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Mehrjährige Haftstrafen verhängt

Geiselnahme in JVA Lübeck Mehrjährige Haftstrafen verhängt

Die Geiselnahme in der JVA Lübeck am Heiligabend 2014 war schnell beendet. Der Fluchtversuch von vier Angeklagten scheiterte. Nun hat ein Gericht die Männer zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Das Opfer leidet noch heute unter den Folgen der Tat.

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Alexej S. soll einem Beamten ein Brotmesser an den Hals gehalten haben. Vor Gericht verdeckt er sein Gesicht mit einem Pulli. Neben ihm seine Anwältin Kerstin Raber.

Quelle: Markus Scholz/dpa

Lübeck. Für eine Geiselnahme in der JVA Lübeck sind vier Männer zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Der 23 Jahre alte Hauptangeklagte muss sechs Jahre und neun Monate ins Gefängnis. Seine Mitangeklagten erhielten Strafen zwischen anderthalb und knapp drei Jahren.

Das Landgericht Lübeck sah es in seinem Urteil am Mittwoch als erwiesen an, dass die vier Männer Weihnachten 2014 einen Justizvollzugsbeamten in ihre Gewalt gebracht hatten, um ihre Flucht aus dem Gefängnis zu erzwingen. Um das Leben der Geisel nicht zu gefährden, öffneten andere JVA-Bedienstete ihnen zwei Türen, letztlich scheiterte der Fluchtversuch aber. Das Opfer hatte im Prozess berichtet, es leide noch immer unter dem Erlebten.

Die Männer wurden wegen Gefangenenmeuterei und versuchten Raubes verurteilt, der Hauptangeklagte zudem auch wegen Geiselnahme. Die vier nahmen ihre Urteile äußerlich gefasst auf. Sie alle hatten im Laufe des Prozesses zwar die ihnen vorgeworfenen Taten im Großen und Ganzen gestanden. Bei Fragen zum genauen Ablauf hatten sie sich jedoch auf Erinnerungslücken berufen.

Die Männer hatten nach ihren Aussagen zu viert rund zweieinhalb Liter selbst gebrauten Alkohol getrunken und das Geschehen „wie durch einen Schleier wahrgenommen“.

Die Frage, wie viel Alkohol sie tatsächlich getrunken hatten, ließ sich im Prozess nicht mehr beantworten. Da die damalige Anstaltsleiterin die Polizei erst am nächsten Tag über den Zwischenfall informierte, wurden keine Blutproben entnommen. Es gab also keine verlässlichen Angaben dazu, wie betrunken die Männer waren, was deren Verteidiger im Prozess immer wieder heftig kritisierten. Die Anstaltsleiterin hatte deshalb ihren Posten räumen müssen, auch Justizministerin Anke Spoorendonk (SSW) war wegen der Affäre unter Druck geraten.

Die aus Russland, Georgien und Litauen stammenden Männer hatten gemeinsam in der Zelle des heute 23 Jahre alten Hauptangeklagten Weihnachten gefeiert. Ein 37 Jahre alter Gefangener täuschte einen Anfall vor, um einen Justizvollzugsbeamten in die Zelle zu locken. Der 23-Jährige überwältigte ihn, ein 51-Jähriger und ein 25-Jähriger, die mit den anderen in der Zelle gefeiert hatten, hielten den Beamten am Boden fest.

Als der Wärter den Häftlingen erklärte, dass sein Schlüssel ihnen bei der Flucht nicht helfen werde, weil die Ausgänge der JVA durch elektronische Schleusen gesichert sind, griff der 23-Jährige ein Brotmesser und nahm den Beamten als Geisel.

„Die anderen Angeklagten haben diese Planänderung nach Überzeugung des Gerichts nicht mitgemacht“, sagte der Vorsitzende in der Urteilsbegründung. Zumindest der 37-Jährige sei jedoch dem Geiselnehmer ins Erdgeschoss gefolgt, weil auch er aus dem Gefängnis ausbrechen wollte, sagte der Richter. Der Fluchtversuch scheiterte jedoch.

Mit den Urteilen blieb das Gericht knapp unter den Anträgen der Staatsanwaltschaft, die Strafen zwischen zwei und knapp sieben Jahren gefordert hatte. Die Verteidiger hatten für ihre Mandanten deutlich mildere Strafen oder Freisprüche gefordert. Sie prüfen jetzt, ob sie Revision beantragen werden.

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