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Flüchtlingskrise Chance für die Kirche

Der Einsatz auf einem deutschen Kriegsschiff im Mittelmeer und eine Lampedusa-Reise haben den Flensburger Militärseelsorger Gmelch geprägt. Flüchtlinge begreift er als Aufgabe für Christen — und als Hoffnung für die Kirche.

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Unter den Eindrücken aus seinem Einsatz auf einem deutschen Kriegsschiff im Mittelmeer sowie nach einer Reise nach Lampedusa schrieb der 56-jährige Militärseelsorger Michael Gmelch nun das Buch „Refugees Welcome".

Quelle: Lüders

Flensburg. Der Flensburger Militärseelsorger Michael Gmelch hat eine theologische Annäherung zur Flüchtlingskrise verfasst. Unter den Eindrücken aus dem Einsatz auf einem deutschen Kriegsschiff im Mittelmeer sowie nach einer Reise nach Lampedusa schrieb der 56-Jährige das Buch „Refugees Welcome. Eine Herausforderung für Christen“. Am 18. Januar ist es erschienen.

Im Sommer, auf dem Oberdeck der „Berlin“ markierte Gmelch auf roten Armbändchen, was die Geretteten bereits erhalten hatten: Wasser, Reis, Decke. Auch Gmelch musste sich dabei in einen gelben Schutzanzug hüllen, „ganz so als hätten die die Pest“, wie er sagt. 30 Tage lang half der Priester auf dem Einsatzgruppenversorger der Bundeswehr bei der Rettung von Flüchtlingen in Seenot.

„Du nimmst sie an der Hand und sprichst kurz mit ihnen“, erzählt Michael Gmelch. Gern hätte er sich auch mal länger mit Flüchtlingen aus den meist überfüllten Booten darüber unterhalten, warum sie geflohen sind. Doch meist seien sie bereits etwa einen Tag nach der Aufnahme an italienische Behörden übergeben worden, winkend und voller Hoffnung, nicht wissend, was noch vor ihnen liegt. Seine Beobachtungen hielt er in seiner Kammer des Schiffs fest. Insgesamt rettete die Deutsche Marine seit Beginn des Einsatzes „Humanitäre Hilfe zur Rettung von in Seenot geratenen Flüchtlingen“ fast 10 000 Menschen das Leben, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu Beginn der Woche in Kiel würdigte.

Doch mit Decken, Wasser, Reis oder ärztlicher Hilfe wie auf der „Berlin“ ist es nicht getan. „Jene Flüchtlinge, die berechtigterweise bei uns sind und bleiben, fordern uns“, sagt Gmelch nach den Begegnungen mit den Menschen, die vor Krieg und Terror flüchteten. „Christen haben jetzt eine genuine Aufgabe, von der sie sich nicht dispensieren können“, sagt er in seinem Büro in der Schule für Strategische Aufklärung der Bundeswehr im Flensburger Stadtteil Mürwik. Ob die Flucht des Volkes Gottes durch die Wüste oder Christus, der als Säugling mit seinen Eltern vor Herodes nach Ägypten flieht: Der Dekan des katholischen Militärpfarramts Flensburg appelliert geleitet von Jesu Wort „Ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen!“ (Mt 25,35), dass sich alle Christen der Flüchtlingsfrage stellen sollten.

An der aktuellen Diskussion über Obergrenzen und Quoten will er sich nicht beteiligen. „Ich bin kein Sozialökonom, kein Politikberater und kein Rentenfuchs“, sagt er. Er wolle helfen: „Wir müssen Geld in die Hand nehmen, Bildungssysteme umbauen, Dialogfähigkeit fördern.“ Lange seien diakonische Aufgaben an die Caritas und andere Wohlfahrtsverbände outgesourct worden. „Wir müssen innerhalb der Kirchengemeinden wieder neu entdecken, was Sozialdiakonie vor Ort bedeutet“, fordert der Seelsorger nun, der an der Offiziersschule der Marine unterrichtet und Offiziersanwärter zur See begleitet.

Überhaupt, findet Gmelch, habe sich die katholische Kirche seit seiner Priesterweihe vor knapp 30 Jahren fast immer nur mit sich beschäftigt, mit dem Verhältnis zu Protestanten, dem Missbrauchsskandal oder der Struktur der Seelsorge in der Fläche. „Jetzt habe ich die Hoffnung, dass die Kirchen einen aktiven Part übernehmen“, erklärt der zweifach promovierte Theologe.

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