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Freier Strand für alle

Meyers Tourismus-Initiative: Freier Strand für alle

Die Regierung möchte die Strandgebühren an Nord- und Ostsee abschaffen. Im Gespräch mit unserer Zeitung appellierte Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) an die Feriengemeinden, die Tages-Kurabgabe nach dem Vorbild Eckernfördes zu streichen.

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Kartenkontrolle: Strandranger Peter Glowatzki (li.) macht seine tägliche Runde bei den Badegästen. Michael Vollmer (45) hatte sein Ticket am Automaten gelöst.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. „Es ist nicht mehr zeitgemäß, Strandgebühren zu erheben.“ Meyer, der auch Präsident des Deutschen Tourismusverbandes ist, verweist auf andere Urlaubsländer wie Dänemark oder Frankreich. Dort koste der Strandbesuch nichts. Mit einer Abschaffung der Gebühr könne Schleswig-Holstein Vorreiter in Norddeutschland werden, wirbt er. „Es ist ein Marketing-Effekt, wenn wir sagen könnten: Schleswig-Holstein bietet überall freien Zugang zum Strand.“

 Von diesem Ziel ist das Land noch weit entfernt. Nach Angaben des Tourismusverbandes verlangen fast alle der rund 30 größeren Urlaubsorte an Nord- und Ostsee eine Tages-Kurabgabe. Diese Gebühr wird an Kassenbuden vor dem Strand (wie in St. Peter-Ording) oder über Ticketautomaten (wie am Schönberger Strand) eingetrieben und liegt zwischen einem Euro (Strande) und 3,50 Euro (Sylt). Ähnlich viel zahlen Dauerurlauber über die Kurtaxe. Sie schließt den Strandbesuch ein.

 „Die Tourismusorte sind auf die Refinanzierung aus den Kurabgaben angewiesen“, betont die Geschäftsführerin des Tourismusverbandes, Catrin Homp. Meyer verweist dagegen auf Eckernförde. Das Ostseebad hat die Strandgebühr vor Jahren abgeschafft und wirbt seitdem mit dem freien Zutritt zum Wasser. „Das ist ein Imagegewinn“, berichtet der Geschäftsführer des Stadtmarketing Eckernförde, Stefan Borgmann. Es kämen mehr Gäste, so dass sich die Abschaffung der Gebühr unter dem Strich rechne. Das liegt auch daran, dass Eckernförde zuletzt nur 50000 Euro Strandgebühren im Jahr einnahm und abzüglich der Kosten für Automaten und Kontrollen lediglich 10000 Euro übrig blieben. Zum Vergleich: Die Kurtaxe bringt in Eckernförde jährlich 250000 Euro ein. Meyer würde am liebsten auch die Kurtaxe abschaffen. Eine Alternative wäre eine höhere Tourismusabgabe. Sie wird schon in vielen Urlaubsorten kassiert, und zwar von Hotels, Gaststätten und Geschäften, aber teils auch schon von Handwerkern, Ärzten und Anwälten. Beifall für einen solchen Systemwechsel kommt aus der Regierungskoalition. „Die Kurtaxe ist ein Relikt aus dem vorherigen Jahrhundert“, sagt Andreas Tietze (Grüne). Sein CDU-Kollege Hartmut Hamerich findet die Idee zwar „toll“, erinnert aber daran, dass es bislang kein Modell gibt, bei dem die Urlaubsorte ohne Schaden davonkommen.

 Protest kommt aus der Wirtschaft. Der Vize-Hauptgeschäftsführer der IHK Flensburg, Dirk Nicolaisen, warnt eindringlich vor einem Systemwechsel. „Wir halten nichts davon, die Kurtaxe abzuschaffen und dafür die Betriebe über die Tourismusabgabe stärker zu belasten.“

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Ein Artikel von
Ulf B. Christen
Landeshaus-Korrespondent

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