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"Werra" rettet 627 Flüchtlinge

Tender aus Kiel "Werra" rettet 627 Flüchtlinge

Vor der libyschen Küste holte das Kieler Marineschiff die verzweifelten Menschen von einem maroden Holzboot. Völlig überfüllt fuhr der Tender am Mittwoch Richtung Italien.

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Dicht an dicht liegen Flüchtlinge auf dem mit einem Tarnnetz überspannten Hubschrauberdeck der „Werra“. Der Tender hatte die Menschen von einem Holzboot gerettet.

Quelle: Achim Winkler

Rom/Kiel. Im Mittelmeer hat die Deutsche Marine seit Sonnabend 1710 Menschen aus Seenot gerettet. Allein der Kieler Tender „Werra“ holte am Dienstag bei seinem ersten Einsatz gleich 627 Menschen aus einem seeuntüchtigen Holzboot, darunter 115 Frauen und 41 Kinder. Das bis an die Kapazitätsgrenze gefüllte Marineschiff machte am Mittwoch um 20 Uhr im italienischen Hafen Reggio Calabria fest, wo die Flüchtlinge an die italienischen Behörden übergeben werden.

„Es war der erste Einsatz für die ,Werra’, den die Besatzung professionell gemeistert hat. Nach der Rettung hatte die Crew das Zehnfache der Besatzungsstärke an Bord“, sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos. Die 100 Meter lange „Werra“ hatte erst am 3. Juni Kiel verlassen. Der Kommandant des Schiffes, Korvettenkapitän Stefan Klatt, hatte am Dienstag nach einem Zwischenstopp in Malaga gerade das Einsatzgebiet erreicht, als die Seenotleitung in Rom den Tender zu einer Position vor der libyschen Hauptstadt Tripolis dirigierte. „Gegen 13 Uhr war der Tender bei dem Holzboot, das voll mit Menschen war“, berichtete der Sprecher. Korvettenkapitän Klatt fand am Mittwoch noch keine Zeit für Interviews. „Es ist eine enorme Herausforderung, unter diesen Bedingungen den Bordbetrieb aufrechtzuerhalten“, sagte der Sprecher.

Die Überführung der Flüchtlinge von ihrem Holzboot auf den Tender dauerte fast fünf Stunden. „Es gibt dabei ein eingeübtes Verfahren. Die Flüchtlinge werden in kleinen Gruppen in eine Rettungsinsel geholt und dann von den Speedbooten zum Tender geschleppt“, so der Sprecher. An Bord werden die Geretteten dann getrennt. Die Männer kommen auf das Hubschrauberlandedeck oder das Vorschiff. Frauen und Kinder werden auf dem geschützten Decksbereich vor dem Aufbau untergebracht. Die Aufenthaltsbereiche der „Werra“ wurden mit Tarnnetzen als Sonnenschutz überspannt. Die Kombüse war im Dauerbetrieb. Die für bis zu 100 Menschen ausgelegte Küche produzierte rund um die Uhr Mahlzeiten. „Die Mannschaft bereitete leichte Speisen zu. Dabei handelte es sich um Reis, Gemüse und Hühnchen“, so der Bundeswehr-Sprecher.

Im Verhältnis zur Schiffsgröße war es die größte Rettung eines deutschen Marineschiffes. Nur die deutlich größere Fregatte „Hessen“ hatte am 29. Mai bei einem Einsatz 880 Menschen gerettet. Die „Hessen“ und der Versorger „Berlin“ hatten seit Anfang Mai bis zur Ablösung durch die „Schleswig-Holstein“ und die „Werra“ in vier Wochen 3400 Bootsflüchtlinge aus dem Mittelmeer gerettet. Die beiden seit Mitte Juni aktiven Schiffe „Werra“ und „Schleswig-Holstein“ haben in nur einer Woche rund die Hälfte dieser Zahl erreicht. Einen Teil der Flüchtlinge übergab die Fregatte auf See an das von der Organisation Ärzte ohne Grenzen eingesetzte Spezialschiff „Bourbon Argos“ sowie das britische Landungsschiff „Bulwark“. Das leere Flüchtlingsboot wurde von der „Werra“ an die italienische Korvette „Commandante Bettica“ übergeben, die das Boot versenkte.

Unterdessen wird in der EU weiter über den Umgang mit den Asylsuchenden gestritten.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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