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Eine "Seekuh" gegen Plastikmüll im Meer

Werft baut Sammelschiff Eine "Seekuh" gegen Plastikmüll im Meer

Zwei Rümpfe und ein Netz dazwischen — ein Katamaran mit dem Namen „Seekuh“ soll weltweit vor den Küsten Plastikmüll einsammeln. Gebaut wird diese „Müllabfuhr der Meere“ auf einer Werft in Lübeck. Plastikmüll im Meer ist ein ernstes Problem. Darauf weisen Wissenschaftler und Umweltschutzorganisationen seit Jahren hin.

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 Günther Bonin, Vorsitzender des Umweltschutz-Vereins "One Earth - One Ocean", steht auf einer Werft in Lübeck neben dem Rohbau eines Rumpfes für das Müllsammelschiff "Seekuh". Der Katamaran entsteht Im Auftrag des Vereins «One Earth - One Ocean» auf der Werft «Yacht Trave Schiff GmbH» gegenüber der Lübecker Altstadt.

Quelle: Christian Charisius/ dpa

Lübeck. Auf einer kleinen Lübecker Werft entsteht derzeit ein Schiff, dass helfen soll, die Menge des im Meer treibenden Plastikabfalls zu reduzieren. Im Auftrag des Vereins „One Earth — One Ocean“ wird auf der Werft „Yacht Trave Schiff GmbH“ gegenüber der Lübecker Altstadt der Katamaran „Seekuh“ gebaut. „Von Sommer 2016 an soll die Seekuh als Müllabfuhr der Meere im Einsatz sein“, sagt der Vorsitzende von „One Earth — One Ocean“, Günther Bonin.

Er hat das Schiff zusammen mit dem Kieler Ingenieur Dirk Lindenau und der Werft entwickelt. „Zwischen den jeweils zwölf Meter langen Rümpfen wird eine bewegliche Netzkonstruktion angebracht. Damit fischen wir an der Wasseroberfläche treibende Kunststoffteile ab, während sich der Katamaran mit einer Geschwindigkeit von etwa zwei Knoten, also knapp vier Kilometern pro Stunde übers Wasser bewegt“, sagt Bonin. Angetrieben werden soll der Katamaran durch Solarenergie.

Rund 250 000 Euro Kosten

Eine besondere Herausforderung für die Schiffbauer ist die Vorgabe, dass der Katamaran zerlegbar sein muss. „Seine acht Module können in Container verpackt und so an jeden Ort der Erde gebracht werden“, sagt Lindenau. Pro Fahrt kann die „Seekuh“ rund zwei Tonnen Müll aufnehmen, der dann an Land recycelt werden soll. „Der Katamaran ist hauptsächlich für den Einsatz in Küstennähe und auf Binnengewässern gedacht, denn die Netze reichen nur etwa drei bis vier Meter tief“, sagt Lindenau.

Rund 250 000 Euro kostet der Müllsammel-Katamaran. Wenn sich der Prototyp bewährt, will Bonin weitere Seekühe in Auftrag geben. „Wir sind sehr stolz auf diesen innovativen Auftrag“, sagt Werft-Geschäftsführer Till Schulze-Hagenest. Sein Unternehmen hat sich unter anderem auf den Bau von Arbeitsschiffen spezialisiert. „Der Katamaran ist eine spannende Herausforderung“, meint Schulze-Hagen

Tonnenweise Plastikmüll im Meer

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) begrüßt die Idee, große Plastikteile, den sogenannten Makromüll, aus dem Meer zu fischen. „Das Abfischen von Mikroplastik sehen wir dagegen kritisch, weil dadurch die ökologischen Grundlagen des Lebens im Meer zerstört werden können“, sagte der Meeresschutz-Experte des Nabu, Kim Cornelius Detloff. Der Verband organisiert seit Jahren die Müllsammelaktion „Fishing for Litter“, bei der Fischer den in ihren Netzen landenden Plastikmüll kostenlos in Häfen entsorgen können.

Nach Angaben von Umweltschutzorganisationen landen jährlich etwa zehn Millionen Tonnen Plastikabfälle in den Ozeanen. „Sie bilden eine große Gefahr für Seevögel und Meerestiere, die sich in Plastikteilen verheddern oder sie mit Nahrung verwechseln und verschlucken. Außerdem gelangen winzige Kunststoffpartikel, die unter anderem krebserregend sein können, in die Nahrungskette“, sagt Stephan Lutter, Meeresschutzexperte des WWF. „Von daher ist solch ein Müllsammelschiff allemal einen Versuch wert“, sagt er.

Gleichzeitig müsse man aber dafür sorgen, dass der Müll gar nicht erst ins Meer gelangt, fordert er. „Es braucht unter anderem Geld und Wissenstransfer für den Aufbau eines funktionierenden Kreislaufwirtschaftssystem in Südostasien“, sagt Lutter. Bonin plant unterdessen schon ein neues Projekt. Der „See-Elefant“ soll Plastikmüll von Land einsammeln und ihn in Energie umwandeln, sich also gewissermaßen mit dem Müll selber antreiben.

Von Eva-Maria Mester/ dpa

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