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Flüchtlinge: Das Bild der Frau

Leserfragen Flüchtlinge: Das Bild der Frau

Wenn Flüchtlinge in Schleswig-Holstein ankommen, prallen im Alltag zwei Welten aufeinander. Es haben sich vor allem junge Männer aus Ländern auf den Weg gemacht, in denen sie mehr Rechte als Frauen haben. In Erstaufnahmeeinrichtungen, beim Sprachunterricht, bei der Polizei, in Kliniken oder in ehrenamtlichen Initiativen treffen sie hier auf Frauen in Entscheidungspositionen.

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Pistor-Hatam und Hübner plädieren dafür, die geflohenen Frauen mehr wahrzunehmen und spezielle Angebote für sie zu entwickeln.

Quelle: Felix Kästle/dpa

Kiel. Was sollten wir akzeptieren, was nicht? Wie groß Ängste über ein sich veränderndes Frauenbild sind, spiegelte die Aufregung über ein angeblich verhängtes Minirock-Verbot an einer bayerischen Schule im Sommer wider: Mit Blick auf ein benachbartes Flüchtlingsheim hatte die Schulleitung Eltern gebeten, auf eine angemessene Kleidung zu achten: „Durchsichtige Tops oder Blusen, kurze Shorts oder Miniröcke könnten zu Missverständnissen führen.“ Nie habe man damit Kleidervorschriften verhängen wollen, verteidigte sich die Schule, sondern sensibilisieren für zwei verschiedene Kulturen.

 Eine solche Verordnung ginge der Islamwissenschaftlerin und Vizepräsidentin der Kieler Universität, Prof. Anja Pistor-Hatam, viel zu weit: „Wir müssen Flüchtlingen klar machen, was bei uns Konsens ist. An das Grundgesetz müssen sich alle halten. Flüchtlinge müssen akzeptieren, dass ihnen auch Frauen sagen, was sie zu tun haben.“ Dass sie Probleme haben, einer Frau die Hand zu geben, könne man dagegen nachvollziehen: Hier gehe es um eine andere Vorstellung von Intimsphäre und Berührungen.

 Klare Grenzen ziehen und den Flüchtlingen frühzeitig die Regeln der deutschen Lebensweise erklären, hält sie für unbedingt notwendig. Eine Einsicht, die sich bundesweit durchsetzt: Der syrische Wirtschaftsforscher Ameen Alkutainy und der deutsche Kommunikationsberater Nikolaus von Wolff machen derzeit Furore mit ihren 99 Tipps für Flüchtlinge – mit der Aussage „Wir schaffen das“ von Bundeskanzlerin Angela Merkel als Titel. In dem Ratgeber heißt es zum Beispiel: „Es wird als stark diskriminierend empfunden, wenn Sie die Zusammenarbeit mit Frauen verweigern.“ Und „Sagen Sie niemals zu einer Frau: Ich möchte aber bitte mit einem Mann sprechen.“ Aber auch an ihre Landsleute appelliert Pistor-Hatam, Flüchtlingen nach ihren eigenen Vorstellungen zu fragen und sie nicht alle über einen Kamm zu scheren. Die meisten kommen aus Syrien, einem heterogenen Land mit unterschiedlichen Religionen. Emanzipierte Frauen in Führungspositionen gebe es dort ebenso wie Frauen mit Ganzkörperverschleierung.

 Idun Hübner von der Zentralen Bildungs- und Beratungsstelle für Migranten und Migrantinnen in Schleswig-Holstein (ZBBS) sieht überhaupt keine Probleme im Umgang zwischen männlichen Flüchtlingen und Frauen: „Die Männer behandeln die Mitarbeiterinnen sehr respektvoll.“

 Pistor-Hatam und Hübner plädieren dafür, die geflohenen Frauen mehr wahrzunehmen und spezielle Angebote für sie zu entwickeln. Zusammen mit dem Verein „Create Future“ hat die Beratungsstelle eine Art Frauengruppe organisiert. Jetzt sind sie dabei, Begegnungsorte noch vor dem Winter zu finden, mit dem Plan, einen Wochentag nur für Frauen zu reservieren. „Der einfachste Weg, Vorurteile abzubauen, ist es, sich kennenzulernen. Es sind tolle Menschen, die zu uns kommen“, verweist sie auf positive Erfahrungen in Kulturprojekten mit Männern wie Frauen.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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