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Schleswig-Holsteiner auf Patrouille in der Ägäis

Marine auf Schleuserjagd Schleswig-Holsteiner auf Patrouille in der Ägäis

Das war nicht der eigentliche Auftrag: Die Besatzung der „Bonn“ musste im Rahmen einer Nato-Mission Jagd auf Schleuser in der Flüchtlingskrise machen. Jetzt ziehen sie ein positives Fazit.

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Ein Soldat des Einsatzgruppenversorgers „Bonn“ beobachtet den Schiffs- und Bootsverkehr vor Izmir. Die Deutsche Marine führt seit Februar die Operation gegen Schleuser in der Ägäis an.

Quelle: Frank Behling

Kiel/Izmir. „Ich hatte mich ja schon auf den Besuch in Israel gefreut. Das wäre ein Höhepunkt der Fahrt geworden“, sagt Kapitänleutnant Stefanie. Die Offizierin aus Flensburg war im Januar mit dem Einsatzgruppenversorger „Bonn“ aus Wilhelmshaven ausgelaufen. 160 Frauen und Männer der Marine starteten damals zu einer Nato-Mission. Das 174 Meter lange Schiff übernahm die Rolle als Flaggschiff des Einsatzverbandes SNMG2 im Mittelmeer.

 Aber im Januar stand Europa auch im Zeichen der großen Flucht, und das holte auch die Besatzung der „Bonn“ ein. Am 26. Februar informierte Kommandant Jobst Berg seine Besatzung darüber, das der Nato-Rat den Verband in die Ägäis beordert habe. Zuvor hatten Griechenland, die Türkei und Deutschland diese Maßnahme gefordert. „Da war klar, dass es mit dem Besuch in Israel nichts mehr wird“, sagt Kaleu Stefanie.

 Der Auftrag war eng umrissen: Wasseroberfläche beobachten, Funkverkehr überwachen, Boote verfolgen. Dafür kreuzt die „Bonn“ nun in den türkisch-griechischen Grenzgewässern. Die Soldaten suchen mit Ferngläsern und Hochleistungstechnik die Wasseroberfläche ab. Gesehen haben sie in den Monaten einiges. Etliche Rettungsaktionen spielten sich in der Nähe ab. Direkt eingreifen darf die „Bonn“ aber nicht. Bevor der Nato-Verband seine Arbeit am 7. März aufnahm, wurden genaue Regeln festgelegt. „Die Informationen, die meine Schiffe sammeln, stellen wir den griechischen und türkischen Behörden und der Grenzschutzagentur Frontex zur Verfügung, damit diese gegen Schleuser, Schlepper und Migranten vorgehen können. Unser Einsatz zeigte auch sichtbare Wirkung“, sagt Flottillenadmiral Jörg Klein, der den Nato-Verband führt.

 Nach drei Monaten ziehen die „Bonn“-Soldaten ein positives Fazit. „Wir haben etwas Gutes geleistet. Wir haben dazu beigetragen, das Geschäftsmodell und die Einnahmen der Schleuser zu dezimieren“, sagt Korvettenkapitän Michael. Der gebürtige Kieler ist seit Beginn im Stab von Kommandeur Klein dabei. „Wenn durch unsere Präsenz weniger Menschen auf den lebensgefährlichen Weg übers Meer gehen, haben wir viel erreicht“, sagt der Berufssoldat, der heute in Oldenburg wohnt.

Ähnlichkeit mit dem Droiden

 Für die Aufklärung ist der Einsatzgruppenversorger „Bonn“ technisch gut gerüstet. In 35 Metern Höhe stehen auf dem Mast zwei etwa 1,20 Meter hohe graue Anlagen mit drehbaren Köpfen und kleinen runden Sensor-Öffnungen, die wie Augen aussehen. Es sind Multi-Sensor-Plattformen vom Typ MSP600 aus dem Hause Rheinmetall. „Bei uns an Bord nennen wir sie auch R2-D2, wegen ihrer Ähnlichkeit mit dem Droiden aus Star Wars“, sagt Kaleu Stefanie. Die Fähigkeiten dieser Sensorplattformen sind mit dem Spielfilm-Droiden vergleichbar. Die Linsen der MSP600 liefern gestochen scharfe Bilder und Signale.

 „Diese Systeme geben uns die Möglichkeit, das zu erkennen, was sich da draußen abspielt. Das können wir bei Tag und auch bei Nacht machen“, sagt Marco. Der Stabsbootsmann aus Neumünster ist Radarmeister in der Operationszentrale. Sein Team bedient die Augen des Schiffes und sortiert aus all den Kontakten die Fakten aus, die auf Schleuser hindeuten. „Es ist nicht immer einfach, bei all den Objekten hier“, sagt Marco und zeigt auf Segelboote und Fischer. „Kurz gefasst: Wir sichten und petzen“, sagt Stefanie. Gepetzt werden verdächtige Bootsbewegungen.

 Bis zu zehn Tage dauert eine Patrouille. Dann geht es für drei Tage in den Hafen. Oft nach Izmir. Etwas eintönig seien die Patrouillen schon, lassen die Soldaten wissen. Besonders, seit die Aktivitäten der Schleuser zurückgegangen sind, kommt es kaum noch zu Meldungen. In der vergangenen Woche wurde gerade mal ein Versuch einer Schleusung geortet, sagt Klein. Dennoch ist die Stimmung gut: „Wenn so etwas ein Problem für mich gewesen wäre, hätte ich nicht zur Marine gehen dürfen. Das ist nun einmal Seefahrt“, sagt Antriebsmeister Benjamin aus Solingen.

 Kommandant Jobst Berg richtet sich darauf ein, am 19. Juni die Heimreise antreten zu können. Dann endet auch der erste Auslandseinsatz seines Schiffes, das erst 2013 in Dienst gestellt wurde. Als Ablösung wird die Fregatte „Karlsruhe“ am 18. Juni im Einsatzgebiet Ägäis erwartet. Ein Ende dieser Mission ist noch nicht in Sicht.

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Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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