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Schütze muss lebenslang ins Gefängnis

Versuchter Auftragsmord Schütze muss lebenslang ins Gefängnis

Ein Immobilienmakler wird in einem Haus in Nordfriesland niedergeschossen. Er überlebt schwer verletzt. Seine Frau hat den versuchten Mord nach einem Urteil des Landgerichts Flensburg initiiert. Sie wollte wohl aus einer von Gewalt geprägten Ehe entkommen.

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Im Prozess um den versuchten Auftragsmord wurden lange Haftstrafen ausgesprochen.

Quelle: Olaf Malzahn/dpa

Flensburg. Im Prozess um einen gescheiterten Auftragsmord sind zwei Männer und die Ehefrau des Opfers am Donnerstag vom Landgericht Flensburg zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Es ging um einen Immobilienmakler, der im September 2014 in einem leerstehenden Haus mit mehreren Schüssen niedergestreckt worden war. Er überlebt schwer verletzt, erinnert sich aber an nichts. Monate später wurden drei Verdächtige festgenommen, darunter die Ehefrau.

Die Ehefrau sowie zwei Männer wurden nun vom Landgericht Flensburg wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Der Schütze muss lebenslang ins Gefängnis. Der Mittelsmann wurde zu einer Haftstrafe von zehn Jahren verurteilt, die Frau als Initiatorin der Tat zu zwölf Jahren Gefängnis.

Der Staatsanwalt hatte in seinem Schlusswort lebenslange Haftstrafen für alle Angeklagten gefordert. Die Verteidiger hatten in ihren Plädoyers Mordabsichten bestritten. Sie kündigten nach der Urteilsverkündung an, Revision einzulegen.

Der Fall sei außerordentlich komplex, sagte die Vorsitzende Richterin. Sie nahm sich mehr als zwei Stunden Zeit, das Urteil der Schwurgerichtskammer zu begründen. Die Kammervorsitzende schilderte, wie sich das Paar kennenlernte — sie arbeitete als Prostituierte, er war ihr Kunde. Sie zog zu ihm nach Husum, die Hochzeit folgte wenige Monate später. Nach einiger Zeit wurde der Mann gewalttätig, schlug seine Frau. Wie oft sei nicht feststellbar.

Das Eheverhältnis sei auch nicht die ganze Zeit über angespannt gewesen. Nach Ansicht des Gerichts habe die Frau aber aus der gewalttätigen und demütigenden Ehe fliehen wollen. Sie übertrieb die Darstellung der häuslichen Gewalt gegenüber einem der Mitangeklagten, mit dem sie einen „Flirt mit sexueller Komponente“ gehabt hatte, ohne dass es zum Geschlechtsverkehr gekommen ist, wie die Richterin sagte.

Die Frau habe ihren Bekannten gebeten, ihr bei der Beseitigung ihres Gatten zu helfen, so die Überzeugung des Gerichts. Der Mann habe ihr zu verstehen gegeben, dies nicht selbst tun zu wollen. Aus Mitleid mit der Frau habe er sich aber auf ihre Bitte hin auf die Suche nach einem möglichen Schützen gemacht. Er sei „das die Tat erst ermöglichende Bindeglied“ gewesen. Er habe einen jungen Mann gefunden, der für 30 000 Euro als Schütze fungieren wollte und er habe die Tatwaffe besorgt. Auch die Kommunikation habe er übernommen, Frau und Schütze hatten demnach keinen Kontakt.

Arg- und Wehrlosigkeit bewusst ausgenutzt

Der junge Mann sollte eine Kaufabsicht für das leerstehende Haus in Rantrum vortäuschen. Die Ehefrau verabredete einen Termin mit ihrem Mann, der das Haus makelte. Der Makler ging laut Richterin ohne böse Ahnungen zu dem Treffen. „Sie haben dessen Arg- und Wehrlosigkeit bewusst ausgenutzt“, sagte die Vorsitzende an die Angeklagten gewandt. Der Mann sei ohne böse Ahnungen daher vor dem vermeintlichen Kaufinteressenten die Treppe hinauf gegangen. Dann sei ihm von hinten in den Rücken geschossen worden. Als der Revolver nach fünf Schüssen versagt habe, sei der Angeklagte in Panik geflohen, ohne sich um sein Opfer zu kümmern. Der Niedergeschossene „überlebte nur dank des Zusammentreffens mehrerer glücklicher Umstände“, sagte die Kammervorsitzende.

Bei allen drei Angeklagten stellte die Kammer das Mordmerkmal der Heimtücke fest. Der Schütze habe darüber hinaus auch das Mordmerkmal der Habgier erfüllt. Die anderen Angeklagten hatten andere Motive: Die Frau suchte nach Überzeugung der Kammer vor allem einen Ausweg aus ihrer Ehe, der Mittelsmann handelte aus Mitleid, also einem altruistischen Motiv, mit seiner Bekannten. Bei dem Schützen sei dies anders: Die Kammer verkenne nicht, dass er die Tat nicht geplant habe, aber er sei nicht nur die Spielfigur anderer gewesen, sondern habe persönlich einen entscheidenden Tatbeitrag geleistet. „Er war im wahrsten Sinne des Wortes bereit, für Geld über Leichen zu gehen.“

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