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Der Schatz von Breitenfelde

Kirchenfenster in Mölln Der Schatz von Breitenfelde

Betritt man die romanisch-frühgotische Kirche in Breitenfelde (bei Mölln), fallen die kräftig schillernden Farben des Christusfensters über dem Altar ins Auge.

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Pastor Frank Lotichius vor seiner Kirche: Das Gotteshaus besitzt die ältesten Kirchenfenster des Landes.

Quelle: Nadine Heggen

Mölln. Der Zyklus von sechs übereinander gestellten Motiven gilt als das älteste Kirchenfenster in Schleswig-Holstein. Lange Zeit wurde sein Wert verkannt: Vor 150 Jahren wurden die Fenster durch eine fragwürdige Restaurierung komplett verdeckt. Erst in den 1960er-Jahren wurden die Bausünden wieder ausgebügelt.

 Etwa um 1250 sind die Breitenfelder Kirchenfenster entstanden. Sie seien „von sensationeller Qualität“, erklärt Gemeindepastor Frank Lotichius nicht ohne Stolz. Fünf Einzelfenster sind noch original, lediglich das unterste ist eine Nachbildung des Lübecker Malers Carl Julius Milde aus dem 19. Jahrhundert. Milde war der erste, der den Wert der Fenster erkannte, über sie berichtete und sich für ihre Rettung einsetzte. Er erhielt den Auftrag, sie zu restaurieren und zwei Nebenfenster passend mit Ornamenten zu füllen.

 Kunsthistoriker sehen in Breitenfelde eine große Nähe zu Glasgemälden gotländischer Kirchen. Der Breitenfelder Geschichtslehrer Hermann Harms, Verfasser einer Historie über das Christusfenster, schreibt daher von einem „Bindeglied zwischen mitteldeutscher und skandinavischer Kultur“.

 Inhaltlich erzählt der Fensterzyklus von sechs Stationen aus dem Neuen Testament. Das unterste Fenster, die Nachbildung von Carl Julius Milde, zeigt die Verkündigung an Maria. Es folgen die Geburt Christi (Weihnachtsfenster), Kreuzigung (Passionsfenster), Auferstehung (Osterfenster), Christus als Gärtner und Himmelfahrt. Fensterzyklen galten als Bilderschrift biblischer Geschichten und mussten daher einfach und verständlich sein. Harms: „Bild-Zeitungen für die des Lesens und Schreibens unkundigen Gläubigen.“ Die Kirche in Breitenfelde gehört damit zu den wenigen Kirchen in Deutschland, die noch mit solch alten Glasgemälden glänzen können. Harms kennt neben Breitenfelde bundesweit nur zehn weitere Kirchen. „Wenn man bedenkt, dass alle großen romanischen und frühgotischen Kirchen mit größter Wahrscheinlichkeit Farbfenster besaßen, ist dieser Katalog recht dürftig.“ Der Verlust erkläre sich durch Kriege, den Aufstieg der Tafelmalerei und den späteren Zeitgeschmack, den Kirchenraum möglichst hell zu gestalten.

 Dass Carl Julius Milde den Wert der Fenster öffentlich machte, nützte seinerzeit nicht viel: Bereits 1868 wurden sie durch eine fragwürdige Restaurierung komplett verdeckt. Neben einer Dachsanierung und einer neuen Orgel legte sich die Gemeinde damals auch einen hölzernen Retabel-Altar zu und stellte ihn direkt vor das sechsteilige Chorfenster, so dass es im Innenraum nicht mehr zu sehen war. Während des Zweiten Weltkriegs wurden die Fenster ausgelagert. Lotichius: „Auf einem Schiff auf dem Ratzeburger See, um sie vor den Bomben zu schützen.“ Nach dem Krieg lieh die Kirchengemeinde die Fenster vorübergehend an das St.-Annen-Museum in Lübeck aus, wo sie zeitweilig im Kreuzgang ausgestellt wurden.

 In den 60er-Jahren wurde die Kirche erneut saniert. Kirchenbänke wurden ersetzt, Wände erhielten freundlichere Farben, der hohe Altar wich einem schlichten, gemauerten Altarblock. Das Christusfenster wurde aus Lübeck wieder zurückgeholt, restauriert, eingebleit und durch eine Sicherheitsverglasung geschützt. Seitdem hängt der Fensterzyklus wieder an seinem Platz und erzählt die Geschichte Jesu.

Von Nadine Heggen

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