreiche Messerstiche am Kopf und ganzen Körper. Erst ein von Zeugen alarmierter Polizeibeamter konnte den Rasenden von der Frau wegreißen. Die Schwerverletzte drohte laut Anklage zu verbluten. Die akut lebensgefährlichen Stiche hatten nicht nur Schulter, Gesäß und Hände getroffen. Sie drangen auch in den Unterbauch ein, verletzten Dick- und Dünndarm sowie die Harnblase. Ein Stich durchstieß die linke Wange und verletzte die mimische Muskulatur.

Narben entstellen deshalb heute die Frau, die psychologisch betreut wird. Auch nach mehreren Operationen leidet sie nach den Worten ihres Anwalts immer noch an starken Schmerzen und Taubheitsgefühlen. Seelisch machen sich die Folgen der traumatischen Erlebnisse in Angstattacken und Schlafstörungen bemerkbar.

Zum Prozessauftakt am Freitag saß die 37-Jährige dem eher kleinen, aber muskulösen T-Shirt-Träger mit Bärtchen auf dem markant hervorstehenden Kinn als Nebenklägerin gegenüber. Seiner Attacke ging laut Anklage eine ganze Serie brutaler Nachstellungen und Überfälle voraus. Schon im Sommer 2012 soll der notorisch Eifersüchtige auf einem Waldspaziergang am Tierpark Neumünster mit dem Messer auf die damals schwangere Frau losgegangen sein. „Ich steche dir in den Bauch“, soll er gerufen haben. Die werdende Mutter konnte sich wegkrümmen, hieß es. Als sich ein Jogger näherte, ließ er von ihr ab.

"Der Staat konnte sie nicht schützen"

Leicht im Gesicht verletzt wurde die Frau, als sie im Juni 2014 den ersten gemeinsamen Sohn stillen wollte – laut Anklage die Abwehrverletzung einer weiteren Messerattacke. Nach der Trennung erlangte die Bedrohte Ende 2014 eine gerichtliche Verfügung, die dem Stalker jegliche Annäherung auf mehr als 50 Meter verbot. Doch der Angeklagte hielt sich nicht daran. Er passte die Frau immer wieder ab, verfolgte sie im Pkw, bremste sie aus, riss ihr den Kopf herum, um sie zu küssen.

Auch auf eine Freundin der 37-Jährigen, die sie zum Schutz begleitete, soll er wiederholt losgegangen sein. Einmal schlug er auf die Zeugin ein und riss ihr auf beiden Seiten die Ohrringe heraus. Beide Frauen beleidigte er mit Obszönitäten und stieß Morddrohungen aus, so die Anklage. „Der Staat konnte sie nicht schützen“, bedauert der Anwalt des Opfers – trotz aller Strafanzeigen und Kontaktverbots. Im Prozess vor der Schwurgerichtskammer, die bis Mitte März sechs weitere Verhandlungstage angesetzt hat, muss der Angeklagte mit lebenslanger Freiheitsstrafe rechnen.

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