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Flüchtlinge wollen auf den Arbeitsmarkt

"Mehr Land in Sicht" Flüchtlinge wollen auf den Arbeitsmarkt

Immer mehr Flüchtlinge in Schleswig-Holstein suchen Rat und Hilfestellung bei der Berufsausbildung und Integration in den deutschen Arbeitsmarkt. „Wir werden von arbeitswilligen Flüchtlingen praktisch überrannt“, berichteten Vertreter des Netzwerks „Mehr Land in Sicht“ am Montag in Kiel.

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Quelle: Axel Heimken/dpa

Kiel. Handwerk und Industrie klagen über Facharbeitermangel, viele Flüchtlinge wolllen in Deutschland arbeiten. Als Schnittstelle zwischen Betrieben, Arbeitsagentur und Flüchtlingen hilft im Norden das zunehmend gefragte Netzwerk „Mehr Land in Sicht“.

Immer mehr Flüchtlinge in Schleswig-Holstein suchen Rat und Hilfestellung bei der Berufsausbildung und Integration in den deutschen Arbeitsmarkt. „Wir werden von arbeitswilligen Flüchtlingen praktisch überrannt“, berichteten Vertreter des Netzwerks „Mehr Land in Sicht“ am Montag in Kiel. Ursprünglich wollte das Netzwerk von 2015 bis 2019 rund 1600 Flüchtlinge beraten. „Wir könnten aber schon jetzt die doppelte Zahl anstreben, hätten wir die Ressourcen“, sagte Netzwerkkoordinatorin Krystyna Michalski vom Paritätischen Wohlfahrtsverband Schleswig-Holstein.

Notwendig wäre, dass der Bund seine bisherigen Projektmittel aufstocke oder das Land ein Förderprogramm starten würde, ergänzte Martin Link, Geschäftsführer des Flüchtlingsrates Schleswig-Holstein und ebenfalls Netzwerkkoordinator. Zur Verfügung stehen laut Netzwerk-Angaben rund 450 000 Euro für den Förderzeitraum, zum Großteil vom Bund und von der Europäischen Union aufgebracht. Statt zeitlich befristeter Projekt, die immer wieder neu bewilligt werden müssen, sei eine nachhaltige Finanzierung für diesen wichtigen Bereich dringend notwendig, sagte Link. Das Netzwerk beschäftigt zwölf Mitarbeiter, notwendig wäre die doppelte Zahl, hieß es.

Allein im Rahmen des Projekts „Handwerk ist interkulturell“ der Handwerkskammer Lübeck wurden seit 2010 rund 700 Flüchtlinge beraten. Von ihnen hätten rund 200 einen sozialversicherungspflichtigen Job oder eine Ausbildung bekommen, sagte Christian Maack, Geschäftsführer der Handwerkskammer, die mit dem Netzwerk kooperiert. Die Erfahrungen mit arbeitssuchenden Asylbewerbern seien sehr positiv. „Das Potenzial ist gut, man muss es nur heben. Ein großer Anteil der Flüchtlinge ist gut ausgebildet, für alle gilt: sie sind hochmotiviert.“ Das Hauptproblem seien die fehlenden Deutschkenntnisse. Vielen Betriebe gehe es um die Zukunftssicherung, sie bräuchten neue Kräfte.

Trotz inzwischen gelockerter Arbeitsverbote übten Maack und Netzwerkvertreter Kritik an weiterhin bestehenden gesetzlichen Unsicherheiten und Einschränkungen für Flüchtlinge. „Es darf nicht mehr passieren, dass jemand mitten in der Ausbildung einen Abschiebebescheid bekommt“, sagte Maack. Als zentrale Forderung nannte Michalski die Abschaffung der sogenannten Vorrangprüfung. Danach darf ein Unternehmen einen Flüchtling nur einstellen, wenn es keinen geeigneten deutschen Bewerber oder Bewerber aus der EU gibt.

Das Netzwerk berät nicht nur Flüchtlinge und Asylbewerber, sondern auch die Arbeitsagentur und Jobcenter. In der Vergangenheit hätten diese Arbeitsvermittler mit Flüchtlingen wegen der Arbeitsverbote oft nicht einmal gesprochen. Dies habe sich geändert, da Flüchtlinge sich nach drei Monaten zumindest arbeitssuchend melden dürfen, erläuterten Netzwerkvertreter. Da das Netzwerk viel Know-how über Hilfs- und Förderprogramme habe und mit renommierten Firmen zusammenarbeite, schätzten die Arbeitsvermittler die Kooperation zunehmend.

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