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Maßnahmen gegen Vogelgrippe werden verstärkt

Stallpflicht Maßnahmen gegen Vogelgrippe werden verstärkt

Schleswig-Holstein will mit noch strengeren Sicherheitsauflagen die weitere Ausbreitung der Vogelgrippe möglichst stoppen. So werden von diesem Donnerstag an auch für kleinere Betriebe mit weniger als 1000 Tiere strenge Anforderungen gelten, kündigte das Landwirtschaftsministerium am Montag in Kiel an.

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Die Sicherheitsmaßnahmen im Land gegen die Vogelgrippe werden erhöht.

Quelle: Roland Weihrauch/dpa

Kiel. Einen neuen Verdachtsfall auf einem Hof gebe es derzeit nicht, sagte eine Ministeriumssprecherin. Auch wenn alle Maßnahmen darauf abzielten, lasse sich ein neuer Fall nicht ausschließen.

Bis zum Morgen waren sämtliche 30 000 Hühner eines von der Geflügelpest betroffenen Betriebs bei Schleswig getötet worden. Der Zuchtbetrieb für Bruteier war bundesweit die erste Massentierhaltung, die von der aktuellen Vogelgrippe-Epidemie betroffen ist. Der Bestand des Betriebs in Grumby war mit dem aggressiven Geflügelpest-Virus H5N8 befallen. Der Sender NDR 1 Welle Nord berichtete, die Hühner seien per Stromschlag in einem Wasserbecken getötet worden.

In Dänemark wurden mehrere hunderttausend Eier aus dem Betrieb am Montag vorsichtshalber vernichtet. Die 300 000 Eier waren an eine Brüterei im dänischen Baekke in der Nähe von Kolding geliefert worden. „Sie sind nicht getestet worden“, sagte ein Sprecher der Lebensmittelbehörde der Deutschen Presse-Agentur am Montag. „Wir vernichten sie nur zur Sicherheit.“ Spätestens am Dienstag sollten alle Eier entsorgt sein.

Auch Dänemark ordnete - wie schon Schleswig-Holstein - jetzt eine Stallpflicht für Geflügel an. Die gelte ab Dienstag, teilte die dänische Lebensmittelbehörde mit. „Enten, Gänse und Wildvögel sind aber ausgenommen, weil sie nicht drinnen gehalten werden können.“ Die Anordnung gilt sowohl für Hobbyhalter als auch für professionelle Geflügelzüchter.

Zu den ab Donnerstag in Schleswig-Holstein geltenden „Biosicherheitsmaßnahmen“ auch für kleinere Betriebe gehört, in Ställen gesonderte Schutzkleidung inklusive Schuhwerk tragen zu müssen. Transportmittel wie Fahrzeuge und Behältnisse sind nach jeder Verwendung unmittelbar zu reinigen und zu desinfizieren. Große wie kleine Geflügelhaltungen müssen vor den Eingängen zu den Stallungen Matten oder Wannen zur Schuhdesinfektion einrichten, Personen müssen unmittelbar vor Betreten des Stalls Hände waschen und desinfizieren, Hunde und Katzen sind von den Stallungen fernzuhalten.

Mit den Maßnahmen geht das Ministerium über die Vorgaben aus der Geflügelpest-Verordnung des Bundes hinaus. Das sei aber erforderlich, um das Risiko der weiteren Ausbreitung der Geflügelpest zu minimieren, erklärte die Ministeriumssprecherin. Es sei im Interesse der Betriebe, sich daran zu halten. Die Sprecherin verwies darauf, dass Fremde von der Geflügelpest befallene Höfe nicht betreten dürfen. Wer dies mache und fahrlässig zur weiteren Ausbreitung der Vogelgrippe beitrage, mache sich strafbar. Zudem drohten Bußgelder.

Experten rätseln noch, wie die Vogelgrippe in dem gut geschützten Betrieb in Grumby ausbrechen konnte. Experten des Greifswalder Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) untersuchten den Hof und sämtliche Rahmenbedingungen. Ergebnisse lägen noch nicht vor, sagte die Ministeriumssprecherin. Um den Hof wurde ein Sperrbezirk von drei Kilometern und ein Beobachtungsgebiet von weiteren sieben Kilometern eingerichtet.

Sollte sich die Vogelgrippe weiter ausbreiten, müsse im schlimmsten Fall der gesamte Handel mit Geflügel unterbunden werden, sagte Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) NDR 1 Welle Nord.

Mittlerweile ist in sechs von elf Kreisen der Geflügelpest-Erreger nachgewiesen. In fast allen Fällen handelte es sich um Wildvögel (Reiherenten, Schwäne, Gänse). In zwei Fällen waren Geflügelhaltungen betroffen: Neben der Anlage in Schleswig-Flensburg eine Hobbyhaltung in Lübeck. „Es gibt aber auch eine positive Nachricht“, sagte die Sprecherin. „Bei zwei weiteren Hobbyhaltungen haben sich erste Hinweise auf Vogelgrippe nicht bestätigt.“

Die ersten Ausbrüche bei Hausgeflügel waren am Freitag bei zwei weitaus kleineren Höfen in der Nähe von Lübeck sowie in Vorpommern gemeldet worden. Erstmals war die H5N8-Variante der aktuellen Epidemie in Deutschland am 8. November bei verendeten Wasservögeln an Seen im Kreis Plön nachgewiesen worden.

In Deutschland ist die Vogelgrippe seit der vergangenen Woche in immer mehr Bundesländern nachgewiesen worden. Europaweit wurden aus mindestens sieben Ländern Geflügelpest-Nachweise bei Wildvögeln oder in Geflügelbeständen gemeldet.

Von der Deutschen Presse-Agentur

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Eigentlich scharren und picken sie im Freien. Doch wegen der Vogelgrippe gilt landesweit eine Stallpflicht für Hühner. Deshalb dürfen die Eier jetzt nicht mehr als Freilandeier vermarktet werden. Trotzdem findet man noch genügend im Laden.

Der Eierkauf sorgt für Verwirrung: Gibt es überhaupt noch echte Freilandeier? Müssen nicht alle Eier mit dem Hinweis „Aus Bodenhaltung“ verkauft werden? Und was ist eigentlich mit Bio-Eiern? Ursache der Verunsicherung ist die umstrittene Stallpflicht, die wegen der Vogelgrippe weiter in ganz Schleswig-Holstein gilt.

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