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Auf der großen Bühne vor dem Königspaar

„Meine gute Nachricht“ Auf der großen Bühne vor dem Königspaar

Uwe Behrmann schlüpfte unverhofft in eine Hauptrolle im Theater und trat dann gleich noch vor der niederländischen Königsfamilie auf.

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Im Hamburger Thalia Theater – hier hinter den Kulissen – war Uwe Behrmann schon häufig als Statist zu sehen. Bei einer Gastspielreise nach Holland wurde der 78-Jährige, der sonst als Chorsänger im Hintergrund blieb, plötzlich ein Hauptakteur im Stück.

Quelle: Roland Magunia

Hamburg. Eine normale Gastspielreise sollte es werden. Sechs Tage Amsterdam mit der Crew vom Thalia Theater. Drei Vorstellungen des Stückes „Die Stunde da wir nichts voneinander wussten“ von Peter Handke standen auf dem Programm. Für Uwe Behrmann aus Stellingen eigentlich kein Grund, aufgeregt zu sein. Schließlich soll er ja nicht auf der Bühne stehen, sondern im Parkett, als Bass-Sänger zusammen mit einem Männerchor. Eigentlich.

Behrmann hat sich schon immer für Theater und Film interessiert. Und so war es ein fester Vorsatz, dass er sich nach seiner aktiven Berufszeit als Verlagskaufmann diesem Hobby widmen wollte. „Von 1995 bis 2014 habe ich mich praktisch bei allen Hamburger Agenturen beworben und als Komparse bei diversen Fernsehsendungen mitgewirkt“, sagt er. Irgendwann schaffte er es als Statist ans Schauspielhaus und Thalia Theater. An die großen Bühnen, aber immer im Hintergrund. Bis zur Amsterdam-Reise.

Als das Telefon am 1. Juni, einen Tag vor der Abreise, klingelte, war der 78-Jährige dabei, die Reisetasche zu packen. Am anderen Ende war Karin Becker, künstlerische Betriebsdirektorin am Thalia Theater. „Sie teilte mir mit, dass einer der wichtigsten Schauspieler erkrankt sei, und fragte mich, ob ich mir vorstellen könnte, seine Rolle zu übernehmen“, erzählt Behrmann. Es ist eine anspruchsvolle Rolle, das wusste Behrmann – er hatte das Stück oft vom Chorgraben aus verfolgt. Zwar wird in Handkes Stück nicht gesprochen, doch veränderten sich die Szenen wahnsinnig schnell, und in jeder neuen würden die Schauspieler andere Kostüme tragen und in andere Rollen schlüpfen. Aber für Bedenken war keine Zeit, und so sagte er kurzerhand zu. Zur Aufregung mischte sich Stolz: „Ich bin nicht nur Statist und Chorsänger, sondern auch einer der wichtigen Akteure auf der Bühne“, dachte Behrmann.

„Auf der Hinfahrt drückte mir die Regieassistentin ein Skript mit meinen Auf- und Abgängen in die Hand, samt Beschreibung der Figuren, Kostüme und Perücken.“ Er sollte unter anderem einen alten Mann, einen Gigolo, einen Geschenke-Einkäufer, einen Hochzeitsgast, einen Geschäftsmann und den biblischen Abraham spielen. Ganz schön viel. Dann machte noch ein Gerücht die Runde: Kollegen erzählten, das holländische Königspaar werde bei der Aufführung sein. „Unser Theaterstück war Teil des Holland-Festivals, das Königin Máxima und König Willem-Alexander eröffnen sollten“, so Behrmann. „Ich konnte mein Glück kaum fassen. Da habe ich einmal die Chance und kann eine große Rolle spielen – und dann schaut auch noch das Königspaar zu.“

Und so ging Behrmann voller Elan in die Generalprobe. Bis auf kleine Unsicherheiten lief diese überraschend gut. „Als im Hotel unter der Dusche auch die letzten Zweifel an mir abglitten, merkte ich, dass ich mich richtig auf die Premiere freute.“

Dann ging es los. Der Statist betrat die große Bühne. Und er spielte, als hätte er wochenlang geprobt. Und dann, ganz am Ende, als das Licht am Saal anging, sah Behrmann sie deutlich: „Máxima und Willem-Alexander gaben wie alle anderen im Publikum auch Standing-Ovations. Was für ein Moment.“

Üüberwältigt und beflügelt ging Behrmann auf die Premierenfeier. Wieder war das Königspaar dabei. Dieses Mal aber in direkter Nähe. „Der Zufall wollte es, dass die beiden mir genau gegenüber standen, und spätestens als mir Máxima dann noch ein Lächeln schenkte, war mein Glück perfekt.“

Von Juliane Kmieciak. Die Autorin ist Redakteurin beim „Hamburger Abendblatt“.

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KN-online (Kieler Nachrichten)

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