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Zweiklassengesellschaft im Sport

Lehrer schlagen Alarm Zweiklassengesellschaft im Sport

Die Sportlehrer im Land schlagen Alarm. Die Schere zwischen motorisch starken und schwachen Kindern klafft immer stärker auseinander. Die motorische Leistungsfähigkeit hängt offenbar deutlich vom sozialen Status der Familie ab. Und: Stadtkinder sind häufiger motorisch auffällig als Kinder auf dem Land.

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Achim Rix Vorsitzender des Sportlehrerverbandes.

Quelle: hfr

Kiel. Beim Sportlehrertag heute in Kiel geht es deshalb nicht nur um Fortbildung, sondern in einer öffentlichen Veranstaltung auch um den Stellenwert des Sportunterrichts.

 „Wir beobachten im Sport eine Tendenz zur Zweiklassengesellschaft: auf der einen Seite diejenigen, die sich bewegen, und auf der anderen Seite die, die das nicht tun“, mahnt Achim Rix, Vorsitzender des Deutschen Sportlehrerverbandes Schleswig-Holstein (DSLV). Auch die KiGGS-Studie des Robert-Koch- Instituts zeigt, dass jedes vierte Kind von drei bis zehn Jahren nur unregelmäßig und jedes achte Kind nie in der Freizeit Sport treibt. Diese Kinder kommen überproportional oft aus Familien mit niedrigem Sozialstatus oder Migrationshintergrund. Mädchen sind häufiger betroffen als Jungen. Auf der anderen Seite steht das Drittel der Kinder, die mindestens dreimal Sport pro Woche treiben. Diese Schere setzt sich bei Jugendlichen fort. Die Studie fordert daher dringend Sportangebote speziell für die inaktiven Kinder und Jugendlichen.

 Der Schulsport ist für Achim Rix daher so wichtig wie nie: „Denn nur dort erreicht man alle Kinder und Jugendlichen. Er sollte zu einem lebenslangen Sporttreiben motivieren und so die wissenschaftlich nachgewiesen positiven Effekte von Sport für alle nutzbar machen.“ Der Sportlehrerverband fordert drei obligatorische Wochenstunden Sportunterricht.

 Für den Sportmediziner Prof. Burkhard Weisser von der Kieler Universität wäre es schon ein Fortschritt, wenn Sport nicht mehr als erstes ausfallen würde und Eltern bei Stundenkürzungen den Sport nicht länger als am ehesten verzichtbar einstufen würden. Die Bedeutung des Sports für die Gesamtentwicklung und für die Leistungsfähigkeit der Kinder in anderen Schulfächern werde noch immer unterschätzt. So sei in den USA nachgewiesen worden, dass rein körperliches Training auch die Noten in anderen Fächern verbessere. „Wir selbst“, sagt Weisser, „haben bei Achtklässlern die Konzentrationsfähigkeit in den ersten und sechsten Stunden untersucht und festgestellt: An Tagen mit Sportunterricht war die Konzentrationsfähigkeit in der 6. Stunde besser als an Tagen ohne Sportunterricht.“

Vorstellung der KiGGS-Studie und Diskussion: Dienstag, 29. September, 15.45 bis 18 Uhr, Sportforum Kiel, Olshausenstraße 74 (Hörsaal 108 ISW)

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