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Prozess um Mord und Leichenschändung

Geständnis Prozess um Mord und Leichenschändung

Im Prozess um einen Mord und die Schändung der Leiche des Opfers hat der Angeklagte vor dem Landgericht Lübeck ein Geständnis abgelegt. Es ist nicht das erste Mal, dass er wegen Mordes vor Gericht steht. Und schon als Jugendlicher habe er Schulkameradinnen aufgelauert.

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Der Mann hat am Dienstag vor dem Landgericht Lübeck ein umfangreiches Geständnis abgelegt.

Quelle: Arne Dedert/dpa

Lübeck. Er soll eine Frau erwürgt und sich dann an ihrer Leiche vergangen haben: Bereits zum zweiten Mal muss sich ein Schleswig-Holsteiner wegen Mordes vor Gericht verantworten. Der 62-Jährige legte am Dienstag vor dem Landgericht Lübeck ein umfassendes Geständnis ab und entschuldigte sich bei den Angehörigen. Er räumte ein, im Juli 2015 eine 37-Jährige in Altenkrempe (Kreis Ostholstein) erwürgt und sich dann an ihrem Leichnam sexuell vergangen zu haben. „Ich wollte niemanden töten. Es ist einfach über mich gekommen“, sagte der Angeklagte.

Bereits 1991 hatte das Landgericht Kiel den Mann wegen Mordes in Tateinheit mit sexueller Nötigung zu 13 Jahren Haft verurteilt. Nach einer Therapie kam der Mann vor einigen Jahren wieder auf freien Fuß, lebte zuletzt in der teilstationären Wohneinrichtung einer psychiatrischen Klinik in Neustadt (Kreis Ostholstein). Alle zwei Wochen erhielt er per Spritze ein triebhemmendes Medikament. Sexuelle Fantasien hatte der Mann jedoch weiter. Seinem Arzt berichtete er davon aber nicht. Offenbar aus Angst, wieder in die geschlossene Forensik zu kommen. „Ich bin so ein Typ, der nicht viel redet.“

Am 26. Juli 2015 begegnete der 62-Jährige auf einem Weg in Altenkrempe seinem späteren Opfer. „Da kam mir der Gedanke, mit der Frau Sex zu haben. Mir gingen wieder die ganzen Bilder durch den Kopf“, sagte der Angeklagte. Er verfolgte die Frau und sprach sie schließlich an einer Autobahn-Unterführung an, fragte nach Geld. „Erst habe ich sie umarmt.“ Als sich die Frau wehrte, habe er sie in den Schwitzkasten genommen und in einen Graben gezerrt. Sie wehrte sich massiv, zerkratzte ihm das Gesicht, die Hände und schrie vor Angst.

Der Mann hielt ihr den Mund zu, würgte sie minutenlang aus Angst. „Sie hörte einfach nicht auf zu schreien“, sagte der Mann. „Ich habe sie erwürgt, weil ich Angst hatte, sie würde mich verraten.“ Nach ihrem Tod entkleidete er sein Opfer komplett und misshandelte die Leiche. Doch eine Erektion bekam er wegen des Medikaments nicht. „Unten war alles tabu, ich habe nichts gespürt. Aber die Bilder im Kopf waren noch da“, sagte er.

Schließlich ließ er von dem Leichnam ab, versteckte ihn in einem nahe gelegenen Schacht. Ihre Kleidung schmiss der Angeklagte in ein Gewässer. Erst Anfang Oktober 2015 wurden der tote Körper der Frau in der Nähe des Wanderweges zwischen Neustadt und Altenkrempe gefunden.

Nach der Tat hatte der Angeklagte wegen seiner Vorgeschichte Angst, dass „jeden Moment die Kriminalpolizei bei mir anklopfen würde“. Das Geschehene habe er bereut. „Wie konntest Du nur so einen Menschen töten“, habe er sich gefragt. Irgendwann geriet er unter Tatverdacht, auch weil die Frau ebenfalls Patientin in der Einrichtung war, in der lebte. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung fand die Polizei Schmuckstücke der Frau. Daraufhin legte er ein Geständnis ab.

Der Mann stammt aus schwierigen Verhältnissen, verließ die Schule nach mehrfachem Sitzenbleiben in der fünften Klasse ohne Abschluss. Aushilfsjobs verlor er allesamt wegen seines Alkoholkonsums.

Bereits als Jugendlicher habe er Schulkameradinnen auf dem Heimweg aufgelauert, sagte er. „Dann habe ich mich an denen sexuell vergangen.“ Wie viele Übergriffe es denn gegeben habe, will der Vorsitzende Richter Christian Singelmann von ihm wissen. Antwort: „Das waren schon ein paar, vielleicht vier, fünf.“

Nach seiner Festnahme im Oktober 2015 wurde der Mann vorläufig in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht. Der Prozess wird Mitte April fortgesetzt. Das Urteil könnte im Mai fallen.

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