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Sein Herz schlägt für historische Maschinen

Mit Video Sein Herz schlägt für historische Maschinen

Wer durch den beschaulichen Ort Schinkel fährt, ahnt nichts von den alten und schweren Schätzen, die Martin Kruse dort in seiner Werkstatt sammelt und aufarbeitet. Der gelernte Feinmechaniker hat sein Herz an riesige historische Maschinen aus der Jahrhundertwende und später verloren.

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Stolz ist Martin Kruse auf die Dampfmaschine in seiner Küche.

Quelle: Günter Schellhase

Schinkel. Besonders stolz ist er auf seine Weserhütte, einen Hochlöffel-Seilbagger, der fast fertig restauriert in seiner großen Halle im Kreis Rendsburg-Eckernförde steht. Das mächtige Gerät hat im Zweiten Weltkrieg der Wehrmacht den Rückweg aus Russland geebnet.

Martin Kruse nennt seine Hof samt großer Werkstatthalle humorvoll „alles in allem eine ewige Baustelle“. Gemütlich mahlt er in seiner Küche erst einmal Kaffeebohnen und braut einen frischen Muntermacher. Der 55-Jährige erzählt gerne von seine Leidenschaft, auch wie er die alte Schmiedeesse von HDW zu einem Gasherd umgebaut hat. Und von der funktionstüchtigen Dampfmaschine, die daneben steht – aber dazu später. Schon früh entdeckte Kruse sein Faible für die alten mächtigen Drehbänke und Fräsmaschinen. Allein das gewaltige horizontale Bohrwerk aus einer Fabrik für Schiffsschrauben wiegt 20 Tonnen. Auch die vertikale Stoßmaschine stammt aus Anfang des Jahrhunderts und ist ihr Gewicht wert. Geholt hat er sie meist mit seinem alten Hanomag aus Werkstätten oder von Werften, die Platz benötigten für moderneres Gerät. Allein der tipptopp gepflegte Hanomag: „Der Lastwagen ist Baujahr 1963. Ich fahre ihn schon 30 Jahre“, sagt der Mann im Blaumann mit der Kapitänsmütze auf dem Kopf. In der Werkstatt arbeitet er gerade an einer neuen Achse für sein Arbeitstier, auch ein Ersatzmotor steht dort noch herum. „Den Auflieger habe ich selbst montiert. Er stammt aus dem Zweiten Weltkrieg“, erzählt er. Martin Kurse lacht viel, wenn er von seinen Metallkolossen berichtet. Wie auch der Hanomag fast täglich im Einsatz ist, so leisten auch die Maschinen aus alten Zeiten noch tadellos ihre Dienste.

Alles nahm seinen Anfang vor mehr als 30 Jahren, als Kruse noch am Timmerberg im Kieler Stadtteil Wik lebte. Nach seiner Lehre als Feinmechaniker begann er schon damals, alte Wagen wieder herzurichten, aber auch spezielle Schmiede- und Schweißarbeiten anzufertigen, besondere Möbel zu tischlern. „Neue Maschinen waren zu teuer, also habe ich überall geschaut und genommen, was ich bekommen konnte“, sagt er auf seine ruhige Art. 1989 zog er nach Schinkel um, wo er jetzt mit Frau und zwei Kindern lebt. Er kaufte der Raiffeisen die Lagerhalle ab, durfte sie umnutzen und baute noch ein Haus daran. Zwei Jahre später zog dann die Weserhütte ein – sein Lieblingsstück, benannt nach der Herstellerfirma. „Den Bagger habe ich 1991 von einem Bauunternehmer in Preetz übernommen, der mir erzählte, dass das Gerät beim Russlandfeldzug im Einsatz war“, erzählt Kruse. Jetzt fehlt an seinem guten Stück nur noch ein bisschen Farbe, dann will der Tüftler und Bastler wieder damit losbaggern, denn der Motor läuft einwandfrei. Und das meint er durchaus ernst: „Wenn jemand damit ein Loch ausgehoben haben will, dann komme ich mit einem Tieflader und mache das“, sagt er schmunzelnd.

Die Weserhütte ist sein ganzer Stolz.

Quelle: Günter Schellhase

Ach, es gibt hier so viel zu entdecken in Hof und Halle. An verschiedenen Stellen liegen die Teil eines Hundert Jahre alten Rollkrans aus Harburg, den Kruse vor der Verschrottung gerettet hat. Mit Sattelschlepper und Tieflader hat er das Ungetüm nach Schinkel geholt und damit große Pläne. Doch damit das alte Stücke wieder in neuem Glanz erstrahlt, rechnet er mit drei Jahren harter Arbeit. Dann könnte der Rollkran zum Beispiel am Nord-Ostsee-Kanal stehen und Touristen erfreuen. Und wenn die wüssten, dass Martin Kruse in seiner Wohnküche eine funktionstüchtige Dampfmaschine aus dem Jahre 1880 stehen hat, dann würden sie ihm gewiss die Bude einrennen. Nun gut, er betreibt sie nicht mit Feuer, sondern mit Druckluft aus dem Kompressor in seiner Werkstatt. Trotzdem ist es ein Schauspiel, wenn sich mit der Kraft von 15 PS das Schwungrad in Bewegung setzt und fast lautlos immer schneller dreht. „Die habe ich aus einem Museum in Hannover. Dort hatten sie kein Verwendung mehr“, sagt er.

Den Kran aus Harburg will Martin Kruse auch restaurieren.

Quelle: Günter Schellhase

Platz für alte Maschinen und Werkzeuge hat er noch genug auf seinem Grundstück. „Wo das mal hinführt? Das weiß ich selbst noch nicht genau“, sagt er lachend. Eine Idee hat er aber schon im Hinterkopf: „Zeigen, wie ein Werkstattbetrieb vor 50 bis 100 Jahren funktioniert hat, die Technik vergangener Zeiten zur Schau stellen.“ Manchmal halten schon jetzt Interessierte an seinem Hof und fragen neugierig, was er hier so macht: „Ab und zu führe ich sie herum. Und wenn ich keine Lust habe, sage ich, geht in die Halle und schaut euch das mal an.“ Also, einfach mal in Schinkel vorbei fahren, gucken, ob Martin Kruse zu Hause ist: Freunde alter Technik werden begeistert sein.

Wer mehr über Martin Kruse und seine Maschinen sehen möchte, sollte die Sendung „Landpartie“ am 29. Mai um 20.15 Uhr auf N3 nicht verpassen.

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Günter Schellhase
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