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Harter Kampf gegen das Vergessen

Mahnmal Kilian Harter Kampf gegen das Vergessen

Der Verein „Mahnmal Kilian“ feiert am Sonntag sein 20-jähriges Bestehen. Prominente Gäste haben sich zu der Feierstunde in Kiel angekündigt. Eine Genugtuung für den Vorsitzenden Jens Rönnau. Der Kunstwissenschaftler und Journalist engagiert sich seit zwei Jahrzehnten für eine lebendige Erinnerungskultur – eine Zeit mit vielen Rückschlägen.

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Tiefpunkt der Vereinsgeschichte: Im Dezember 2000 wird der einstige U-Boot-Bunker (hier: die 26 Meter lange Werkstattdecke) gesprengt.

Quelle: Volker Rebehn

Kiel. 1995 hatte Rönnau den Verein gegründet. Gemeinsam mit Kieler Bürgern verfolgte der heute 57-Jährige das Ziel, die Ruine des U-Boot-Bunkers „Kilian“ auf dem Kieler Ostufer als Mahnmal des Zweiten Weltkriegs zu erhalten. „Schon damals gab es Ambitionen, das eingetragene Kulturdenkmal abzureißen“, berichtet Rönnau. Das wollten seine Mitstreiter und er um jeden Preis verhindern: „Speziell für jüngere Generationen sind solche Ruinenstätten wichtige Orte, um authentisch und ungeschönt ein Stück vergangener Kriegswahrheit vermitteln zu können“, argumentiert der Wissenschaftler.

 Doch das allein war es nicht, weshalb die Vereinsmitglieder mit Vehemenz für den Erhalt der „Kilian“-Trümmern kämpften: Hunderte Zwangsarbeiter waren an dieser Stelle zum Bau der NS-Anlage gezwungen worden. „Zudem ist der Bunker ein Grab, da ein U-Boot in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs von einer Bombe getroffen wurde“, sagt Rönnau. Von der acht Mann starken Besatzung gelang es nur drei Soldaten, sich lebend aus dem U-Boot zu retten. Die übrigen fünf Mann starben, wurden allerdings nicht aus dem Wrack, das in nur acht Metern Tiefe liegt, geborgen. „Die Alliierten sprengten den U-Boot-Bunker am 25. Oktober 1946, seither liegt das Wrack unter Massen von Beton begraben“, so der Vereinsvorsitzende.

 In Gedenken an die Toten stellte der Verein fünf Kreuze auf, organisierte Führungen zu den Bunker-Ruinen, veranstaltete gemeinsam mit der Kirche Gottesdienste, lud Künstler ein. 1999 wurden die Aktiven für ihr Engagement mit dem Deutschen Preis für Denkmalschutz ausgezeichnet, „doch all das half nichts, die wirtschaftlichen Interessen besiegelten das Schicksal des Mahnmals“, sagt Rönnau. Im Jahr 2000 wurden die Bunkerruinen gesprengt, die massiven Überreste zermörsert. „Ein eindrucksvolles Zeugnis des Kriegswahnsinns wurde für immer vernichtet“, mahnt der 57-Jährige. Bis heute bezeichnet er die Sprengung des U-Boot-Bunkers als einen „gewaltigen Fehler der Stadtvorderen“.

 Trotz des herben Rückschlags machten Rönnau und seine Mitstreiter weiter, ersteigerten 2001 für 30000 Mark den Flandernbunker. Seither steht der ehemalige Marine-Hochbunker am Ende der Kiellinie am Tirpitzhafen im Zentrum des Vereins. „Es ist gleichermaßen Begegnungs- und Bildungsstätte wie auch Museum und Mahnmal“, fasst der Journalist zusammen. Am Ziel des Vereins hat sich in 20 Jahren seither nichts verändert: „Wir wollen die Menschen gegenüber Krieg und Gewalt sensibilisieren.“ 2014 wurde der Gründer mit der Andreas-Gayk-Medaille ausgezeichnet. Anlässlich des Jubiläums am Volkstrauertag findet auch Justizministerin Anke Spoorendonk (SSW) würdigende Worte, habe der Verein „Mahnmal Kilian“ durch „sein beharrliches Eintreten gegen schnelllebiges Vergessen und leichtfertiges Verdrängen“ das Bewusstsein der Kieler für die Geschichte geschärft. „Er hat sich für das Erinnern ausgesprochen und damit der Stadt Kiel und dem Land einen wichtigen Dienst erwiesen“, so Spoorendonk.

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