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Ausstellung mit „Dithmarscher Obstmodellen“ geplant

Meldorf Ausstellung mit „Dithmarscher Obstmodellen“ geplant

Von der Vielfalt der Obstarten vor 100 Jahren in unserem Land zeugen nur noch Pappmaché-Modelle: Ein Verein plant jetzt die Ausstellung historischer Obstmodelle in Meldorf.

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Von der Vielfalt der Obstarten vor 100 Jahren in unserem Land zeugen nur noch Pappmaché-Modelle.

Quelle: Wolfgang Runge/dpa

Meldorf. Heute kann man es sich nur schwer vorstellen, aber im ausgehenden 18. Jahrhundert war es durch alle Bevölkerungskreise „hip“ oder „en vogue“, sich mit „Pomologie“ zu beschäftigen — der Obstkunde. Eine Flut von Gartenbüchern kam damals auf den Markt — „darunter zahlreiche Pomologien, die den Obstanbau in Wort und Bild beschrieben“, sagt der Biologe Malte Reichert. Es war 1796, als der geschäftstüchtige Verleger einer Gartenzeitschrift sein Magazin mit plastischen Modellen ergänzte. Rund 180 Jahre, bevor das legendäre Yps-Heft mit seinen Gimmiks in Deutschland auf den Markt kam, erfreuten die von einem Konditor geformten und fein bemalten Wachsfrüchte die Leser des „Teutschen Obstgärtners“.

„Die Obstmodelle sollten in erster Linie die Artenkenntnis erweitern und festigen“, erzählt Reichert. Sie mussten möglichst originalgetreu sein, denn andere Unterscheidungskriterien wie Geschmack oder Geruch fallen bei einem Modell weg. Obstmodelle waren wichtiger Bestandteil des naturwissenschaftlichen Unterrichts in Deutschlands Schulen zu Kaisers Zeiten.

Die Dithmarscher Obstmodelle wurden 1888 angeschafft. Der Gartenbauverein Heide bewilligte damals 100 Reichsmark für die Anschaffung eine „Obstcabinets“. Mit den Pappmaché-Früchten sollte dem Mitgliederschwund entgegengewirkt werden, erzählt Reichert. Die insgesamt 70 unterschiedlichen Äpfel, 50 Birnen, und 10 Pflaumen sind aus fein bemaltem Pappmaché und zum Teil zusätzlich mit Sand gefüllt, um das Gewicht der Früchte darzustellen.

"Eine kulturhistorische Besonderheit"

Den Gartenbauverein gibt's nicht mehr, und nach Irrwegen landeten die Obstmodelle schließlich im Meldorfer Landwirtschaftsmuseum. „Die Dithmarscher Obstmodelle sind eine kulturhistorische Besonderheit“, schwärmt Reichert. Die Modelle stammen aus verschiedenen Manufakturen: Darunter die kleinindustrielle Produktion einer „Porcellan-Manufaktur“. Die Modell-Früchte erwarb man damals ganz modern — entweder mit regelmäßigen Lieferungen im Abonnement, oder man orderte bestimmte Exemplare aus umfangreichen Katalogen.

Der „Verein für Dithmarscher Landeskunde“ plant jetzt die Ausstellung der historischen Obstmodellsammlung. Sie zeigt die Obst-Kultur von damals. Es sind alles Sorten, die vor 150 Jahren typisch waren für diese Region, sagt Reichert. Sie waren robust und unterschieden sich unter anderem im Aussehen und Geschmack. „Die Bäume wurden auf den Höfen gepflanzt, um die Ernährung sicherzustellen: Es war damals kein Hobby, sondern Notwendigkeit.“

Die alten Sorten unterscheiden sich nach Reicherts Angaben nicht nur im Aussehen und Geschmack, sind relativ robust, es wurde nicht gespritzt oder gedüngt. Die eine Sorte war im September reif, die konnte man sofort essen, eine andere kam später im Herbst, und am Schluss reiften noch Sorten, die bis Februar oder März lagern konnten - mit denen kam man über den Winter.

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