22 ° / 14 ° Regenschauer

Navigation:
Das Kreuz mit dem Jakobskreuzkraut

Nabu Das Kreuz mit dem Jakobskreuzkraut

Der Naturschutzbund (Nabu) Schleswig-Holstein hat in einem offenen Brief Umweltminister Robert Habeck (Grüne) aufgefordert, das Jakobskreuzkraut nicht länger zu bekämpfen. Der Nabu bezweifelt, dass „die bisher gewählte Nachgiebigkeit als Strategie tatsächlich lösungsorientiert und naturschutzpolitisch tragfähig ist“.

Voriger Artikel
Deutliche Kritik an der Landeshauptstadt
Nächster Artikel
Rein in den Arbeitsmarkt

Für Pferde und Rinder eine Gefahr: Das giftige Jakobskreuzkraut hat sich seit Mitte der 1990er-Jahre in Schleswig-Holstein stark ausgebreitet. Es wird bis zu 100 Zentimeter hoch und blüht gelb von Juni bis in den Oktober hinein.

Quelle: Aiko Huckauf/Nabu SH, Heidi Schooltink

Kiel. Der CDU-Landtagsabgeordnete Hauke Göttsch kritisierte den Vorstoß und bezeichnete den Nabu als „Phantastentruppe“. Rinder-, Pferde- und Bienenzüchter im Land schütteln nur den Kopf.

Der Nabu ist der Meinung, dass sich der Minister vor den Karren von „Panikmachern“ habe spannen lassen. In dem Schreiben an Robert Habeck heißt es: „Vielleicht haben Sie noch nicht erkannt, von welcher Welle der Irrationalität Sie sich da haben mitziehen lassen.“ Im Fokus der Kritik ist die vom Umweltministerium angeregte Bekämpfung auf über 1200 Hektar Naturschutzfläche in diesem Jahr. Dabei geht es den Naturschützern weniger um das als giftig geltende Jakobskreuzkraut, sondern eher um mit den Bekämpfungsmaßnahmen einhergehende „Kollateralschäden“.

Mit der zunehmenden Ausbreitung des Jakobskreuzkrautes seien die Konflikte zwischen Nutzern und Schützern deutlich gewachsen und schärfer geworden, so die Sprecherin von Umweltminister Habeck. „Dem müssen wir begegnen, und das tun wir mit einer umfassenden Strategie.“ Unter anderem sollen alternative Blühangebote für Bienen geschaffen und die Imker intensiv beraten werden. „Auch die stärkere Bekämpfung vom Jakobskreuzkraut ist Bestandteil, insbesondere an besonders stark betroffenen Gebieten. Das ist schmerzhaft für den Naturschutz, aber dort, wo naturschutzfachliche Ziele gefährdet sind, wird auf die Mahd verzichtet. Zudem haben wir den Forderungen, Pflanzenschutzmittel einzusetzen, eine Absage erteilt.“ Bei der Stiftung Naturschutz sei außerdem ein bundesweit einmaliges Kompetenzzentrum zu dem Thema eingerichtet worden. Dort werden Untersuchungsprogramme koordiniert und die Bürger umfassend informiert.

„Eigentlich ist es undenkbar, dass Imker und Naturschützer mal nicht einer Meinung sind“, sagt Joachim Funk vom Imkerverein Preetz und Umgebung. „Aber das Jakobskreuzkraut ist für uns eine Katastrophe.“ Seit 34 Jahren ist der 72-Jährige Imker und kann nur den Kopf schütteln: „Bisher haben wir mit dem reinsten Lebensmittel geworben. Und jetzt müssen wir nachweisen, wie viel Gift in unseren Honiggläsern ist.“ Etliche Stunden hat Joachim Funk mit anderen Imkern, dem Umweltamt der Gemeinde und der Stiftung Naturschutz in den vergangenen Monaten gekämpft. Per Hand, per Sense und mit dem Mäher wurde gegen das Jakobskreuzkraut vorgegangen. Der kleine Blutbär, eine Motte, die als Raupe die Blüten frisst, sei leider keine Lösung. „Wenn man auf 100 Pflanzen eine Raupe findet, wie soll man da gegen die Unmengen ankommen?“, fragt er resigniert. In Zukunft wünscht er sich ein Entgegenkommen aller Gruppen. „Es muss doch möglich sein, eine Einigkeit zu erzielen.“

„Für Rinder ist das Jakobskreuzkraut in bestimmten Dosen tödlich“, sagt Matthias Leisen, Geschäftsführer der Rinderzucht Schleswig-Holstein. „Kein Landwirt ist deshalb von dem Kraut begeistert.“ Auf die Weidepflege werde deshalb großen Wert gelegt. Vor allem die Gefahr, dass das Kraut durch die Mahd ins Futter gerät, sei groß. Schon die ersten Einzelpflanzen müssten bekämpft werden, so Landwirt Otto Gravert aus Lindau. CDU-Mann Hauke Göttsch zu dem offenen Brief: „Wer wie der Nabu einer unkontrollierten Ausbreitung das Wort redet, der hat sich aus der Realität verabschiedet.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

KN-KSV-Liveticker

Verfolgen Sie alle Spiele von Holstein Kiel im KN-KSV-Liveticker.

Anzeige
ANZEIGE
Mehr aus Nachrichten: Schleswig-Holstein 2/3