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Doppelmörder von Haale verurteilt

Lebenslänglich Doppelmörder von Haale verurteilt

Lebenslange Haftstrafe in einem Indizienprozess: Ein 29-Jähriger ist wegen Mordes an zwei Frauen verurteilt worden. Die Frauen waren in einem Pferdestall im Kreis Rendsburg getötet worden. Das Gericht bescheinigte dem Angeklagten eine „erstaunliche Emotionslosigkeit“.

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Auf diesem Hof in Haale hat sich offenbar der heimtückische Doppelmord abgespielt.

Quelle: Wolfgang Runge/dpa

Kiel. Gut ein Jahr nach einem brutalen Mord an zwei Frauen auf einem Pferdehof in Haale (Kreis Rendsburg-Eckernförde) hat das Kieler Landgericht den Angeklagten zur Höchststrafe verurteilt. Die Kammer sprach eine lebenslange Freiheitsstrafe aus und sah eine besondere Schwere der Schuld. Die Richter hielten es in dem Indizienprozess für erwiesen, dass der den 29 Jahre alte Automechaniker aus Beringstedt (Kreis Rendsburg-Eckernförde) im November 2014 die 57-jährige Hofbesitzerin und ihre 83-jährige Mutter kaltblütig und hinterrücks tötete. Er habe zur Verdeckung einer Straftat und heimtückisch gehandelt. Der Angeklagte kann aufgrund des Urteils nicht nach 15 Jahren auf Bewährung aus der Haft entlassen werden.

Angeklagter hatte Lügengebäude errichtet

Hintergrund des Gewaltverbrechens war demnach, dass die Hofbesitzerin dem hoch verschuldeten Angeklagten 7900 Euro für einen gebrauchten Transporter zahlte, diesen aber nie erhielt. Der Angeklagte fand immer wieder neue Ausflüchte, sie verlor die Geduld, sagte der Vorsitzende Richter in der über zweistündigen Urteilsbegründung. Um ihr Geld zurück zu bekommen, hätte sie den 29-Jährigen angezeigt. Deshalb habe er sie getötet. Der Angeklagte habe angesichts seiner desolaten finanziellen Lage mit dem Rücken zur Wand gestanden. „Eine Anzeige hätte sein Lügengebäude zum Einsturz gebracht. Sie musste weg und mit ihr die Mutter.“

Vor dem Doppelmord auf dem Hof habe der 29-Jährige noch einen Pferdeanhänger repariert. Dann habe er der Hofbesitzerin möglicherweise vorgespielt, dass er den Transporter holen wolle. Doch er „kehrte zurück, um sie zu töten“, sagte der Vorsitzende. Eine Schusswaffe habe er mitgebracht. Sie wurde bisher nicht gefunden. Dem Urteil zufolge schoss der Angeklagte der 57-Jährigen erst in den Rücken. Sie versorgte gerade ihre Pferde. Dann schoss er ihr noch durch den Hals. Der 83-jährigen Mutter, die in ihren Pantoffeln hinzueilte, durchtrennte er von hinten die Kehle und schoss ihr in den Kopf. Dann überschüttete er nach Überzeugung des Gerichts die Leichen mit Stroh und Benzin und zündete sie an.

Besonders hinterhältiger Mord

Den Charakter des Angeklagten beschrieb der Vorsitzende als hinterhältig. Er habe sich darin gefallen, „den Eindruck einer gewissen Trantütigkeit zu erzeugen“, sagte er. Doch der Angeklagte habe sein soziales Umfeld, vor allem aber seine Geschäftspartner ausgenutzt und dreist hintergangen. Dabei habe er ausgesprochen effizient gehandelt – etwa um über 60 000 Euro Versicherungssumme für einen angeblichen Einbruch in seine Werkstatt zu erhalten.

Imponierend sei auch die erstaunliche Emotionslosigkeit des Angeklagten während der Hauptverhandlung, sagte der Richter. Das aber spreche nicht gegen seine Täterschaft, sondern sei „eine Nachvorneverteidigung, mit der er sich aus der Schusslinie bringen will“. Das Urteil stützt sich auf eine Vielzahl von Indizien, die nach Auffassung des Gerichtes keine Zweifel an der Täterschaft des Mannes zuließen. Die Verteidigung, die auf Freispruch mangels Beweisen plädiert hatte, kündigte Revision an.

Der Richterspruch folgte weitgehend den Strafanträgen von Staatsanwalt und Nebenklage. Sie hatten ebenfalls auf lebenslange Haft sowie eine besondere Schwere der Schuld plädiert. Anders als der Staatsanwalt sah das Gericht jedoch nicht das Mordmerkmal Habgier. Bei dem Angeklagten stehe die Verdeckungsabsicht im Vordergrund. Der Angeklagte schwieg im Prozess. In früheren Aussagen hatte er die Tat bestritten.

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Doppelmord in Haale
Foto: Im Prozess im den Mord an zwei Frauen auf einem Pferdehof in Haale hat die Staatsanwaltschaft lebenslange Haft für den Angeklagten gefordert.

Im Prozess um den Doppelmord an zwei Frauen auf einem Pferdehof in Haale hat der Staatsanwalt am Mittwoch lebenslange Haft für den Angeklagten gefordert. Der 29-Jährige leugnet die Tat.

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