23 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Wacken als Wintermärchen

Metal auf der Skipiste Wacken als Wintermärchen

Wacken im Winter ist eher nicht der Hit. Deshalb wird das eigentlich sommerliche Heavy-Metal-Festival jetzt für eine Woche zum Wintermärchen. Am 28. März beginnt in Nassfeld, Kärntens größtem Skigebiet, das „Full Metal Mountain“.

Voriger Artikel
Was bewegt sich denn da?
Nächster Artikel
Schon wieder ein Glücksspiel-Millionär im Norden

Wenn alljährlich im August das Wacken Open Air startet, blickt inzwischen nicht mehr nur die weltweite Metal-Szene.

Quelle: Frank Peter

Wacken. In den Landgasthof „Zur Post“ hat sich am frühen Abend kein Gast verirrt. Eine Mitarbeiterin wischt die Küche auf. Ob sie Holger Hübner kenne? Blöde Frage offenbar. „Den kennt hier jeder“, sagt sie. Im Salon Germaine nebenan muss die Friseurin auch nicht lange überlegen: „Herr Hübner ist echt netter Typ, ohne ihn läuft hier gar nichts.“

 „Mr. Wacken“ empfängt auf seinem Firmengelände. Durch schmale Gänge und eine große Lagerhalle führt der Weg ins Besprechungszimmer. Dort sitzt der rotblond Gelockte kurzärmelig vor einem Laptop. Da man sich in der Metal-Szene nicht siezt, sind in seinem Unternehmen ICS alle per du. „Herr Hübner“ gibt’s hier nicht. Also Holger. Er hat viel zu erzählen. Was seit 1990 immer am ersten August-Wochenende auf dem platten Land in Schleswig-Holstein geschieht, ist eine Weltgeschichte, geschrieben von zwei Jungs vom Dorf.

 Holger Hübner und Thomas Jensen kennen sich von Kindesbeinen an. Sie haben gemeinsam beim TSV Wacken gekickt, Hübner im Tor. „Zu mehr hat es nicht gereicht“, gibt er zu. Sie haben kaufmännische Lehren absolviert, Hübner arbeitete zehn Jahre bei einer Rohrleitungsbaufirma in Hademarschen, Jensen bei Bona in Hohenwestedt. Hübner jobbte nebenbei als Discjockey, Jensen kellnerte. „Ich musste viel organisieren und habe mir dabei Frühaufstehen und Pünktlichkeit angeeignet“, erzählt Hübner. Dann entstand die Idee, auf einer Wiese in Wacken ein Festival zu organisieren. 800 Leute kamen zum ersten Open Air mit sechs Bands. 2015 waren es 75000 Fans.

Die Wolken haben sich verzogen, beim Wacken-Festival steht wieder gute Laune auf dem Programm.

Zur Bildergalerie

 Die Welt-Story ist auch eine Geschichte mit Tiefen. 1993 verunglückte Jensens Mutter tödlich, und das Open Air, so Hübner, war eine einzige Katastrophe. 7000 Leute kamen, nur 3000 bezahlten. Außerdem lag er nach einem schweren Autounfall neun Monate in Itzehoe im Krankenhaus. In dieser kritischen Phase sprangen auch noch drei Mitstreiter ab, da der Schuldenberg beträchtlich angewachsen war. Wacken wackelte. Doch dann regelten die Eltern von Hübner und Jensen teilweise die Sache mit den Verbindlichkeiten, Hübner organisierte aus dem Krankenbett Bands und Logistik für das nächste Open Air, Jensen regelte alles vor Ort, und 1994 gab es immerhin eine Nullrunde.

 Von da an ging es bergauf, nun wollen die beiden hoch hinaus, Wacken wird für eine Woche zum Wintermärchen. Am 28. März beginnt in Nassfeld, Kärntens größtem Skigebiet, „Full Metal Mountain“: Party auf der Piste, volle Downhill-Dröhnung, ähnlich abgefahren wie die Heavy-Metal-Kreuzfahrten für 2000 Leute, harte Musik all inclusive. Die vierte war in einer halben Stunde ausverkauft, startet im September in Hamburg und wird in Kiel enden. „Wir sind halt keine klassischen BWLer, wir sind Macher“, sagt Hübner und hat schon eine nächste Idee: Fans und Bands will er im Jumbo zu Konzerten nach Süd- und Mittelamerika fliegen lassen. 2018 könnte Wacken abheben.

 Im Juli wird der Managing Director 50. Was treibt ihn an? „Ich trage soziale Verantwortung für die Region und meine Mitarbeiter. Die haben Häuser und Kinder.“ Mit den Landwirten in Wacken hat er Verträge bis 2030 abgeschlossen. Das Feld ist bestellt, die Firma wirft Gewinne ab, der Unternehmer könnte mit Frau und Tochter in die Welt jetten. Doch Hübner definiert Luxus anders: Zeit für Familie und Freunde, kicken mit der Altliga des TSV oder Urlaub in Schleswig-Holstein.

 Der Landgasthof „Zur Post“ gehört den beiden. Sie haben die insolvente Gaststätte erworben, um sie zu erhalten, auch aus emotionalen Gründen. Am Tresen wurde das W:O:A gegründet. Reden will Hübner darüber nicht: „Gutes tun und die Schnauze halten, das ist unser Stil.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Gerhard Müller
Sonderthemen/Aktionen

THW-Liveticker

Verfolgen Sie alle Spiele vom THW Kiel in unserem Liveticker.

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
ANZEIGE
Mehr aus Nachrichten: Schleswig-Holstein 2/3