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Linden retten oder Flaniermeile bauen?

Lübeck Linden retten oder Flaniermeile bauen?

In Lübeck wehren sich Umweltaktivisten gegen die Umgestaltung der Untertrave für knapp 16 Millionen Euro. Jetzt soll ein Bürgerbegehren Klarheit schaffen.

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Die Lübecker Untertrave soll ein neues Gesicht bekommen.

Quelle: Visualisierung Tonio Trüper

Lübeck. Die Umgestaltung der Untertrave in Lübeck soll ein Prestigeprojekt werden und die Altstadtinsel der Hansestadt nachhaltig aufwerten. Obwohl der Löwenanteil des knapp 16 Millionen Euro teuren Vorhabens durch Fördergelder von EU und Land finanziert ist, droht dem Projekt möglicherweise das Aus. Verantwortlich ist ein Aktionsbündnis, das mit einem Bürgerbegehren den Erhalt von 48 Linden durchsetzen will. Bäume, die laut Expertengutachten kurz vom Ende ihrer Lebenszeit stehen.

 Seit Monaten behakeln sich die Lager. Auf der einen Seite: die lokale Wirtschaft, die Touristiker, weite Teile der Bürgerschaft nebst Bürgermeister. Auf der anderen Seite: eine Gruppe von etwa 30 Aktivisten, die die Abholzung der Bäume um jeden Preis verhindern will. Mit gegenseitigen, teils rauen Schuldzuweisungen und Unterstellungen wurde und wird nicht gegeizt. Bisheriger Höhepunkt der Eskalation ist nun eine Unterschriften-Sammlung, die die Aktivisten des Bündnisses „Lübecks Linden leben lassen“ initiiert haben – und für ihr Ziel „nehmen wir es in Kauf, dass sich die Umgestaltung der Untertrave schlimmstenfalls noch ein paar Jahre verzögern wird“, sagt Katja Mentz. Die Grünen-Politikerin lässt sich und ihren Mitstreitern nicht den „Schwarzen Peter“ zuschieben: „Hätte die Verwaltung von Anfang an ordentlich gearbeitet und die Bürger anständig informiert, wäre es erst gar nicht so weit gekommen.“

 2003 hatten sich die Stadtvorderen erstmals mit einer Umgestaltung der Untertrave zur Flaniermeile beschäftigt. Binnen zehn Jahren wuchs ein modernes, dennoch ins historische Altstadtbild passendes Konzept heran. „Wir haben dabei stets die Bürger und ihre Interessen berücksichtigt“, beteuert Bürgermeister Bernd Saxe (SPD). Parallel seien Fördermittel auf allen Ebenen, aus Landesmitteln wie EU-Töpfen, akquiriert worden. „Gut 40 Jahre lag dieser Bereich brach, entsprechend ist dieser Bereich wenig einladend, obwohl es eine eigentlich wunderschöne Ecke sein könnte“, argumentiert er.

 Nach Fertigstellung des Hansemuseums 2015 wollte die Bürgerschaft nun den Lückenschluss angehen. Von den 15,6 Millionen Euro Gesamtkosten muss die Stadt nur knapp vier selbst aufbringen. „Trotz leerer Kassen haben wir die Mittel im Haushalt eingestellt“, berichtet Saxe, räumt aber ein, auch unter Zugzwang zu stehen. „Ein Teil der Fördergelder würde verfallen, wenn wir nicht noch in diesem Herbst mit dem Projekt starten.“

 Der Start aber ist in akuter Gefahr: Streitpunkt sind 48 Winterlinden, die zwischen Obertrave und Hansemuseum am Uferrand stehen und nach Plänen der Architekten weichen müssen. „Nicht ersatzlos, das Konzept sieht die Anpflanzung von 60 neuen Bäumen vor“, betont Saxe. Leichtfertig geopfert würden die Linden nicht: „Ein unabhängiges Gutachten hat ergeben, dass die 40 bis 45 Jahre alten Bäume nur noch eine Restlebensdauer von acht bis zehn Jahren haben, und schon jetzt zu mickrig sind, weil sie ihre Wurzeln nicht ausreichend ausbilden konnten.“

 Das glaubt Katja Mentz vom Aktionsbündnis nicht: „Unabhängige Baumgutachter haben uns gesagt, dass dies Blödsinn ist. Winterlinden sind außerordentlich widerstandsfähig.“ Ihre Mission stehe fest: Linden erhalten und Architektenpläne entsprechend modifizieren.

 Nach monatelangem Hick-Hack soll es nun ein Bürgerbegehren richten: Bis 15. September wollen die Aktivisten 8000 Unterschriften sammeln, um die Verwaltung zu einem Bürgerentscheid oder einem Einlenken des Stadtparlaments, die Pläne doch noch einmal zu überarbeiten, zu zwingen.

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Lübeck
Foto: Sollen bleiben: Die Linden an der Lübecker Untertrave.

Die Linden an der Lübecker Untertrave bleiben erhalten. Bei einem Bürgerentscheid stimmten am Sonntag 20.659 Wähler für den Erhalt der 48 Winterlinden. Das entspricht 50,3 Prozent der abgegebenen Stimmen von knapp 178.000 Abstimmungsberechtigten.

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