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Die Kanzlerin war ganz Ohr

Marine Die Kanzlerin war ganz Ohr

Was für ein Tag! Zwei Stunden bevor Bundeskanzlerin Angela Merkel in Kiel landen sollte, setzten heftige Schneeschauer ein. Kurzfristig plante das Marinekommando deshalb um. Nicht direkt auf dem Kieler Marinegelände sollte der Gast aus Berlin landen, sondern sicherheitshalber im 45 Kilometer entfernten Hohn.

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Interessiert und locker: Bundeskanzlerin Angela Merkel wollte von den Soldaten der Korvette „Braunschweig“ viel über den Alltag erfahren.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Trotzdem erreichte der hohe Besuch rechtzeitig um 14 Uhr die Tirpitzmole und konnte sich zwei Stunden lang von den Aufgaben und den Fähigkeiten der Einheiten der 4600 Mann starken Einsatzflottille 1 überzeugen. Ein generalstabsmäßig geplanter Besuch, der die Soldaten begeisterte.

 Seit 8.30 Uhr steht sich an der Tirpitzmole Oberbootsmann Ann-Kathrin Fischer die Füße in der Kälte platt. Insgesamt 60 Journalisten, etliche Kamera- und Aufnahmewagen muss sie am Eingang kontrollieren. Anschließend folgt auf dem Parkplatz die Fahrzeug- und Taschenüberprüfung. Sicherheit ist das oberste Gebot. Für die Marine jedoch eine Lachnummer: Sonst bewältigen die Soldaten ganz andere Aufgaben.

 Als die Kanzlerin gegen 14 Uhr ankommt, wird Thomas Kaluza besonders wachsam. Zusammen mit drei Kollegen sitzt der Hauptbootsmann am Anfang der Pier im „Eagle 5“, einem geschützten Patroullienfahrzeug im Wert von einer Million Euro. Die Männer sichern den Kontrollpunkt, auf dem Dach des Fahrzeugs die schwenkbare Waffenstation „FLW 100“.

 Langsam marschiert Angela Merkel in schwarzem Wintermantel, schwarzer Hose und ohne Schal zusammen mit Vizeadmiral Andreas Krause und Kapitän zur See Jan C. Kaack, die Tirpitzmole entlang. Mit dabei der Staatssekretär der Bundesverteidigungsministeriums, Gerd Hoofe, und Sicherheitspersonal. Sechs weitere Marineeinheiten in „fehgrau“ haben an der Mole festgemacht. Beim Passieren wird die Kanzlerin jedes Mal militärisch gegrüßt – Seite pfeifen und Salut. Erst nach rund 500 Metern hat sie ihr Ziel erreicht: die Korvette „Braunschweig“, eines der neuesten Kriegsschiffe der Marine. Normalerweise ist das Schiff mit 58 Mann besetzt, heute warten an Bord über 100 Soldaten und der große Journalistentross. „Wir sind stolz und froh, dass uns die Kanzlerin heute besucht“, sagt Fregattenkapitän Gunnar Wolff. „So können wir zeigen, dass die Marine ein wichtiger Teil der Bundeswehr ist.“ Kapitän zur See Jan C. Kaack fügt hinzu: „Wir sprechen auch über Probleme. Die Ausrüstung spielt weniger eine Rolle.“ Probleme beispielsweise mit den neuen Arbeitszeitrichtlinien und der hohen Einsatzbelastung.

Angela Merkel (CDU) lässt sich die Ausrüstung erklären.

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 Während die Kanzlerin im kleinen Kreis im Hangar des Schiffes „gebrieft“ wird, warten oben an Deck schon die Kampfschwimmer und Minentaucher auf ihren Einsatz. Oberleutnant zur See Konrad Wolf ist Kampfschwimmer durch und durch, auch wenn er heute nicht zum Einsatz kommt. „Die Ausbildung ist sehr aufwändig und mit die anstrengendste, die man bei der Bundeswehr machen kann.“ Wer beim Videoportal Youtube das Wort „Kampfschwimmer“ eingibt, bekommt einen Einblick, wie verdammt hart der Job sein kann. Nur rund 30 Prozent der Bewerber schaffen überhaupt die Aufnahme. „Wir müssen ja an Land und im Wasser top sein“, sagt Wolf, während nebenan schon die Demonstration einer Geiselbefreiungsoperation seiner Kollegen läuft – mit schwerem Geschütz, Speedbooten und Enterhaken. Äußerst aufmerksam beobachtet Merkel den Einsatz. Ein Kampfschwimmer überreicht ihr eine Münze mit der Prägung der Einheit (siehe Artikel unten). Mal ein ganz anderes Geschenk.

 Dann verschwindet die Kanzlerin auch schon wieder im Schiff, um zu ihrem wichtigsten Termin zu kommen. 45 Minuten hat sie für eine „private“ Runde eingeplant, mit etwas mehr als 20 Soldaten der verschiedensten Einheiten. Sie möchte wissen, wo der Schuh drückt. Auch Obermaat Andrea Kirschel vom Eckernförder Seebattaillon und Stabsbootsmann Christian Sieg vom Stab der Einsatzflotille 1 sind dabei. Beide sind anschließend sehr angetan, wie interessiert die Kanzlerin gewesen sei und wie aufmerksam sie zugehört habe.

 Vor der gesamten Besatzung der Korvette „Braunschweig“ bedankt sich Angela Merkel anschließend bei allen und wünscht „alles Gute“. Dann geht sie von Bord und steigt in ihren dunklen Audi A8. Berlin wartet schon. Über Lautsprecher kommt die Abschlussmeldung: „Die Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland ist von Bord.“

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Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

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